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Den SED – Verantwortlichen im Bereich Landwirtschaft passte das soziale Auseinanderklaffen zwischen der GPG und den LPG nicht. Zugleich spukte in den Köpfen dieser Leute, die in einigen Gebieten bereits praktizierten Aggrar-Industrie-Vereinigungen. Nach dem Beispiel in Bulgarien sollte die Landwirtschaft ganzer Kreise zu einem Landwirtschaftsbetrieb zusammengeschlossen werden. Ergebnis: Bulgarien entwickelte sich vom Exportland zum Land, welches Nahrungsgüter importieren musste. Unüberschaubare Riesenbetriebe waren die Ursache.

Verhandlungen mit den SED – Kreis- und Bezirksleitungen

1984 begannen deshalb zermürbende Verhandlungen zur Zusammenführung von „Sonnenschein“ und LPG Pflanzenproduktion. Nach den Vorstellungen der Pflanzenproduktionsleitung, hätte die Leitung der zusammengefügten Genossenschaft durch Leiter, die der SED angehörten, erfolgen müssen. Nicht gerechnet hatte man mit dem Stehvermögen des Vorsitzenden der GPG und der dahinterstehenden Leitung und Verwaltung mit entwickelter Elektronik von „Sonnenschein”. Vorausgegangen waren Einzelgespräche. Versuche, einen Mißtraunskeil in die Leitung zu treiben, wurden abgewehrt. Bei zahlreichen vertraulichen Gesprächen wäre es ein leichtes gewesen, denunzierend zu wirken. Trotz zum Teil beträchtlicher Meinungsverschiedenheiten in der Leitung der Genossenschaft, war solches Handeln zum Nachteil des Vorsitzenden im Sinne der über Fünfunddzwanzigjährigen erolgreichen Zusammenarbeit ausgeschlossen. Allen Mitgliedern hätte es geschadet. Man hätte sich gewünscht, dass umgekehrt, vor allem nach der Wende, genau so gehandelt worden wäre!
Die staatliche Leitung stimmte zu, dass ein Parteiloser, Vorsitzender des Vorstandes eines Mammut Betriebes wurde. Stimmungsanalysen führten offensichtlich dazu, Entscheidungen gegen die GPG nicht zu wagen. Der zahlenmässig grösseren Belegschaft der Gärtner und des ökonomisch Stärkeren, hätte man keine LPG/SED-Leitung ohne erheblichen Schaden anzurichten aufdrängen können.
Schließlich siegte offensichtlich die Vernunft und man übetrug dem Vorsitzenden der GPG die Leitung dieser neu zu bildenden landwirtschaftlich – gärtnerischer Genossenschaft.
Die Bezeichnung „LPG Pflanzenproduktion „ wurde von der GPG – Leitung nicht akzeptiert. Es fiel schwer, die neu zu bildende Genossenschaft nicht (P) Pflanzenproduktion , sondern einfach „Sonnenschein“ zu bezeichnen.
Sie behielt den stolzen Namen LPG ” Sonnenschein ”.
Dem Vorsitzenden der GPG gelang es, als Parteilosem, über 30 Jahre an der Spitze einer Genossenschaft zu stehen.
Dass hinter ihm stehende Leiter seine Stellung außerordentlich stabilisierten, fand selbstüberschätzend kaum ein Wort des Dankes oder der Anerkennung.

Wühlarbeit der Genossen

Wütende Proteste, geschürt durch später unrühmlich hervortretenden Parteisekretär, bis hin zu Delegationen bis ins Zentralkomitee der SED nach Berlin, halfen nichts.
Die ehemalige Hauptbuchhalterin und der ehemalige Techniker mussten diese Schmutzarbeit der Denunziationen in Berlin ausführen.
Dabei wurde nicht davor zurückgeschreckt, die Leitung der GPG als Reaktionäre und Staatsfeinde zu verunglimpfen. Erstaunlich, in Berlin fand dieses jämmerliche Gehabe kein Gehör. Offensichtlich gab es Realisten, die die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund rückten und Leute, die durch Denunziation die Leitung eines Großbetriebes erlangen wollten, verabscheute.

Der Vorsitzende der GPG muss 1984 zwei Genossenschaften leiten

Bereits vor dem Zusammenschluss 1985 fungierte 1984 der Vorsitzende der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft in Personalunion als Vorsitzender der GPG und der LPG „Pflanzenproduktion“.
Der Forderung wurde stattgegeben, dass die Pflanzenproduktionsleiter der oberen Ebene aus der neu zu bildenden Genossenschaft und damit der Leitung ausschieden.
Dramen mit Tränen sollen sich bei den Genossen abgespielt haben.

