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Einige Gedanken zu einer Wanderung

Seit langem hatten wir, Erhard Haser und ich, eine Wanderung vereinbart. Sie war aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben worden. Als ich an einem Herbsttag im Oktober 2001 im Garten Laub und Heckenschnitt beseitigte, kam mein Wandersmann daher und wir vereinbarten den gemeinsamen längeren Spaziergang. Mittwoch, den 17.10.2001 um 8,00 Uhr, wollen wir uns auf den Weg machen, vereinbarten wir.
Am Sonnabend, dem 13.10. lockte herrliches Herbstwetter, dass meine Frau und ich uns zu einer Radpartie entschieden. Bei Temperaturen über 20 Grad Celsius und kaum bemerkbarer Luftbewegung, setzten wir uns in Bewegung. Bedingungen, wie sie in den Herbstmonaten nur selten anzutreffen sind. Unsere Stahlrösser stammen aus Vorwendezeiten. Sie sind nur mit einem „Einganggetriebe“ ausgestattet. Wenn die Bereifung optimalen Luftdruck besitzt, erfüllen die Räder ihren Zweck recht gut. Seit einiger Zeit fungiert an meinem Rad ein Tachometer mit Uhr und Tageskilometerzähler. Als Radler unserer Altersklasse ist feststellbar, dass 15 bis 20 kmh gefahren werden können. Radsportler dagegen erreichen einen Schnitt von über 40 kmh bei Tagestouren bis 200 km, wenn auch mit dafür geeigneter Technik. Hut ab vor dieser Leistung!
Zunächst schoben wir die Räder bis zum Ortsausgang. Mindestens 10 Höhenmeter bis dahin, sind in unserem Alter nur zu Fuß zurück zu legen.
Freuen kann man sich als Bürger, dass unser kleiner Ort durch die Ortserneuerung ein Aussehen erhielt, dass am Wettbewerb ums schöne Dorf teilgenommen werden konnte. Es lohnt sich, ihn anzuschauen. Und, wie es scheint, wird es auch genutzt. An den Markttagen finden erstaunlich viele Besucher den Weg nach Staucha. Rekonstruiertes Herrenhaus, Markthalle und Begegnungsstätte, sind ein Anziehungspunkt. In der Heimatstube, in der Dokumente aus vergangener Zeit liebevoll vom Ortschronisten Herrn E. zusammengetragen, gepflegt und zur Schau gestellt werden, finden sich Besucher ein. Nicht selten sieht man auf dem Rundgang des Kirchturms Interessenten auf unser Dorf und weit ins Jahnatal und darüber hinaus schauen.
Straßen unseres Wall- und Runddorfes sind aufwändig gepflastert oder mit Asphaltdecke belegt und Grundhaft erneuert. Eine Rekonstruktion also, wie sie nur als Förderdorf und mit Hilfe der „Leader II“ -Programme der Europäischen Union möglich wurden. Als Landgemeinde hätte sich unser Dorf das jetzige Aussehen nur mit Verschuldung leisten können. Nicht daran zu denken ist, was geschehen wäre, hätte das Vorwenderegime die Ruinierung, allerdings nicht nur von Gebäuden und baulichen Anlagen, fortsetzen können.
In Richtung Marienhöhe steigt die Straße an. Man muss das letzte Stück vom Sattel.
Als wir auf die Lommatzscher Straße einbogen, sahen wir, wie zwei Bürger, ihr Fahrrad in der Hand, den so genannten „Schenkberg“ erklommen. Bei näherem Hinsehen, als sie uns überholten, erkannte ich eine ehemalige Kollegin mit ihrem Lebensgefährten. Sie enteilten uns auf ihren moderneren Stahlrössern, nachdem wir uns kurz begrüßt hatten.
Staunend schaute ich meiner Gefährtin hinter her. Sie fuhr fast bis auf die Marien-Höhe, ohne abzusteigen.
Vorbei kamen wir am so genannten Nonnenstein. Dessen Herkunft ist umstritten.
Nonnen sollen ihren Verdauungsspaziergang bis zu dieser Stelle geführt haben. Die Entfernung vom Ort entspricht etwa dem vom Volksmund dazu gereimten Sinnspruch:
„Nach dem Essen sollst du ruh´n oder Tausend Schritte tun“.
Dazu gibt es auch noch andere Volksweisheiten. Darauf, sie hier zu zitieren, verzichte ich.
An anderer Stelle ist überliefert, dass ein Bürger eines Nachbarortes an dieser Stelle sein Leben ausgehaucht haben soll, nach einem Kirchgang oder einem Einkauf.

Fast alle zur damaligen Zeit notwendigen Gewerke und Handelseinrichtungen waren in Staucha ansässig.
Herausragend, das an zentralem Platz und an der höchsten Stelle des Ortes befindliche Gruhle /Karte Geschäft.
Man konnte in ihm fast alles erwerben. Es hatte Landhaus-Warencharakter. Stallanlagen als „Ausspanne“ waren vorhanden. Landwirte, die zum Kirchgang mit dem Gefährt kamen, fanden ihre Pferde sicher verwahrt. In einem kleinen Ausschank konnte man sich nach dem Gottesdienst einen stärkenden Trank genehmigen.
Unter einem Teil der Seitengebäude waren saalartige Kellerräume gegraben, die in furchterregende Seitengänge unter dem Friedhof endeten. Dadurch, dass sie metertief in die mächtige Lehmschicht gegraben wurden, hatten sie gleichbleibende Temperaturen sommers wie winters. Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, woher will der Schreiber eigentlich wissen, wie die Kelleranlagen angelegt waren. Er soll es erfahren: : Noch beim Staatlichen Handel tätig, bestand die Aufgabe, waggonweise Importäpfel mit meiner kleinen Arbeitsgruppe für die Feiertagsversorgung zu lagern. Zu dieser Zeit waren die erforderlichen Kühleinrichtungen noch nicht vorhanden.
Ein Holzverarbeitungsbetrieb stellte eine Rutsche aus Holz her. Auf ihr gelangten die wertvollen Früchte in die Tiefe. Sie wieder nach oben zu befördern, war dagegen wesentlich aufwändiger. Förderbänder standen dazu noch nicht zur Verfügung.
Es war eine Knochenarbeit. An die zu dieser Zeit gezahlten Löhne, darf man dabei gar nicht denken. Wenn ich mich recht entsinne, erhielt ein Lagerarbeiter einen Stundenlohn zwischen einer und 1,50 Mark. Dafür war körperliche Höchstleistung gefordert. Zeitraum: Fünfzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts.
Auffällig geworben wurde an der Fassade des Karte-Geschäftes mit “ Kolonialwaren“. Aus einer Zeit stammend, als man in Deutschland noch stolz darauf war, in Afrika Kolonien zu besitzen und von ebenda Südfrüchte zu beziehen.
Niemand dachte dabei daran, welches Leid bei der Inbesitznahme der Kolonien den Eingeborenen, den Hottentotten und Hereros, in mörderischen Kriegen zugefügt wurde.
Dieses Kolonial-Gebaren, die Unterdrückung und Demütigung der Eingeborenen und das nicht nur durch die Deutschen, sind im weitesten Sinne Ursachen der Auseinandersetzungen, die uns am Anfang des Einundzwanzigsten Jahrhunderts in Schrecken versetzen. Die einstmals Gedemütigten erhielten inzwischen die Freiheit. Sie erwarben sich zum Teil Wissen, dass sie befähigt als Spezialisten und nicht nur modernster Computertechnik in westlichen Ländern zu arbeiten. Wir scheuen uns nicht das „brain-drain“ von Völkern zu nutzen und sie damit erneut auszubeuten.
Waffenproduzenten, Deutschland an vorderer Stelle, liefern Staaten für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit Waffen und Munition.
Was geschieht damit? Innerstaatliche Fehden werden ausgefochten. Kinder sieht man mit Maschinenpistolen herumlaufen.
Bis zu 40 kriegerische Ereignisse finden ständig auf der Erde statt.
Und nun ist es soweit, dass die westliche Welt sich einen muss, um sich derjenigen zu erwehren, die gelieferten Waffen und das erworbene Wissen gegen sie richten.
Es muss die Frage erlaubt sein, warum kann die Menschheit nicht im Frieden miteinander leben?
Das vorher Gesagte kann eine Teilantwort sein.
Sei es, wie es sei.

Im Bus-Wartehäuschen, fast auf dem höchsten Punkt der Marien-Höhe,ruhten sich die beiden Radler, denen wir auf der Lommatzscher Straße in Staucha begegneten, von den Strapazen des Aufstiegs aus.
In einem nun folgenden Gespräch kam zum Ausdruck, dass die Beiden tägliche Radtouren von über 30 km unternahmen. Heutiges Ziel war Lommatzsch und in weitem Bogen zurück nach Hof, zu ihrem Heimatort.

