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Einige Gedanken zu einer Reise in den Bayerischen Wald

Nach reiflicher Überlegung wurde die Teilnahm an einer Busreise
beschlossen. Mit illustrer Gesellschaft, zumeist aus dem Personen-
kreis der „Stauchaer Lerchen“ bestehend, erreichte der moderne
Bus Hof in Bayern hinter sich lassend, nach den Höhen der Oberpfalz,
des Fichtelgebirges, den Bayerischen Wald.
Tiefer in den Wald eindringend, wurde immer mehr der unverkennbare Baustil
der „Wäldler“ sichtbar.
Schmucke weißgetünchte zumeist ein – und zweistöckige Häuser,
versehen mit holzverzierten Balkonen, prägten das Bild der Dörfer
und kleinen Städte.
Auffällig war der Streucharakter der Besiedlung in den hohen
Bergregionen.
Wir wohnten etwa in einer Höhe über NN von 400 bis 500 m.
Im Landhotel in Fichtental,einem Nebenort von Prackenbach, im
Kreis Regen, fanden wir gute Unterkunft.
Kaum angekommen,vom Hotel Besitz ergriffen, strömten die waldarmen –
men Freistaatsachsen aus der Lommatzscher Pflege, für das Wild
viel zu lärmend, in den nahen Wald. Entlang ging es an der „Museumseisenbahn – Bayerischer – Wald“. An den verrosteten Schienen und
an einer vom Hochwasser weggeschwemmten Brücke, gegenüber dem
Fleischmannschen Hotel, war unschwer der museale Charakter dieser
von den „Nichtbenutzern“ in den Konkurs gefahrenen Verkehrsmittels,
zu erkennen
Das riesige Waldgebiet,welches in den Tagen des Dortseins
durcheilt werden konnte, präsentierte sich in für den Laien
erkennbarer Gesundheit.
Gegensatz dazu der Wald im oberen Erzgebirge.
Die schnell hereinbrechende Dunkelheit begrenzte den Wandereifer
des ersten Reisetages. Fast unglaublich schenkte der Wettergott
nach dem Hinfahrtnebel und -nieselregen den Wanderern heiteren
Himmel..Nur ahnen konnte man das während des Aufenthalts ständig
vorhandene Schönwetter.Weder Regenschirm noch Mantel waren
im Gebrauch.
Sauerstoff gefüllte Lungen und müde Wanderbeine sorgten sogleich
am ersten Reisetag für die nötige Bettschwere.
Nach einer etwa 100 km währenden Busfahrt vorbei an dem
Städtchen Viechtach, Regen, Grafenau, auf der so genannten „Bayerischen – Ostmarkstrasse“ war das Ziel des zweiten Reisetages die
Dreiflüsse – Stadt Passau. Inn und Ilz münden in die Donau. Neben
den landschaftlichen Reizen musste man die Gefahren des Flusses für
Stadtbewohner zur Kenntnis nehmen.
Hochwassermarken am Rathaus verdeutlichten, dass jeder Taler zwei
Seiten hat. Einmal landschaftliche Reize, zum anderen Hochwasser-
Gefahren. Für die Flößer und Fischer an der Ilz mussten höher gelegene neue
Häuser errichtet werden, da ihre Wohnstätten jährlich bis in die oberen Stockwerke überflutet wurden.
Das halbstündige Orgelkonzert auf der weltgrößten Domorgel im
prachtvoll ausgestatteten Stephansdom war ein überwältigendes
Musikerlebnis.
Von Flüstertönen bis hin zu dröhnenden kirchenmusikalischen
Werken, wurde ein akustisches Erlebnis geboten. Die Gewaltigkeit
des Klanges dieses Kirchenmusikinstrumentes wird sicherlich einmalig sein in dieser Darbietungsform.
Eine Fahrgastschifffahrt, als Dreiflüsse -Fahrt angeboten, wurde
aus Niedrigwassergründen zur Donaufahrt. Man konnte die
imposante Silhouette der Innstadt Passau erleben. Passau legt
Wert darauf, Innstadt“ genannt zu werden.
Rechtzeitig zurückkehrend, mundete das vom Landhotel gebotene
Halbpension-Abendessen besonders gut.
Am dritten Reisetag begleitete die Reisenden ein etwas
großsprecherischer junger Mann als Reiseleiter.
Als erstes Reiseziel demonstrierte eine Bärwurz Brennereiin
einer Schaudestille wie „scharfe“ Getränke hergestellt werden.
Geradezu abenteuerlich schien die Gewinnung der “ Bärwurzeln“
zu sein. Später stellte sich in der Werbung heraus, dass es
doch mehrere, wenigstens dem Namen nach Bärwurz – Verwender gab.
Zu Mittag unterhielt ein musizierender Wirt in einem in gutem Sinne
„Hinterwäldlerischen“ Gaststätte die hungrigen Reisenden mit Böhmischen – und Bayerischen Weisen.
Besonders erlebnisreich war der Reiseabschluss des 3 Reisetages
mit der Fahrt zum 1456 m hohen “ Grossen Arber“.
Der Gipfel selbst wurde nicht erklommen. Erholsam war der
einstündige Spaziergang um den “ Grossen Arbersee“. Beeindruckend
auch hier die riesigen Bäume, denen offensichtlich auch in
dieser Höhenlage nichts zum gesunden Dasein fehlte.