Ein Koordinator musste Wogen glätten

Damit die Wühlarbeit des späteren Parteisekretärs und SED Kreisleitungsmitgliedes in Grenzen gehalten werden konnte, delegierte die SED- Kreisleitung einen Koordinator. Ihm gelang es relativ einfühlsam, die Gemüter zu beruhigen und 1985 den Zusammenschluss zur LPG“ Sonnenschein“ Staucha in die Wege zu leiten.

Einsatz eines hauptamtlichen Parteisekretärs

Als Kompromiss musste „ alter ” und neuer Vorsitzender hinnehmen, dass ein hauptamtlicher Parteisekretär, eine halbamtlich tätige FDJ-Sekretärin und so genannte Parteileitung installiert wurden. Eine Gratwanderung zwischen vernünftiger Wirtschaftsleitung und kaum zu befriedigendem Parteieinfluss hinderte eine gedeihliche Arbeit. Während der Arbeitszeit fand die so genannte „Parteiarbeit“ statt. Anstatt die Genossenschaftsmitglieder zur Arbeit anzuhalten, wurden sie dem Arbeitsprozess ferngehalten. Dieses Treiben musste von der Genossenschaft vergütet werden und wurde weidlich ausgenutzt. Zusammenkünfte der Mitglieder so genannter Blockparteien durften in Betrieben nicht erfolgen. Sie mussten sich anderen Ortes zusammenfinden. Mit dieser Zwangsmassnahme wollte die SED die führende Rolle demonstrieren und Fraktionsbildungen verhindern, in denen sie womöglich unterliegen konnte. Wusste sie doch, dass die Mitglieder der anderen Parteien als Gegner anzusehen, dass sie oppositionell ihr gegenüber eingestellt waren. Wenn auch darin Willfährige an leitenden Stellen installiert warem, die dem Stasi zutrugen. Wenn nach der Wende versucht wird, die Mitglieder der anderen Parteien als Mitläufer einzustufen, so ist das falsch. Ihr politisches Anliegen war es, dem Würgegriff einer Partei zu entgehen, die ihren Mitgliedern einen Beitrag abverlangte , der unmässig war, nicht nur finanziell. Die Leitungen der Blockparteien waren nach meinem Dafürhalten, die eine Gratwanderung versuchten, zwischen speichleckerischem Mitmachen und verhaltenem Opponieren. Offenes Aufbegehren, beispielsweise beim Einmarsch in die CSSR oder in Afghanistan war nicht angeraten. Sofort hätte es juristische Folgen und den wirtschaftlichen Ruin bedeutet. Eine kleine Begebenheit fällt mir dazu ein: In der CSSR -Krise marschierten sowjetische Truppen auf der B169 in Hof vorbei. Auf ihren Panzern sah man noch Dieselfässer, an denen deutlich „Wehrmacht-Heer“ zu lesen war. Ein sowjetischer Offizier kaufte bei uns für seine Einheit Weißkohl ein. Er verlangte von uns, dass wir ihn den Weißkohl unentgeltlich überliessen. Bei einem heftigen Disput darüber, was der Truppenaufmarsch denn bedeute, kam es schließlich so weit, dass er die Pistole zog und förmlich erzwang , was er wollte. Ein Spitzelsystem wurde installiert. Im Sekretariatsbereich des Vorsitzenden konnten Genossenschaftsmitglieder etabliert werden, die ehemals Mitglieder der SED waren. Angeblich waren sie aus der Partei ausgetreten. Bekannt war, dass solches Verhalten von dieser Partei als ausserordentlich fragwürdig angesehen wurde. Der Stasi glaubte mit dieser geschickten Täuschung von seiner Tätigkeit ablenken zu können. Dass die Kaderleitung nur von Stasileuten ausgeführt werden konnte, war allenthalben bekannt. In Leitungssitzungen sass die damit Beauftragte dabei und registrierte, was sie zu berichten gedachte. Erstaunlich war schon, welche Freimütigkeit sich der Voristzende erlaubte. Waren Arbeitsbesuche von Vertretern der SED-Kreisleitung angesagt, war oft der erste Tagesordnungspunkt, der die Frage beinhaltete, ob wir die führende Rolle der SED anerkennen würden. Da keine Äusserungen erfolgten, schlug der Vorsitzende vor, zum nächsten Punkt überzugehen. Von uns wurden dabei die Schwierigkeiten bei der Planerfüllung durch die schweren Mangelerscheinungen beanstandet. Die unbefriedigenden Ergebnisse endeten einmal in dem Ausspruch:“ Ihr seid mehr fertig, als Hitler 45 !“ Dass dieser Ausspruch ohne Folgen blieb, war erstaunlich. Ein grosses Problem hatte der Stasi mit dem Vorsitzednen der Genossenschaft. Er hielt sich während der Dienstzeit viel zu wenig im Büro auf. Seine ausserordentlich ausgeprägte operative Tätigkeit im Genossenschaftsbereich und man wusste, auch drüber hinaus, passte dieser Organisation nicht. Er sah sich ständigen Anfeindungen ausgesetzt, er solle sich seinen eigentlichen Aufgaben der Planung, perspektivischen Entwicklung usw. widmen. Dass er über die Geschehnisse im Genossenschaftsbereich besser Bescheid wusste , als die dafür zuständigen Leiter, war ein Ärgernis für die Genossen. Die dann kritisierten Leute beschwerten sich bei ihrer Partei. Diese Leiter waren als so genannte „Liebkind-Leiter“ zu bezeichnen. Anstatt, vor Ort die Arbeit zu organisieren und zu beaufsichtigen, die Einhaltung der Pausen und Arbeitszeit zu kontrollieren, waren sie mit so genannter Leistungsarbeit beschäftigt. Auf den Leistungsnachweisen manipulierten sie die Tätigkeit ihres Teams. Auseinandersetzungen scheuten sie. Wie intensiv die Verbindung zur Zentrale der Stasí war, liess sich daran erkennen, dass nicht der Genossenschaft angehörende Personen in regelmäßigen Abständen zu Informationen in der Genossenschaft anwesend waren. Augenschein war offensichtlich informativer, als schöngefärbte Berichte. Beim Mittagstisch konnten solcherlei Personen mit dem Parteisekretär erlebt werden. Der Gipfel dieser Entwicklung war, musste eine Umbesetzung von Mitgliedern in andere Zimmer vom ökonomischen Leiter vorgenommen werden, gab es sofort Proteste vom Parteisekretär. Er verlangte, er sei bei Umsetzungen zu informieren. Unschwer war zu erkennen, dass sein Stasi-Spitzelsystem durcheinander geriet.