Im Juli 2003 legte ich mir eine als “ Wander-und Radwanderkarte 1:50000″ bezeichnete Karte Meißen und Umgebung (Lommatzscher Pflege. Riesa,Oschatz,Dobeln) zu. Ich war ein wenig erstaunt, die uns bekannte „Marien-Höhe“ dort als „Läusehübel“ bezeichnet zu finden. Wenn man diese Bezeichnung liest, fängt man unwillkürlich an, sich auf dem Kopf zu kratzen. Ich bin Urstauchaer, diesen „Namen“ der Marien-Höhe las ich das erste Mal. Ich konnte nicht umhin, diesen Gedanken hier einzufügen.
Gedanklich verfolgte ich während des weiteren Anstiegs auf das Marienhöhe-Plateau die gemeinsame Zeit während der Tätigkeit in der Genossenschaft.
Für sie war sie nicht immer erfreulich. Beim verfügten Zusammengehen der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft und der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Pflanzenproduktion“ verlor sie eine leitende Stellung in der Ökonomie, musste unerfreuliche Aufgaben ihrer Organisation bis nach Berlin ausführen und erkrankte.
Zusammenhänge, die einem bei so einer Begegnung gedanklich bewegen.

An der Wegeabbiegung in Richtung Ibanitz lohnt ein Blick zurück, um die Silhouette unseres Ortes zu betrachten.
Auf eine steil abfallende Stelle des sich nach Nordwesten neigenden Marienhöhe-Plateaus errichteten unsere Vorfahren die überragende Johannis-Kirche. Im Mittelalter standen Kirchen an gleicher Stelle. Sie waren Teil des klösterlichen Anwesens, welches sich in Staucha an dieser exponierten Stelle befand.
Von den Nonnen wurde das Stauchaer Kloster aufgegeben, da sie zu große Not litten, wie aus alten Dokumenten ersichtlich ist.
Sie sollen sich nach Döbeln zurückgezogen haben.
Alte – und neue Schule befanden sich an der Stelle des ehemaligen Klosters.
Die Nonnen verstanden es, sich zu schützen, indem sie unterirdische Fluchtwege anlegen ließen. Eine gewisse Stabilität der Fluchtgänge ergab sich durch das mehrere Meter mächtige Lösslehmareal, welches im Nordwestrand der Lommatzscher Pflege vorherrscht. Nur an wenigen Stellen ragen Felseinschübe in den tonhaltigen Lehm hinein. Denkbar ist, dass die Aushubmassen in den am Südausgang Stauchas befindlichen Steinbruch geschüttet wurden. Dadurch entstand der so genannte „Luzernberg“. Dort soll früher in einem Steinbruch so genannter „Stauchastein“, der allerdings relativ porös war, abgebaut worden sein.
Auffällig bei der Bearbeitung des Luzernberges war, dass unterschiedliche Mächtigkeit des Kulturbodens festgestellt werden konnte. In Senken befand sich tiefgründiger Boden. An Stellen wo der „Stauchastein“ hervorragte, fand man nur eine einen Spatenstich mächtige Kulturbodenschicht. Die von meinem Vater dort gepflanzten Sauerkirschen suchten vergeblich nach ausreichend Bodenfeuchtigkeit und Nahrung.
Mit dieser Bemerkung ist hinreichend erklärt, weshalb ich mich mit den Bodenverhältnissen des Luzernberges befasste. Einige Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg half ich meinen Eltern, das ihnen als Bodenreformland überlassene Grundstück, zu kultivieren. Es war eine Herausforderung in mehrfacher Beziehung.
Während meiner Jugendzeit bestanden noch Eingänge zu diesen Wehrgängen. Es ist wahrscheinlich, dass die Bewohner Stauchas zu dieser Zeit die Grabungen als Fluchtwege bei Überfällen nutzten. Selbst noch im Dreißigjährigen Krieg, in dem die Schweden und die Kaiserlichen unseren Ort verwüsteten, können die Fluchtwege benutzt worden sein. Unterlagen , die diese Vermutungen bestätigen, sind jedoch nicht verfügbar. Obwohl es gefährlich war, wagten wir uns hinein. Auf dem Friedhof brachen Teile ein. Gräber verschwanden. Zwischenzeitlich wurden sämtliche Eingänge verschlossen.
Dass Fluchtwege mühsam gegraben werden mussten, zeugt davon, welchen Gefahren man im Mittelalter ausgesetzt war. Friedlich ging es, wie es scheint, nicht zu.

Oben auf dem Plateau angekommen, kann man bei einem Blick zurück und guter Sicht das Neubaugebiet von Ostrau, die Hohenwussensche „Drehscheibe“, den Colmberg, Oschatz und bis Riesa sehen.
Selbst der Turm der Strehlaer Kirche ist schemenhaft erkennbar, sofern man noch gute Augen oder entsprechende Augengläser besitzt.
Nach Norden und Nordosten hin kommen Teile von Riesa ins Blickfeld.
Am Horizont fallen Windräder auf. Elbtal und sogar Nünchritz lassen sich erahnen.
Nach etwa einem Kilometer erreicht man das Gebiet der ehemaligen Windmühle Altsattel.
Die nicht mehr vorhandene Bockwindmühle war am steilen Ostabhang des Marienhöhe-Plateaus errichtet worden. An anderer Stelle erzählte ich, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, bis wann die Altsattelsche Windmühle vorhanden gewesen sei. An dieser Stelle befindet sich jetzt eine Autoreparaturwerkstatt.

Schönes Wetter lockte viele Radler in die Natur.
Bei der Steilabfahrt vom Windmühlen-Berg in Richtung Altsattel trafen wir Bürger, die in erstaunlichem Zusammenhang zur vorherigen Begegnung standen.
Der ehemalige Kollege, an dem wir vorbeiradelten, war der oberste organisatorische Vorgesetzte, der vor uns radelnden Dame.
Er war es, der dazu beitrug, dass sie die erwähnten Aufträge ausführen musste. Eine seltsame Fügung, dass während einer Radpartie förmlich ein Stück Genossenschafts-Geschichte mit einem Tempo von etwa 25 kmh vorüberzog.

Lommatzsch mit seiner großen Kirche kam ins Blickfeld und der wellige Charakter des Erzgebirgsvorlandes ist augenfällig.
In Dänemark erlebte ich am Kriegsende die letzten Regungen des „Dritten Reiches“. „Lommatzsch wechselte mehrere Male den Besitzer“ bekannte der Wehrmachtsbericht. Man konnte sich vorstellen, dass auch das Umfeld in Mitleidenschaft gezogen worden sei. An anderer Stelle versuchte ich, die Ereignisse in unserem Ort zu beschreiben, die mit diesen Ereignissen im Zusammenhang stehen.
Solche Gedankensprünge überwältigen einen, beim Radeln.

Wir wendeten uns vor Altsattel nach Westen und erreichten nach einer erholsamen Abfahrt und einem Anstieg Wuhnitz.
Vor Wuhnitz ließen wir links das Kühne-Gut liegen. Es liegt einige Hundert Meter nordöstlich von Wuhnitz. Von den Eigentümern ist es offensichtlich mitten in die rundherum liegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen errichtet worden.
Meine Frau erinnert sich an die einzelnen Gehöfte. Kaufte sie doch von den Bauern die Hühnereier auf. Die Bauern mussten und konnten zu Beginn der DDR, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, diese Hühnerprodukte als Abgabe-Soll und auch „Freie Spitze“ veräußern. Abgabesoll-Produkte wurden zu staatlich festgelegten Preisen gekauft. Wogegen „Freie -Spitzen“ zu wesentlich höheren Preisen zu kaufen waren. Der allgemeinen Not nach dem Zweiten -Weltkrieg geschuldet, mussten dafür Preise gezahlt werden, dass die Einkäuferin zu berauben, sich gelohnt hätte.
Bewundernswert ist, dass es zu keinen Vorkommnissen kam, die meine Frau hätte abhalten können, sich als Aufkäuferin unter diesen Umständen zu betätigen. Musste sie sich doch allein mit einem kleinen Pferdegespann , später mit einem Dreirad, einem P 70-Kombi, dem „Pappvorläufer“ des Trabant oder „Wartburg-Tourist“ von Ort zu Ort und in den Orten bewegen, in denen sie von den Hühnerhaltern Eier einkaufte.
Wuhnitz besteht aus den Ortsteilen Arntitz, Berntitz und Wuhnitz. In allen Gehöften und bei Häuslern galt es die damals sehr begehrten Hühnerprodukte zu kaufen. Sie stammten noch von so genannten glücklichen Hühnern. Massenhaltung in Legebatterien gab es noch nicht. An Semmigs – Gut und an den ehemaligen Gasthof radelten wir vorüber. Beim Blick in nördliche Richtung konnte man noch Reste der Alleebäume erkennen, die von Ibanitz nach Wuhnitz eine Verbindungsstraße säumten. Nur ein Stück davon ist von Ibanitz aus steil aufsteigend noch vorhanden.
Als „Pimpfe“ mussten wir diesen Weg nehmen, wenn wir zu einem „Jungzug“-Treff nach Neckanitz liefen. Mit müden Knochen, einige mussten wir tragend nach Hause befördern, Blasen an den Füssen, erreichten wir die Heimat wieder.
Am Zimmermanns-Gut vorbei führt der Weg in Richtung Weitzschenhain. Die Familie Zimmermann war bekannt und brillierte mit einer hervorragend geführten Landwirtschaft und einem Gehöft mit knapp unter 100 ha. Wenige Hektar größer, wäre das Gut bereits bei der Enteignung nach 1945 aufgeteilt worden.
Weitzschenhain beheimatet mehrere Vierseitenhöfe. Sie liegen im Zentrum der fruchtbaren „Lommatzscher Pflege“, wie das gesamte Gebiet, welches wir durchradeln.
Vor Weitzschenhain angekommen, wollte ich in Richtung Süden die von mir so genannte „Lederstraße“ weiterfahren. Meine Frau radelte jedoch geradewegs in Richtung Weitzschenhain weiter. Ich nahm an, sie wolle unsere Radtour kürzen und von Weitzschenhain nach Zschochau fahren. Erst meine Aufforderung, dass sie nicht den richtigen Weg gefunden habe, ließ sie umkehren. Leider konnte sie von mir nicht dazu bewegt werden, mit mir weiter zu radeln. Sie lenkte ihr Fahrrad in Richtung Marschützer Gasthof und kehrte über den Huthübel nach Hause zurück.
Hier schieden sich unsere Geister. Sie war der Ansicht, ich hätte von einer einstündigen Radtour gesprochen. Daran erinnerte ich mich nicht. Sie behauptete, hier sei das Stundenlimit verbraucht.
Bei dem herrlichen Herbstwetter entschied ich mich, meine Radtour weiter zu führen in Richtung „Lahme Henne“, Glaucha, einem Ort an der Straße Ostrau – Nossen, der nächste Ort ist Meila. Über Ostrau, auf dem Jahnatal -Wanderer – und Radweg, nach fast 25 km Radtour, erreichte ich das Zuhause wieder.