Begeisternd waren während der Busfahrten immer wieder die herrlichen
Ausblicke zu den Farbtupfern der Gebirgsdörfer- Städte und
Einzelgehöfte und im Hintergrund der Bergkette mit dem herausragenden –
“ Großer Arber“,“Großer Rachel“ ,“ Großer Falkenstein“.
In den Tälern schlängelte sich der weiße – und schwarze
Regen, deren Wassertrübung durch das Herkommen aus den Hochmooren
unverkennbar war.
Mit einem mit großem Engagement kommentierten Lichtbildervortrag
über sein “ Wildes Waldgebirge“ führte der Autor, Bergsteiger und
Fotograf Friedl Thorward den interessierten Zuschauern und – Hörern
den Bayerischen Wald von Auge und Ohr vor.
In sein Buch “ Mein wildes Waldgebirge“ schrieb er die Widmung
“ Willst du die Ewigkeit ermessen, dann schau dich um in der Natur“
Wie wahr – wie wahr ! Ergänzen sollte man vielleicht noch:“Schau
dich um in der Natur unserer deutschen Heimat“.
Milliarden werden jährlich von den Deutschen in alle Welt verreist.
Fraglich, ob unsere Bundesrepublik und ihre landschaftlichen
Sehenswürdigkeiten gekannt werden ?
Reiseziel des 4 Reisetages war das “ Museumsdorf Bayerischer
Wald“ in der Nähe von Dittlingen.
Um eine beinahe abgerissene Wassermühle herum wurde aus allen
Gegenden des “ Waldes“, alte Holzhäuser Backöfen Brunnen, Kapellen,
Getreidelagerhäuser, Scheunen, Schulhaus, Gefängnis , Hammerschmiede
und Forsthaus fachmännisch geborgen und sorgfältig wieder errichtet zu
einem für die Nachwelt beeindruckendem Freilichtmuseum .
Fast unvorstellbar, dass einige Anwesen noch bis in die Achtziger
Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts bewohnt waren.
Kaum Jemand sehnt sich in diesen “ Komfort“ zurück ohne dabei zu bedenken,
dass Wohlstand, Wohnkultur teure Lebensnotwendigkeiten sind.
Dass die Aufwendungen für das Wohnen dabei Vorrang haben
müssen, wird von vielen Bürgern negiert. Die unbezahlten Mieten sind dafür
Beweis.
Der Sonntag 23.10.95, gab Gelegenheit bis gegen 11 Uhr zu individueller
Ausgestaltung. Eine Wanderung führte zu einem einzelstehenden Bauerngehöft
am Hang gegenüber.
Mit der Bäuerin, aus der Morgenmesse zurückkehrend, ergab eine
Unterhaltung, dass sich hinter der Bäuerin das schwere Schicksal
einer Waldbauern Familie verbarg.
Die schwierige bergige Lage, auf steinigen Boden produzierend,
erzählte die Gesprächspartnerin, dass sie noch nie in ihrem
Leben in Urlaub hätte fahren können. Zu wenig Geld, Kindererziehung,
Viehversorgung waren die begrenzenden Faktoren.
Von der Ausstattung her war ersichtlich,dass es an
erforderlicher Landwirtschaftstechnik nicht fehlte. Ob für die Technik Kredite,
mit den Kaufpreis fast verdoppelnden Zinsen, notwendig waren,
wurde aus dem Gespräch nicht ersichtlich.
Obwohl alle bäuerlichen Anwesen weiß getüncht,weiß in die
Landschaft hineinleuchten, verbergen die Mauern die nicht leichten
Schicksale der Bauern in dieser Hochregion.
Gegen Mittag führte das Reiseziel in die so genannte “ Gläserne Scheune“.
Ein Künstler gestaltet mit seinen ebenfalls künstlerisch tätigen Kindern ein
äußerlich unscheinbare Scheunengebäude zu einem Kleinod bildender Kunst.
Themen seiner bildenden Gestaltung, die aus Holzschnitzereien und
Glasmalerei bestehen, sind die wäldnerische Urwüchsigkeit mit
ihrer sagenumwobenen, mystischen Vergangenheit.
Dass das Zweite Deutsche Fernsehen, ZDF, im Januar 1996 einen Sendebeitrag
vorgesehen hat,verdeutlichte die künstlerische Bedeutsamkeit.
Abschluss der Sonntagsreise sollte der Besuch der Kirmes in Deggendorf
sein. Bei herrlichstem Herbstwetter flanierten Menschenmassen auf der Nobelmeile& dieser Stadt. Durch das „Geschiebe“ war dieses Erlebnis zweifelhaft.
Mit den musikalischen Äußerungen einer Alleinunterhalterin,verbunden mit
Tanz, fand der Besuch im “ Bayerischen Wald“ seinen Abschluss.
Mit zufriedenen Gesichtern beim Abschied bei Besuchern und Gastgebern
begann die Rückreise in unsere Sächsische Heimat.
Die abschließende Feststellung, ist nicht zu verkneifen:
Noch immer beeindruckt nach der nicht mehr sichtbaren Grenze, bis auf
zunehmende Farbtupfer, das triste Grau unserer Dörfer und Städte.
Der Busfahrer fuhr so gekonnt, dass das Busfahren unmerklich geschah.
Gesamteindruck: Ein Erlebnis, das man nicht missen möchte !

 

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