Der Vorsitzende verfiel zunehmend in Gigantismus – Gärtner werden benachteiligt

Ungeachtet dieser Schwierigkeiten, sah der Vorsitzende es als seine besondere Aufgabe an, vor allem die in die Genossenschaft intigrierte Pflanzenproduktion auf eine höhere Qualitätsstufe zu heben. In der höchsten Leistungsgruppe im Bezrik Dresden eingestuft, rangierte unsere Genossenschaft an letzter Stelle. Im Vergleich mit dem benachbarten Striegnitz war sie weit abgeschlagen. Anhebung des Leistungsvermögens sollte durch Zukauf effektiverer Technik erfolgen. Zum anderen wurden in Stauchitz und Seerhausen riesige Produktionsbauten zum Teil fertiggestellt und neu errichtet.
Der größte Teil der zur Verfügung stehender Mittel aus dem Investitionsfonds floss in diese Maßnahmen. Den Gärtnern blieb nichts anderes übrig, als tüchtig zu arbeiten und den größten Teil der erforderlichen Mittel damit zu erwirtschaften.
Leider verfiel der Vorsitzende zusehends in eine Art Gigantismus.
Aufwendige Zukäufe von großen Traktoren , neuen Mähdreschern u.A. verschlangen fast die gesamten Mittel des Investitionsfonds.Zur Erhaltung und Verbesserung der gärtnerischen Anlagen blieb nichts. Die Jungpflanzenanzuchtanlage in Gleina zum Beispiel verfiel in einen bejammernswerten Zustand. In ihr mussten aber jährlich Millionen Jungpflanzen angezogen werden. Es gelang ihm immer wieder, auch den Vorstand von dieser Entwicklungsrichtung zu überzeugen. Oft wurden die Leitungsgremien und der Vorstand vor vollendete Tatsachen gestellt. Methoden, wie sie Alleinherrscher praktizierten !

 

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