In der Höhe von Zschochau erlebte ich zum zweiten Mal bei einer Radpartie, wie mein ehemaliger Kollege Andras Wilhelm allein, mit gewichtiger Technik, die Felder eines großen Landwirtschaftsbetriebes für einen Eigentümer aus München bearbeitete. Mit seinem Vater bewirtschaftet er 310 ha. Bewundernswert, wie es der junge Mann schafft, neben seinem eigentlichen Beruf, diese Arbeit zu meistern.

Herrliches Herbstwetter lockte uns zu einer weiteren Radwanderung. Ziel war, hinter Roitsch die Alte-Poststraße zu erreichen und über den Pössig wieder zurück zu kehren.
Über das Marien-Höhe-Plateau, Altsattel, führte unsere Radtour.
Meine Frau erinnert sich an Altsattelsche-Eiererzeuger.
Meine Erinnerung geht 50 Jahre zurück. Als ich 1953 die Aufkauftätigkeit für Obst -und Gemüse übernahm, hatten die Bauern ein Gemüse-Soll zu erfüllen. Vorgeschrieben war, welche Gemüsearten sie zu produzieren hatten. Ein Erzeuger aus Altsattel hatte Blumenkohl anzubauen. Altsattel gehörte damals zu meinem Einzugsgebiet. Staucha gehörte noch zum Kreis Meißen.
Eines Tages erschien ein größeres Pferdefuhrwerk mit einem Kipphänger voller Blumenkohl. Ohne Umschweife wurde das Gemüse vor die Aufkaufstelle gekippt. Die Aufgabe bestand nun darin, den in der DDR als Edelgemüse bezeichneten Kohl marktfähig zu sortieren. In dieser frühen Phase meiner Tätigkeit hatte ich noch zu wenig Ahnung, wie das ordnungsgemäss zu schaffen sei.. Nach flüchtigem Studium der TGL, sortierten wir und brachten den Blumenkohl in den Handel. Zu diesem Zeitpunkt, glich Blumenkohl als eine „Leckerei“.
Dass ich später verantwortlich sein würde, mit dafür zu sorgen, dass dieses Gemüse von unserer Genossenschaft, als einem der größten Blumenkohl-Erzeuger in der DDR, kontinuierlich produziert und abgesetzt werden würde, konnte ich damals nicht ahnen.
Bis zur nächsten Anlieferung konnte ich den Erzeuger aus Altsattel so qualifizieren, dass sortiert, in Kisten verpackt angeliefert wurde. Ohne Probleme ging es dabei nicht. Mit sonderlicher Begeisterung unterzog man sich nicht dem Ablieferungs-Soll und noch weniger den Vorschriften, ungeliebtes Gemüse auch noch tgl-gerecht sortieren zu müssen.
Ansonsten glänzt Altsattel nach der Wende durch eine gastronomische Einrichtung, die zu Familienfeiern gern genutzt wird. Eine große Kühlanlage beherrscht am Ortseingang das Ortsbild. Sie war für die von der Lederschen -Genossenschaft betriebenen Gemüseproduktion notwendig. Solche Losgrößen konnten selbst von der Lommatzscher Konservenindustrie nicht sofort verarbeitet werden.
Am Ortseingang befindet sich ein kleiner Gasthof. Er war eine beliebte Einkehrstätte auf dem Wege nach und von Lommatzsch. Als weder eine Busverbindung bestand noch die Bürger sich Autos leisten konnten, lief man zu Fuss oder fuhr mit dem Fahrrad nach Lommatzsch Das Städtchen war der nächstliegende Anlaufpunkt im Kreis Meissen in unserer Gegend Nach ihr ist das fruchtbare Lösslehmareal benannt, die „Lommatzscher Pflege. Eineinhalb Stunden Fussweges bedurfte es, musste man auf Schusters Rappen die Strecke bis ins Staedtchen zuruecklegen.

Von einem Stauchaer erzählt man, es soll ein etwas beflissener Handwerker gewesen sein, er sei zu Fuss auf dem Rückwege von Lommatzsch kommend auf der Marien Höhe angekommen. Bei einer kleinen Verschnaufpause angesichts des Heimatortes stellt er mit entsetzen fest, dass er seinen Spazierstock offensichtlich bei seiner Einkehr im Gasthof Altlommatzsch liegen liess. Ein Wanderstab war zu dieser Zeit keine Kleinigkeit, auf die man hätte verzichten können. Schnurstracks drehte er um, und flinken Schrittes ging es die 6 Kilometer zurück. In Altlommatzsch soll er so heftig in die Tür zum Gasthof eingeschwenkt sein, dass durch die Vehemenz seiner Bewegung der an seinem Arm hängende Spazierstock als Sperre vor die Tür geschleudert wurde. In seinem Übereifer und der Erregtheit, sein Spazierstock sei abhanden gekommen, hatte er nicht bemerkt, dass der vermeintlich Liegengelassene an seinem Arm hing. Erkenntnis: Blinder Eifer schadet nur !

 

