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Eine Fahrradwanderung

Mit dem Fahrrad, oft leider allein, führt die Wanderung nach Süden, ins hügelige Erzgebirgsvorland der Lommatzscher Pflege.
Scheinbar kurz vor unserem Ort ging den Eiszeitmassen in ihrem Weg nach Süden, die Norddeutsche Tiefebene produzierend, die Luft aus.
Mindestens vierzig Höhenmeter muss man erklimmen, um in Richtung Lommatzsch die Marienhöhe zu erreichen. Im Südwesten fällt dabei der Blick auf den Huthübel mit seinem sagenumwobenen Monolith.
Im Südwesten sieht man östlich von Zschochau im Jahr 2000 zwei errichtete Windräder.Im Westen ,etwa 10 km entfernt,die Häuser des Neubaugebietes von Ostrau. Überragend ist von hier aus Fernsicht in das Jahnatal mit seinen angrenzenden Wald- und Höhenzügen,dem Colmberg. Erstaunlich ist, wie tief sich die ehemalige Mulde eingrub. Sie ist tektonisch gehindert worden im jetzigen Jahnatal weiter zu fließen. Die Jahna nimmt ihre Stelle ein.
Aus jedem Tal lugen die großen Dächer von mehr oder weniger gut erhaltenen Bauerngütern hervor. Sie zeugen davon, dass hier ertragreiche Tier – und Landwirtschaft betrieben werden konnte und von Wiedereinrichtern betrieben wird. In östlicher Richtung wird der große Turm der Lommatzscher Kirche sichtbar. Nach dem Städtchen Lommatzsch ist das fruchtbare Gebiet der Lommatzscher Pflege benannt. Es ist eines der fruchtbarsten Landwirtschaftsareale, neben der Magedeburger Börde, in Deutschland.
Die Landschaft wird zunehmend geprägt durch hohe Windräder. Sie erzeugen ökologisch unbedenklichen Strom. Zugegeben;man muss sich erst an den neuen Anblick gewöhnen.
Aber, bei jedem Neuen gibt es Gegner.
Als Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts die Eisenbahnlinien geschaffen wurden, sollen Karikaturisten reihenweise Kühe, andere Tiere und Menschen neben den Gleisen umkommen lassen haben. Sie waren überzeugt,ausströmender Dampf und Qualm, die neuen Geräusche, brächten Lebewesen um.
Nach 150 Jahren scheint es ähnlich zu sein. Alles Neue wird zunächst in Frage gestellt.
Gönner und Gegner halten sich nach meinem Dafürhalten in der jetzigen Situation die Waage.
Beide Widerspenstige knipsen bedenkenlos den Lichtschalter an, betreiben ihre elektrischen Haushaltsgeraete und Einrichtungen.
Am Fernseher wird energievernichtend „stand-by“ ganztägig geschaltet gelassen.
Wenige sind sich bewusst, dass Energieerzeugung mit Schaden in der Natur verbunden ist. Übrigens auch mit den Windmühlen, die nun vielerorts in den Himmel ragen. Sie mussten erst einmal mit erheblichem Energieaufwand produziert werden, bevor sie ökologisch Strom erzeugen können.

Der Radfahrweg führt nach Süden. Ständig ansteigend. Durch große landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Schon zu Vorwende – Zeiten fielen die gepflegten Straßenränder auf und besonders auffällig waren die in hervorragendem Zustand befindlichen landwirtschaftlichen- und Gemüsekulturen. Hier betrieb eine beispielgebende Genossenschaft Landwirtschaft. Ein Vorzeige Betrieb mit entsprechender Förderung.
Der stark wellige Charakter des Radwanderweges, erfordert immer wieder vom Rad abzusteigen, um die atemberaubenden Anstiege zu erklimmen. Dafür sind die Abfahrten dann erholsam.
Vorbei führt die Tour an Wegen und Orten, die mit Jugenderinnerungen verbunden sind.
Während der Obsterntezeit, nach dem Schulunterricht in der Grundschule, hatte der heranwachsende Schuljunge Aufgaben zu erfüllen. Die Oma wartete schon mit dem Fahrrad, auf dem eine „Schwinge“, ein aus Weiden geflochtenes rechteckiges Behältnis, befestigt war.Darin befand sich das in Wolltücher und Heu eingepackte Mittagessen für die Obstpflücker. Sie ernteten vom Großvater bei Grund – und Alleen – Besitzern gepachtetes Obst.
Zehnkilometerweit strampelte der Junge die Hügel hinauf, um Männern das Mittagessen zu bringen. Der Vater war unter ihnen.
7 km hatte der Radler in den Beinen, wenn er sich auf der Höhe von Churschütz – Maila befand.
Landstrassen befanden sich im Einzugsgebiet der genannten Vorzeige-Genossenschaft in einem sehr guten Zustand. Nach der Wende baute man sie aus, so dass es sich erholsam radeln liess.
Nach Westen wendend, führte die Radpartie am Ort Glaucha vorbei nach etwa 7 Kilometern an den Steilabhang zum Jahnatal, nach Ostrau. Ein größerer Ort, der schon Kleinstadtcharakter besitzt.
Vorbei rechterhand am Abbauloch der Ostrauer Kalkwerke.
Erwähnenswert erscheint der Kalktagebau deshalb, weil durch den sich an der Kalkwand bildenden Luftauftrieb, Drachenfliegern Gelegenheit geboten ist, sich in die Luft zu erheben. Mit ihren bunten Gleitern nutzen sie geschickt die Thermik aus und bieten einen Blickfang am Himmel. Mutig ziehen sie ihre Kreise wenn sie sich in die Lüfte erheben.
In einer Senke gelegen, erblickt man den Ort Zschochau mit seiner markanten Kirche. Ins Jahnatal gelangt man nach einem schätzungsweise bis 50 m tiefen Steilabstieg.
Gut beraten ist der Radler, mit intakten Bremsen die Fahrt ins Tal zu wagen.

Durch die baumbestandenen, ertragreichen Jahna – Auen radelt es sich erholsam. Unversehens, ohne besondere Mühe, ist der Radler auf dem sich am Flüsschen dahin schlängelnden Jahnatal – Wander- und Radweg und nach 2,5 km Landstraße wieder im Heimatort angelangt.
Die kleinen Orte, die dabei passiert werden, reihen sich in dichter Folge aneinander. Viele Hauseigentümer sorgten durch hellen Anstrich ihrer Häuser dafür, dass das triste Grau der Vorwendezeit allmählich verschwindet.
In Richtung Staucha führt ein Seitental des Jahna – Flüsschens, in dem der Cotten – oder Staucha – Bach fließt. Erwähnenswert ist es deshalb, weil es durch seine akustische Besonderheit auffällt. Bei Luftbewegung aus Richtung Nordwest werden die Bahn- und Straßengeräusche derart in das Tal getragen, dass man meint, die Bahnlinie führe unmittelbar hinter dem Ort am Haus entlang.

 

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