In Barmenitz kommt man auf dem Wege nach Striegnitz an einer Garagenanlage vorüber. Während die Genossenschaft-Striegnitz noch existierte, war die hervorragende Ordnung der abgestellten Technik zu bewundern. Wie auf einem Kasernenhof, schnurgerade ausgerichtet, standen die Traktoren und Anhänger abgestellt. In einer anderen Erzählung bezeichnete ich die Ordnung in Striegnitz als halbmilitärisch. Aber nicht nur die Ordnung der abgestellten Technik fiel auf. Straßenränder waren sauber gemäht. Den Stand der Kulturen anzuschauen, bereitete Freude und nicht selten Bewunderung. Selbst die Feldwege und die Ausfahrten von den Ackerflächen waren betoniert. Wie bereits gesagt, eine Vorzeige-Genossenschaft. Ganz so ordentlich sah es beim Vorüberfahren nun nicht mehr aus.
Wir wählten einen Querweg als Abkürzung nach Roitsch, er sah befahrbar aus. Später stellte sich heraus, dass man nur mit Mühe den Weg passsieren konnte. Ich musste meine Begleiterin regelrecht retten. Wollte ich nicht hinnehmen, dass sie mit ihrem „bisycle“ in einer der mit Wasser gefüllten Löcher verschwinden würde.
An der Alten-Poststrasse angekommen, überredete ich meine Radlerin, in Richtung Mehltheuer weiter zu fahren. Mir schien die Befahrbarkeit der Poststrasse zu riskant. Wollten wir nicht ähnliches erleben, wie vor Roitsch.
Seit noch Postkutschen diese schnurgerade angelegte Strasse passierten, ist an der Alten-Poststrasse wahrscheinlich nicht instandgesetzt worden.
Napoleon liess sie für seine Heerscharen von den Sachsen anlegen.
Für heutige Denkweisen fast unglaublich, wie sich Hunderttausende Krieger zu Fuß und zu Pferde auf den über 2000 km langen Weg machten, um Moskau zu erobern. Noch unvorstellbarer ist es, dass nach dem Debakel an der Beressina, Napoleon und Zehntausende seiner Krieger wieder zurückkehren konnten. Strapazen, die sich unsere eher wehleidige, körperliche Mühen scheuende Gesellschaft, gar nicht mehr vorstellen kann.
Von alten Bürgern hörte ich in meinen jüngeren Jahren, sie konnten sich noch erinnern, oder hatten gehört, wie Preußische Truppen auf der „Alten Poststrasse“ entlang zogen. Für die Preussen war Sachsen ein beliebtes Winterquartier.
Sie ließen sich als Reparation für verlorene Fehden von den Sachsen aushalten. Bekannt ist ja, dass Sachsen meist auf der Verlierer-Seite landete. Selbst in der Völkerschlacht bei Leipzig, sind sie im letzten Moment noch von der napoleonischen Seite auf die der Alliierten umgestiegen.
Für unsere Familie ist die „Alte-Poststrasse“ und der Pössig insofern von Interesse, als Vorkommen mütterlicherseits die Poststelle betrieben.
Der Pössig war zugleich Ausspanne für den Pferdewechsel der Postkutschen.
Unter zunächst noch erträglichem Protest kamen wir in Mehltheuer an und fuhren weiter in Richtung Prausitzer-Bahnhof. Vorbei an einem großen Gut, dessen Besitzer uns allerdings nicht mehr namentlich geläufig war. Die F6 überquerten wir in der Nähe der Mehltheuerschen- Raststätte.
Die Proteste meiner Begleiterin wurden lauter. Sie meinte, wir befänden uns auf einer Mammuttour.
Windstille verlockte, die herrliche Luft zu genießen. Vor Prausitz schwenkten wir in Richtung Böhlen ab. Es radelte sich erholsam auf der instandgesetzten, asphaltierten nicht sehr breiten Strasse, meinte ich. Meine Frau war anderer Meinung. Es dauerte nun nicht mehr lange und wir standen vor dem Jahnishäusschen – Park. Leider waren die Frühblüher noch nicht in voller Blüte. Dagegen hatte es viele Wanderer in den Park gelockt. Vorbei ging’s am zur Zeit noch dem Verfall preisgegebenen Staatsgut.
Über die schmale Verbindungsstrasse erreichten wir Ölsitz. Auf dem gut befahrbaren Jahnatal -Wanderweg fuhren wir in Richtung Heimat.
In Ölsitz schränkten die Baumassnahmen zur Verlegung der Wasserleitung nach Lommatzsch die Befahrbarkeit ein wenig ein.
Aus dem Wasservorrat der Wasserwirtschaft Riesa wird künftig Lommatzsch mit Trinkwasser versorgt. Deren Speisewasser entspricht nicht dem geforderten Qualitätsansprüchen.
Ich musste mir nun zunehmend von meiner Begleiterin Vorwürfe anhören, dass ich ihre Leistungsfähigkeit über Gebühr strapaziere.
Bei einer Pause im Park von Seerhausen, paar Äpfel hatte ich vorsorglich im Radlergepäck, konnte ich meine Gefährtin kaum noch beruhigen.
Ohne etwas zu sagen, überlegte ich, ob ich einen meiner Söhne mit dem Handy anrufen sollte, um die erschöpfte Mutti abzuholen.
Schliesslich radelten wir weiter.
Erinnerlich war, wie wir mit meinem Freund Gottfried Bauch und seiner Lebensgefährtin Käte den Park besuchten. In den Video-Aufnahmen von damals ist auffällig, wie im Hintergrund das Vogelgezwitscher fabelhaft zu hören war.
In Stauchitz schwenkten wir an der „Alten-Post“ in den Jahnatalweg in Richtung Hof ein. Kurz vor der „Pappmühle“ überquerten wir die Jahna. Dabei wurde ich von Spaziergängern mit Namen angerufen.
Meine Radlerin stieg auf der Brücke ab und wäre beinahe entkräftet gestürzt. Wir konnten sie aus dieser misslichen Lage befreien.
Ehemalige Kolleginnen und Kollegen waren die Passanten.
Als wir in Wilschwitz anlangten, trafen wir das Bürgermeister – Ehepaar bei einem Spaziergang. Meine Frau klagte darüber, dass ich sie zu dieser doch etwa 25 km Radtour bewegt habe. Missbilligende Bemerkungen musste ich mir anhören.
Ich versprach, so ausgiebige Radausflüge nicht mehr zu unternehmen.

Um zu dokumentieren, dass zur Vorbereitung unserer Fußwanderung ein gewisses Vorbereitungspensum absolviert wurde, holte ich ein wenig weit aus.

Außerdem entschloss ich mich, zu einer weiteren Vorbereitung der bevorstehenden Wanderung, zu unserem fast „Alldienstags“ Rätselvormittag mit dem Rad nach Riesa zu fahren. In 50 Minuten und nach 13.2 km kam ich bei meiner Schwester und meinem Schwager an. Auf dem Jahnatal -Wanderweg radelte es sich fern jeglichen Verkehrs, erholsam. Er folgt dem Gefälle der Jahna. Aufmerksam muss dem sich dahinschlängelnden schmalen Weg gefolgt werden. Unachtsamkeit kann eine Kollision mit einem Baum oder im schlimmsten Falle, eine Landung im Flüsschen bedeuten.
Durch meine Körpergröße wischen ab und zu Äste am Kopf bedenklich nahe vorüber. Auenwaldbäume trugen fast noch das gesamte Blätterkleid. Frost, der das Laub zum Fallen bringt, gab es in diesem Jahr noch nicht.
Von meinen Verwandten musste ich mir Vorwürfe anhören, wie ich meine Frau hätte allein wieder nach Hause fahren lassen können und wie wir solche strapaziösen Radtouren unternehmen könnten.. Schwager Erich sagte, so etwas hätte er seiner Frau nicht zugemutet. Meine Argumente wurden nur missfällig akzeptiert.
Gegen 17 Uhr begann ich den Rückweg. Im Jahnatal radelte es sich im kaum bemerkbaren Fließgefälle der Jahna bis nach Hof nicht besonders schwer. Ich umging damit die schwierig zu beradelnden Höhenrücken vor unserem Ort.

So, ein wenig vorbereitet, sah ich dem Spaziergang am Mittwoch entgegen.

Um 8 Uhr vereinbarten wir, zu starten. Man traute seinen Augen nicht, wie selten hatte Nebel sich breitgemacht. Kaum 50 Meter weit konnte man sehen. Der Nebel trübte im wahrsten Sinne des Wortes unsere Aussicht.
Trotz allem trafen wir uns pünktlich zum vereinbarten Zeitraum. Sicherheitshalber sattelte ich meine so genannte „Nato-Plane“ auf den Rücken, um gegen eventuellen Regen gewappnet zu sein.
Wie komme ich auf „Nato-Plane“? Es handelt sich dabei um einen sehr praktischen Regenmantel, den man zusammenrollen kann. Er stammt noch aus den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Irgendwie hat man ihn aus dem Westen eingeschmuggelt. Deshalb: „Nato-Plane“.
Mein Wandersmann hatte sich am Treffpunkt bereits eingefunden. Ich traf pünktlich ein. 8.01 Uhr ging´ s los.
Nach wenigen Metern präsentierte sich uns in einem Garten in der Schulstraße ein „Trompetenbaum“ in einer großartigen Trompetenpracht. So üppig sah ich noch keinen.
Wenige Meter weiter erlebten wir, wie Herr M.Th. bereits einen ersten Auftrag als Heizungsmonteur erfüllt hatte. Mein Wanderbursche erzählte, dass Herr Th. eine seiner Uhren so gekonnt repariert habe, dass sie nun schon jahrelang ohne Probleme die Zeit anzeige.
Wir kamen darauf zu sprechen, weil es Herrn Th. gelang, die jahrelang nicht intakte Kirchenuhr unserer Stauchaer Kirche wieder in Gang zu setzen. Sie erfüllt nun seit fast zwei Jahrzehnten wieder ihren Dienst für die Bewohner. Von der GPG“ Sonnenschein“ wurde die Turmuhr-Ingangsetzung damals gesponsert. Herr M.Th. ist ein technisches Genie. Er repariert Motorfahrräder zahlreicher Typen, die normalerweise auf dem Schrotthaufen gelandet wären. Fehlende Ersatzteile beschafft er sich teilweise durch Internet – Nachsuche. Selbst Experten ziehen vor seinen Fähigkeiten den Hut. Mit einem generalüberholten, dieselmotorisch betriebenen Gefährt fuhr er bei uns vor. Es sah aus, als ob er es soeben beim Händler erworben habe. Zugleich ist er ein Spezialist für Amateurfunk und versiert in der Anwendung der EDV im Internet. Bewundernswert!
Wir entschieden uns, den Wiesenweg entlang zu gehen. Dabei kam zur Sprache, dass die Bezeichnung „Froschwedel“ bisher üblich gewesen sei. Mein Weggefährte konnte daran nichts anstößiges finden. So hätte doch dieser Ortsteil schon immer geheißen. Wogegen mir bekannt war, dass frühere Bewohner an dieser Bezeichnung Anstoß nahmen.
An sehr schönen Dahlienbeständen in Hausgärten kamen wir vorüber.
Wie oft meine Eltern, ich jahrelang, den Froschwedelweg benutzen mussten, als wir noch den Steilhang, der sich am Südende Stauchas befindet und als „Luzernberg“ bekannt ist, bewirtschafteten, ist nicht nachvollziehbar. Jahrelang war er für meine Eltern und später auch für mich, für meine Schwester und meinen Schwager, der Weg zu einer sehr beschwerlichen Arbeitsstätte. Mit unsäglicher Mühe gelang es uns, die auf 1,5 ha angelegte Obstbaumplantage am Leben zu erhalten. 1947 war ein außerordentliches Trockenjahr. Nur durch zusätzliche Wassergaben konnten die kleinen Bäume am Leben erhalten werden. Das Wasser schleppten wir den Berg hinauf. Ich sehe noch meinen Vater vor mir, wie er täglich verzweifelt am Barometer klopfte und nachschaute, ob denn nicht endlich sich ein Tief anzeigen würde.
Glücklicherweise floss am Fuße des Hanges der „Cotten“ – oder „Staucha“ – Bach. Aus ihm entnahmen wir das Wasser zur Erhaltung der gepflanzten Bäume und schleppten es atemberaubend den Hang hinauf. Wir dämmten das Wasser an, um das wenige noch fließende Wasser nutzen zu können.
Am im Jahr 2000 abgebrannten Jugendklub kamen wir vorbei. Offensichtlich beginnen Handwerker, den Klub wieder zu errichten. Die Vorbereitungen dazu schienen im Gange zu sein. Den Erdwall erstiegen wir, der das Wasser des Stausees zu einem über 10 ha großen Gewässer anstaut. Der entstandene See schützt Teile Niederstauchas, die Kleine Mühle, Wilschwitz , Dösitz und Teile von Stauchitz vor Überschwemmungen bei Starkregen. Der Damm ist von der Wasserwirtschaft der DDR in Erdbauweise errichtet worden. Man wünschte, dass er langjährig dem Wasserdruck standhielte. Irgendwelche Untergrundbewegungen in seinem Inneren möchten keinen Schaden anrichten. Ich denke dabei an die in meinen Gärten sehr aktiven Wühlmäuse.
An anderer Stelle hatte ich die Mitbenutzung des Wasserspeichers für die Bewässerung des Marienhöhe-Plateaus beschrieben. Man kann an einer Art Schneise noch erahnen, dass über den Hang die Bewässerungsrohre bereits verlegt waren, die das Wasser auf die Felder dieses Gebietes bringen sollten. Pumpenhaus und Trafostation waren errichtet. Genutzt wurden sie nach der Wende als Jugendklub, der abbrannte.
Der Wasserspeicher ist zu einem Angelsee geworden und im Winter, wenn er zufriert, sieht man Schlittschuhläufer. Auf dem Damm hatte die Gemeinde Bänke für müde Wanderer zum Verweilen angebracht. Bei unserem Vorübergehen stellten sie sich von Vandalen zertrümmert dar. Man findet keine Worte über die Zerstörungswut, wahrscheinlich von Jugendlichen.
In Prositz angelangt, kamen wir an Zornicks Technikstandplatz vorbei. Er zeigt, mit welchem Aufwand an technischen Geräten moderne Landwirtschaft betrieben wird. Zugleich zeigt er, dass man nach der Wende gut beraten war, mit brauchbarer Technik aus der Vorwendezeit zu arbeiten.
Wer sofort neue Technik kaufte, verschuldete sich. Dadurch gerieten Wiedereinrichter nicht selten in finanzielle Schwierigkeiten.
Mein Wandersmann erzählte, dass er sich erinnere, wie er noch den Kirchweg von Prositz aus in Richtung Weitzschenhain habe benutzen können. Er stellte eine wesentliche Verkürzung der Verbindung beider Orten dar. Genutzt wurde der Pfad über Berg und Tal vor allem für sonntägliche Kirchgänge. Zu Zeiten, als der sonntägliche Kirchgang noch Bedürfnis war.
Mir fällt zu Prositz ein, dass ich während meiner Schulzeit von meiner Großmutter väterlicherseits, wir sagten zu ihr Mama, mehrmals Auftrag erhielt, in Prositz im Laskowski – Gehöft, Täubchen zu kaufen. Sie bereitete daraus ein für die Großeltern und uns Kinder sehr schmackhaftes Reis – Täubchen – Gericht. Wenn ich daran denke, läuft mir jetzt noch das Wasser im Munde zusammen. Leider liegt zwischen dem Täubchen – Reis und heute ein Dreiviertel Jahrhundert.
Dort, wo die Kalkstraße vom Huthübel her in die Verbindungsstraße Prositz – Ibanitz einmündet, begann ein Fuß -und Radweg. Er verlief dem Cotten- oder Staucha -Bach entlang und mündete in der „Froschwedel“ oder dem Wiesenweg.
Dem Wasserspeicher ist er zum Opfer gefallen. Unzählige Male bin ich dem Weg mit dem Rad gefolgt, wenn ich zu den Obstpflückern meines Großvaters das Mittagessen bringen musste. Meine Großmutter hatte in einer so genannten „Schwinge“ , einem rechteckigen Weidengeflecht, mit Heu und Tüchern ausgestattet Töpfe mit dem Mittagessen für die Obstpflücker auf dem Gepäckträger verstaut. Ich hetzte dann oft 10 km weit auf Straßen und Wegen, die bei weitem nicht heutigen Qualitätsansprüchen genügten, entlang um den Pflückern, unter denen mein Vater war, Mittagessen zu bringen. Getreu nach dem von mir abgewandelten Grundsatz: Ohne Mittagessen merkt euch das, macht unsre Welt keinen richtigen Spaß“.
Als wir in der Wiesenaue in Richtung Marschütz entlang liefen, konnte an die ergiebige Champignon-, zu Deutsch: Egerling – Ausbeute zu früheren Zeiten gedacht werden.
Pappeln säumen den Weg. Sie sind inzwischen zu großen Bäumen herangewachsen. Erstaunlich fand ich die Beschaffenheit des sich durch die Talaue dahinschlängelnden Weges. Obwohl bewachsen, kann man ihn ohne Mühe selbst mit Motorfahrzeugen wieder benutzen.

An den rechterhand ansteigenden, sich an der Kalkstraße entlangziehenden mehrere Hektar großen Hang, erinnere ich mich.
In so genannter „sozialistischer Hilfe“ durften wir, meine kleine Arbeitsgruppe, meine Frau und ich, in einem Subbotnik, Weizen in Puppen aufstellen. Damals war ich noch beim VEAB (Volkseigener Erfassungs – und Aufkaufbetrieb) tätig.
Witterungsverlauf und Arbeitskräftemangel zwangen dazu, dass man Landwirtschaftsbetrieben half. Wenn auch damals schon die Meinung vorherrschte: Was geht mich die Landwirtschaft an. Ich kaufe mein Brot beim Bäcker!
Zur gesicherten Ernährung war in der devisenschwachen DDR Einbringen der Getreideernte eine dringende Voraussetzung. Den großmäuligen, damals verbreiteten Spruch: „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein“ las man zu dieser Zeit nicht mehr. Hatte man doch in vorherigen Jahren erhebliche Einbusen durch missliebige Witterungsabläufe erlitten.

Bei der Erinnerung an diese „Hilfe“ wird einem bewusst, welcher technische Fortschritt sich in der Getreideernte vollzogen hat. Welcher Mühe es bedurfte, das zur Ernährung von Mensch und Tier erforderliche Getreide mit der Sense zu mähen, kann man nur ermessen, wenn man als Laie einmal ein solches Mähgerät in die Hand nimmt. Vorstellen muss man sich dann, dass dieses Gerät wochenlang Tag für Tag und nicht nur 8 Stunden lang, geschwungen werden musste. Bewegungsmangel, waren zu dieser Zeit noch keine von Ärzten attestierte Ermahnungen.
Fachliches Können und körperliche Anstrengung waren und sind immens, wollte oder will man Halmfrüchte auf diese Weise gewinnen. Hatte man das Getreide gemäht, lag es in Schwaden auf dem Feld. Abraffer waren erforderlich um das Getreide zu Garben zu binden. Aus mehreren Halmen erzeugten die, meist waren es Abrafferinnen, durch Verdrehen ein seilartiges Etwas und so viel man mit zwei Händen umfassen konnte, entstand eine Getreidebündel, eine so genannte Garbe. Später stellte man die Garben zu Puppen auf. Auch dazu gehörte fachliches Können. Sollten sie doch die Trocknung der Halme bewirken und starker Luftbewegung notwendigen Widerstand leisten.
Als Mähwerkzeuge genügten Sense und Sichel.
Erforderlich, zur Getreideernte waren zahlreiche Männer, die mit der Sense umgehen konnten und hinter jedem Mäher musste eine Abrafferin arbeiten.
Betrachtete man von weitem einen solchen Mähvorgang, sah man jeweils einen Sensenmann und eine Abrafferin von rechts nach links abgestuft sich über das Getreidefeld bewegen. Erstaunlich, wie viel dabei geschafft wurde.
Jeder Bauernhof hatte, der Getreidefläche angemessen, ein Mähteam verfügbar.
In bestimmten Zeitabständen war eine Dengelpause erforderlich. Dazu hatte jeder Mäher einen transportablen kleinen Dengelamboss mit Hammer in seinem Zubehör. Am Dengelamboss war eine metallene Verlängerung angebracht. Mit ihr konnte man das Gerät im Boden befestigen.
Es gehörte zur fachlichen Qualifikation, seinem Arbeitsgerät die erforderliche Schärfe/Dengel zu geben. Dengelspezialisten schufen sich Voraussetzungen für Arbeitserleichterung.
Des Dengelns Unkundige quälten sich mit ihrem Mähgerät.
Auf Volksfesten kann man Dengelwettbewerbe erleben. Man will offensichtlich diese Fertigkeiten erhalten.

Als Mähbinder und deren Vorläufer die Getreideernte erleichterten, glich dieser Fortschritt einer Revolution auf dem Agrarsektor. Mechanisches Abschneiden des Getreides bedeutete eine wesentliche Erleichterung. Gebunden werden musste zunächst noch manuell. Schließlich erfand man Knüpfvorrichtungen. Damit vereinfachte sich die Getreideernte für das Gewerbe unter freiem Himmel wesentlich.
Arbeitskräftemangel und Landflucht zwangen zu diesem technischen Fortschritt.

In mehreren Phasen fand die Getreideernte statt.
Mit dem so genannten Mähbinder schnitt man das Getreide ab. Von der Maschine zu Garben gebunden wurden sie abgeworfen. Daraufhin musste das gemähte Getreide manuell in Puppen zum Trocknen aufgestellt werden. Schlechtwetterlagen zwangen dazu, dass umgepuppt werden musste, um vor Verderb zu schützen.
War es getrocknet, lud man es auf große Leiterwagen mit langstieligen, zweizinkigen Gabeln mit der Hand auf Ein versierter Landarbeiter als Lader auf dem Leiterwagen war erforderlich, der zu einem Getreidefuder lud. Es musste das Gehöft des Bauern ohne Erntegut zu verlieren oder umzukippen erreichen.
Der beschriebene Hang stellte eine besondere Herausforderung für dieses Verfahren dar.
In großen Scheunen wurde das Getreide zwischengelagert. Reiche Ernten auf den fruchtbaren Lößlehmböden der Lommatzscher Pflege erforderten dazu bauliche Voraussetzungen. Charakteristische Vierseitenhöfe prägten das Ortsbild zahlreicher Dörfer unseres Landstriches.
Der Drusch fand in den arbeitsarmen Wintermonaten statt. Zunächst handarbeitsaufwändig mit Dreschflegeln auf den Tennen der Scheunen. Danach gab es Einrichtungen, die von Zugtieren mit ständigem Kreislauf angetrieben wurden zur Körnergewinnung. Dampfmaschinen und Elektromotoren revolutionierten die Gewinnung des lebensnotwendigen Getreides.
Bereits moderner, große Landwirtschaftsbetriebe gewannen die Körner auf Druschplätzen. Das anfallende Stroh und die Spreu waren zu Futterzwecken und zur Dunggewinnung als Streu für die Tierhaltung notwendig. Ein mühseliger Prozess.
Zahlreiche Arbeitskräfte und Zugtiere erforderte dieses Ernteverfahren. Arbeitskräfte waren oftmals knapp. Schweißtreibende, schmutzige Arbeitsbedingungen erschwerten die Gewinnung der dazu erforderlichen Arbeitskräfte.
Nicht selten kamen aus Ostländern Helfer, die nicht nur während der Getreideernte arbeiteten. Große Höfe hatten für Saisonarbeiter Unterbringungsmöglichkeiten. Einrichtung und Ausstattung befand sich meist an der Grenze der Menschenwürdigkeit.
Selbst im Einundzwanzigsten Jahrhundert erhalten 1,5 Millionen ausländische Arbeitskräfte Arbeitserlaubnis.
Sie bringen den Deutschen die handarbeitsaufwändige, durch unzählige Bückvorgänge das Skelett beanspruchende Obst, Gemüse – und Weinernte ein. Von den 4 Mill. Arbeitslosen findet man weinige, die diese Arbeit noch ausführen wollen. Man wagt kaum daran zu denken, dass Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts noch mit der Sense gemäht wurde.

Die moderne Getreideernte erfordert Mähdrescher und Transportfahrzeuge, die das Erntegut abtransportieren. Wenige spezialisierte Arbeitskräfte bewältigen diese Arbeit.
Auf den Getreidefeldern wird gemäht, gedroschen und das Stroh entweder gehäckselt oder in riesige Strohrollen verarbeitet. Alles geschieht in beinahe einem Arbeitsgang. Technischer Fortschritt schuf computergestützte Maschinen, die großartiges leisten. In weitestgehend staubgeschützten, klimatisierten Kabinen arbeitet ein Spezialist. Anfangs waren die Kapitäne der Mähdrescher dem Staub und Schmutz, der bei der Mahd und dem Drusch entstand, ausgesetzt.
Landwirte ohne Tierhaltung benötigen nur noch Unterbringungsmöglichkeiten für die sehr wertvolle Landtechnik. Nicht selten sind Bauern zunehmend mit der Instandsetzung und Instandhaltung ihrer Maschinen vertraut. Aufwand dafür lassen sich minimieren.
Abzusehen ist, dass Maschinen ohne Menschenhand die Getreide- und auch die Rübenernte ausführen.
Wie auf dem Gebiete der elektronischen Datenverarbeitung, vollzieht sich auch auf dem Agrarsektor umwerfendes.
Ab und zu sieht man noch Städter am Straßenrand stehen und den riesigen Maschinen zuschauen.
Ansonsten verläuft die Getreideernte mehr oder weniger unbemerkt, sofern die Witterung einen reibungslosen Verlauf zulässt. Hemmnisse sind die grossen Lastzüge, die im Straßenverkehr während der Getreideernte dazu anregen, besonders aufmerksam zu sein. Ausfahrten von Produktionsflächen auf Verkehrsstrassen bilden durch Verschmutzung Gefahrenquellen.
Als ich in Gesprächen mit paar Jungs, die im Frühjahr 2001 in unserem Garten randalierten und Schaden anrichteten, alle aber erschienen und sich dafür entschuldigten, ´mal davon erzählte, stellten sie lapidar fest: „Technik, die begeistert!“

Mir fiel beim Schwenk in der Wegebiegung nach Marschütz ein, dass in den Dreißiger – Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Flugzeug in dem sehr hügeligen Gelände hier notlandete. Viele Bürger schauten sich dieses Ereignis an. Für die damalige Zeit war es sensationell, ein Flugzeug von Nahem zu sehen. Das Ereignis passierte, als Deutschland durch den Versailler – Vertrag noch behindert war, Flugwesen aufzubauen.
Aus Salzwedel stammte der Flieger und hatte sich regelrecht verfranzt. Dem Doppeldecker war das Flugbenzin ausgegangen. Aufnahmen durften von dem Missgeschick nicht gemacht werden.
In Marschütz, an Schäfers Gut angelangt, erinnerte ich mich, dass ich beim Obstpflücken im Obstgarten sehr schöne Pfauhähne bewunderte. Mein Großvater pachtete in manchen Jahren Streu – Obst in dem großen Garten des Gutes.
Mein Wandersmann erinnerte sich an eine Wilschwitzer Bürgerin, die später hier gewohnt habe.
In dem kleinen Ort Marschütz befanden sich früher Tischlerei und Schmiede.
Damals stellten diese Gewerke eine notwendige Dienstleistung für die umliegenden Landwirtschaftsbetriebe dar. Besonders Schmiede versorgten zahlreiche Pferde mit Hufbeschlag. Zu dieser Zeit hatten die Transportwagen Holzräder mit Eisenreifen versehen. Stellmacher stellten die Bereifung her und Schmiede zogen die Eisenreifen auf.
Man ist sich heute nicht mehr der Tatsache bewusst, dass die Landwirtschaft den „Treibstoff“ für die Bestellungs – und Transportarbeiten selbst herstellte. Der „Treibstoff“ wuchs in Form von Futter an Straßenrändern und auf den Feldern.
Zugmittel waren Pferde, Ochsen und Kühe. Als „Bereifung“ dienten Hufeisen. Schmiede fanden mit der „Bereifungsmontage“, mit dem Hufbeschlag, ein lohnendes Betätigungsfeld.
Mein Grossvater mütterlicherseits fungierte als einer von zwei Schmieden in Staucha. Sein Stolz war es, dass er seinen Hufbeschlagsmeister beim Königlich-Sächsischen-Hufbeschlag absolviert hatte. Ein Zertifikat hing wohlfeil eingerahmt in seiner Wohnstube.
Mein Onkel Kurt, Schmiedemeister in Staucha, schenkte seiner Schwester, meiner Mutter, zu ihrer Hochzeit ein versilbertes Hufeisen, welches er als Gesellenstück eigenhändig anfertigte.
Mit Stolz wurde das Können in diesen Berufen ausgeführt und von den Kunden, die bei den Handwerkern arbeiten ließen, auch gewürdigt.
Wie wir in der Neuzeit mit den Ressourcen unserer Mutter – Erde umgehen, ist äußerst fragwürdig.
Niemand will und kann den technischen Fortschritt in Frage stellen. Aber, man sollte doch ab und zu sich Gedanken darüber machen, dass wir das Gras der Straßenränder, wenn überhaupt, abmähen und ungenutzt vergehen lassen. In Vorwendezeit wurde es nicht einmal ständig gemäht. Für Jahrhunderte produzierten die Unkräuter Samen. Mit aufwändigen, das Grundwasser am Ende verseuchendem Einsatz von chemischen Mitteln wurde und wird versucht, es zu bändigen.
Fast das gesamte Obst der Alleebäume an Straßen und Wegen fällt ungenutzt von den Bäumen. Es wird unbeachtet zerfahren und mit den Beinen davon gestoßen. Heutige Verbraucher kaufen im Marktcenter Obst ein. Es sieht lecker aus. Teils ist es in Assietten verschweißt, eine Augenweide. Dass solche Qualität nur mit gesundheitsgefährdenden Hilfsmitteln möglich ist, wird kaum zur Kenntnis genommen. Dagegen werden Inhaltstoffe in Lebensmitteln, von den Medien entsprechend dramatisiert, schon eher zur Kenntnis genommen.
Als Schuljunge hatte ich die Aufgabe, in den von meinem Großvater gepachteten Obstalleen das Fallobst täglich aufzulesen. Jeder Fallapfel fand Verwendung zu Säften. Es ist ein Frevel, wie wir mit der Natur umgehen. In diesem Zusammenhang darf man nicht daran denken, dass an anderen Stellen der Erde Tausende täglich verhungern. Mit riesigem Aufwand müssen Millionen Menschen durch Lebensmitteltransporte aus Spendenmitteln am Leben erhalten werden.
Kurios dabei ist allerdings, dass dort wo Lebensmittel fehlen, oft für Waffen Geld vorhanden ist. Kinder sieht man mit Maschinenpistolen herumlaufen. Woher kommen die Waffen? Länder, die in der Lage sind solches Teufelszeug zu produzieren, versorgen diese armen, hungernden, aber Waffen Besitzende. Ein Teufelskreis!
Müssen wir uns wundern, dass letztlich der Spieß umgedreht wird. Nun ist es so weit, dass wir uns gegen die von uns entwickelten Waffen und die von uns mit ihnen vertraut Gemachten, Ausgebildeten, wehren müssen. Denkt man dabei nur einmal an die russische Kalaschnikow, sie ist weltweit verbreitet und Kinder und Erwachsene sind offensichtlich stolz, sie zu besitzen.
Von Terroristen in Amerika verursachte Katastrophe mit Tausenden von Opfern, ist furchtbarer Beweis für das vorher Gesagte. Schrecklichere Folgen sind nicht auszuschließen.
Als ich am 17.4.2002 wieder einmal die hier geäußerten Gedanken durchgehe, hatte vor wenigen Tagen auf der tunesischen Insel Djerba ein terroristischer Anschlag 10 Deutsche in den Tod gerissen. Zahlreiche liegen noch schwerverletzt in Krankenhäusern.
Das vorher Gesagte wird erneut tragisch bestätigt!
Immer deutlicher wird, dass unsere zu offene Gesellschaft, Terroristen Gelegenheit gibt, von unserem Lande aus Aktivitäten zu entwickeln. Wenn wir dem nicht entschieden Einhalt gebieten, stehen uns schwere Zeiten ins Haus.

Etwas abseits von Marschütz befindet sich die so genannte Marschützer Schänke. Mir ist sie deshalb erinnerlich, weil sie an zahlreichen Freitagabenden Ziel meines Vaters war. Man scheute die mindestens 3 km Weges nicht zu Fuß zurückzulegen. Billard und Skat waren beliebte Unterhaltungsmöglichkeiten. Es wurde getrunken. Wenn der Vater dann spät nach Hause kam, gab es meist eine Strafpredigt der Mutter. Sie sorgte sich um zuviel verbrauchtes Haushaltsgeld. Es war nur äußerst knapp bemessen. Fernsehen gab´s noch nicht.
Wir Kinder konnten im Bett im Nebenzimmer den Diskurs bedrückt verfolgen.
In einer Hochzeitszeitung charakterisierte man diese Ambitionen in einem Verschen:
„Gleisberg, Böttcher, Ginsel – Ede, spielen bis das Geld ist flöte!“

Unser Wanderweg führte uns nach Süden, auf der von mir so bezeichneten „Lederstraße“ entlang. Wir stellten dabei fest, dass nicht mehr vorhandener Querweg früher die Verbindung nach Weitzschenhain verkürzte.
Der starke Nebel ließ am Wegesrand stehende Pappeln regelrecht weinen. Ich musste der Nässe ausweichen.
„Lederstraße “ bezeichnete ich den Weg deshalb, weil er sich in der Vorwendezeit in sehr gutem Zustand befand. Herr L. verstand es, seine LPG zu einer Vorzeige – LPG zu entwickeln. Den zahlreichen Besuchern wurde neben den in vorzüglicher Qualität befindlichen landwirtschaftlichen Kulturen, ein Wegenetz gezeigt, das für „das flache Land“ recht gut war.
Im Gegensatz dazu befanden sich die Strassen nebenan in einem jämmerlichen Zustand. Besonders in Nachwinter-Zeiten fuhr man teilweise wie auf Gummi.
Wenn wir nach langem Warten ein neues Auto zugewiesen bekamen, übte ich auf dieser wenig befahrenen aber in sehr guten Zustand befindlichen Straße mit meiner Gattin. Wenn uns dabei jemand Anderer beobachtet hätte, musste angenommen werden, dass bei den Beiden etwas nicht in Ordnung sei. Normalerweise fährt man auf einer Straße nicht ständig hin und zurück. Wir vereinnahmten diese etwa Drei Kilometer als Übungsstrecke und qualifizierten uns.
Hat man die höchste Erhebung unserer Wanderung erlangt, kommt linker Hand ein einzelstehendes Gehöft ins Blickfeld. Es ist deshalb bemerkenswert, weil auf diesem Territorium nach dem 2. Weltkrieg aus einem Vorkommen Braunkohle abgebaut wurde.
Der schlechten Qualität wegen und zu geringer Ergiebigkeit ist der Abbau eingestellt worden.
Heizmaterial – Not kurz nach dem Kriege zwang dazu, auch diese Möglichkeit zu nutzen.
Nach zweistündiger Wanderung gelangten wir an den südlichsten Punkt, zur „Lahmen Henne“. Geklärt werden konnte nicht, wie es zu diesem Namen kam. Von hier aus gelangt man in östlicher Richtung nach Neckanitz. Weiter in südlicher Richtung kommt man in die Nähe von Meila. Schwenkt man in eine nach rechts abbiegende Straße nach Birmenitz, konnte man in Vorwende-Zeiten in einen ansprechenden Gasthof gelangen. Er war begehrtes Ziel für gute Gastronomie liebende Zeitgenossen.
Wir schwenkten nach Westen und nach etwa einem Kilometer standen wir vor dem Ortsschild “ Mögen“ und darunter „Stadt Lommatzsch“. Lommatzsch verstand es im Rahmen der Gebietsreform, zahlreiche Ortschaften einzugemeinden. Sie hat dadurch als Kleinstadt ein Territorium, dass einer beachtlichen Großstadt gleicht. Lommatzsch ist von hier aus etwa 10 km entfernt.
Mein Wandergefährte kannte die Besitzer der Güter in Mögen. Als Junge hätte er mit dem Traktor fahren dürfen, erzählte er, sofern in Mögen geholfen werden musste.
In dieser Gegend beginnt verstärkt der sehr wellige Charakter des Erzgebirgsvorlandes. Die sehr ertragreichen „Lommatzscher-Pflege-Böden “ lassen jedoch Erschwernisse der Geländegestaltung in den Hintergrund treten.
Nach etwa zwei Kilometer beschwerlichen Weges gelangten wir in die Nähe von zwei Windrädern, die man normalerweise schon von weitem sieht.
Besser, wir mussten in die Nähe kommen. Weder zu sehen, noch zu hören war davon etwas. Der ungewöhnlich starke Nebel ließ die etwa 60 Meter hohen Masten mit den Windflügeln nur als Schemen ahnen. Einer befand sich links des Feldweges und einer rechts davon. Von Zschochau aus war der Weg befahrbar hergerichtet worden. Die Flügel bewegten sich ohne dass man ein störendes Geräusch hätte vernehmen können.
Oft wird davon gesprochen, dass die Flügelgeräusche der Windmühlen zu stark belästigend seien. Nach meinem Dafürhalten kann das kein Hinderungsgrund sein, solche Anlagen zu genehmigen.
Der hiesige Standort wurde gewählt, weil dicht dabei eine Energiefernleitung vorbeiführt. Die gewonnene Energie lässt sich dadurch leicht ins Netz einspeisen. Für die Betreiber verringerten sich die Investkosten beträchtlich.
Mich interessierte der Spaziergang, weil ich Anlagen dieser Art einmal aus der Nähe sehen wollte. Wir hatten durch den Nebel Pech.
Mein Wandergefährte ließ sich indes den Mut nicht vermiesen. Er hatte die Mundharmonika gezückt und spielte. Wir vereinbarten, dass wir die Mundharmonikas mitnehmen wollten, um gemeinsam ein wenig zu musizieren. Beide Instrumente harmonierten in übereinstimmender Dur, so dass man gemeinsame Lieder erklingen lassen konnte.
Wir sind beide keine Spezialisten. Erhard erzählte, dass er mehrere Harmonikas besitze. Nicht nur Mundharmonika kann er spielen. Auch Ziehharmonikas bringt er zum Klingen. <
Als auf so genanntem “ Spitzen -Kalkofen“ noch eine Gaststätte geöffnet hatte, war sie beliebtes Ziel von Zechern. In vorgerückter Stunde und offensichtlich bereits alkoholisiert hatte ein Zschochauer Bekannter ihm eine Ziehharmonika angeboten. Er gab ihm dafür Einhundert Mark, sage er. Eines Tages besuchte die Großmutter, bei der er wohnte, eine Frau aus Zschochau und behauptet, er, Erhard, habe ihrem Enkel das Instrument mitgenommen und sie fordere es zurück. In seiner Abwesenheit war seine Großmutter von seinem Verhalten so entsetzt, dass sie der Frau die Harmonika aushändigte. Als er von der Arbeit nach Hause kam und von seiner Großmutter getadelt wurde, konnte er feststellen, dass er die Harmonika mit 100 Mark bezahlt habe. Er schwang sich aufs Motorrad und eilte nach Zschochau, um zur gekauften Harmonika zu gelangen. Die erzürnte Oma des Verkäufers ließ sich indes von den Argumenten Erhards nicht überzeugen und händigte das Gerät nicht wieder aus. Sie behauptete, ihr Enkel habe ihr von einer Bezahlung nichts erzählt. Geld weg, Musikinstrument weg! Ein arges Verlustgeschäft?
Als der Geschädigte in Staucha bei Bauarbeiten tätig war, kam der „Verkäufer“ aus Zschochau mit dem Motorrad vorgefahren, entschuldigte sich und gab die 100 Mark zurück. Damit nahm die Angelegenheit ein noch zu ertragendes Ende.
Erhard Haser ist ein interessanter Erzähler. Während unseres vierstündigen Spazierganges gab es nur wenige schweigsame Phasen. Meine Stimmbänder, die gespalten sind und leider nur krächzende Laute hervorbringen, hatten bei dem Nebel kaum Schaden genommen. Darüber verwunderte ich mich. Mein Weggefährte meinte, die ständige Beanspruchung während der Wanderung sei eine Art Training gewesen. Meine gespaltenen Stimmbänder führen dazu, dass, sobald die Witterung umschlägt, die Stimme fast versagt und ich nur noch heisere Töne von mir geben kann. Heute war es nicht so. Wie wir darauf zu sprechen kamen, weis ich nicht mehr.
Erhard erzählte, während seiner Tätigkeit in der Bauabteilung des Stahlwerkes in Riesa hätte ein Auftrag darin bestanden, in einem Werk in Artern „Sozialistische“ Hilfe zu leisten. Sie hätten völlig normal gearbeitet. An den Wochenenden sei man nach Hause gefahren. Wenn sie montags wieder an die Arbeit gehen wollten, sei das von ihnen Geschaffene eingerissen gewesen. Das Gleiche sei an mehreren Montagen der Fall gewesen. Sie waren ratlos. Schließlich erklärte jemand die Ursache. Sie hatten unbewusst in einer Woche soviel geschaffen, wie die Kumpel dort in einer viel längeren Zeit. Nachdem sie ihre Arbeit darauf einstellten, sei alles erhalten geblieben. Nichts ahnend, hatten sie sich als Normbrecher betätigt.
Dass es so geartete passiv/aktive Resistenz in einem volkseigenen Betrieb gab, war mir unbekannt. Dass der Stasi da nicht energisch eingriff, verwunderte mich noch mehr!
An den ersten Gehöften von Zschochau angekommen, wusste mein Gefährte die Namen der Besitzer zu nennen.
Meine Frau hätte sie auch gekannt. Kauften sie doch eine Zeit lang, als Zschochau noch zum Kreis Meißen gehörte, Eier bei den Erzeugern ein.
Wie in unserem Ort, ist in Zschochau nach der Wende viel geschehen. Straßen wurden Grundhaft erneuert. Mit riesigen Steinen fertigte man Stützmauern an den Stellen, wo das bergige Gelände es erfordert. Die Kirche leuchtet mit hellem Anstrich auf ihrem erhöhten Platz im Ort. Rundum, es sieht farbiger und freundlicher aus, als man es zu Vorwendezeiten sich hätte vorstellen können. An den Ortsstraßen läuft man auf Bürgersteigen. Der Anstieg zum „Spitzen“ ist mit Straßenlaternen versehen. Man meint, man führe auf die Höhe zu einem Baudenkmal. Und es ist ja auch eines. Vor einigen Jahrzehnten befand sich gegenüber dem großen Gebäude ein Kalkofen. Offensichtlich hat man aus dem Kalkvorkommen östlich von Ostrau Rohkalk bezogen und gebrannt.
Mit meiner Großmutter mütterlicherseits durfte ich zu Fuß zur Apotheke 7 km nach Ostrau laufen. Wir kamen am „Spitzen“ vorbei und durch ein Wäldchen taleinwärts erreichte man Ostrau. Mit der Bahn fuhren wir eine Station weit nach Stauchitz. Von dort aus waren es nur noch 3 km nach Hause.
Inzwischen sind der Fußweg und das Wäldchen dem Kalkabbau in Ostrau zum Opfer gefallen. Dagegen nutzt der Drachenflugverein von Ostrau vor der Kalkabbaufront die günstigen Aufwinde, die Thermik. Ab und zu kann man Drachenflieger mit ihren bunten Gleitern am Himmel bewundern.
Von Erlebnissen in der Gaststätte, die sich in dem Gebäude auf dem „Spitzen“ befand, wusste mein Begleiter zu erzählen. Es wurde musiziert, gesungen, gelacht und gezecht. Vom „Harmonikakauf“ hatte ich schon erzählt.
Inzwischen gelangten wir in die Nähe vom „Huthübel“.

 

Erhard wusste zu erzählen, dass erstaunlich viele Leute die Erhebung besuchen würden. Kann man doch von ihr weit ins Land schauen. Sagen – und Geschichtsträchtig ist der Huthübel, als höchste Erhebung des Kreises Riesa-Großenhain. In einem kleinen Beitrag im Heimatfestheft von 1969 ließ ich das Sagenhafte des „Huthübels“ anklingen. Im Internet kann man darüber nachlesen.

Auf halber Höhe angelangt, am so genannten weißen Stein, kann man sich für den weiteren Anstieg entscheiden.
der Wanderer erklimmt auf einem Weg, der früher mit einer zwei Kilometer langen Kirschallee bestanden war, das Huthübel – Niveau.
Ein beeindruckender Blick ins Jahnatal belohnt diese Mühe.
Wenn wir uns dem Hügel nähern, können wir zwei Linden, ein Holzgestell, das einen trigonometrischen Punkt darstellt, und einen unbehaunen mannshohen Stein unterscheiden. Bedeutung und Herkunft dieses Steines sind noch nicht wissenschaftlich geklärt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Phantasie des Volkes den Stein wie auch den Hügel zum Gegenstand der Sage gemacht hat. Schon der Name Huthübel wird verschieden gedeutet:
Die einen leiten ihn aus der Hutform der Erhebung ab, andere wiederum schlussfolgern aus dem Namen und der beherrschenden Lage des Hügels, dass er dazu benutzt wurde, um auf der Hut zu sein, nämlich als militärischer Beobachtungspunkt.

Ergänzend dazu muss man bemerken, dass wahrend des zweiten Weltkrieges der Huthübel der Luftverteidigung als Flugverkehr Beobachtungspunkt diente und entsprechend besetzt war. Die Vorläufer des Radar waren noch nicht im Einsatz. Stauchaer Männer mussten in einer Art Zivilverteidigung eine Zeit lang Dienst tun. Umstritten sind die Vorgänge, die sich während dieser Zeit abgespielt haben sollen.

Heinrich I dagegen soll von diesem Hügel aus Belagerung und Eroberung der daleminzischen Feste Gahna (Jahna) geleitet haben.
(Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine optischen Beobachtungsgeräte. ( Sehkraft Heinrichs müsste bemerkenswert gewesen sein! ?

Der Sieg über diesen slawischen Volksstamm führte im Jahr 929 zur Gründung der Burg und Mark Meißen.
Die Gefallenen dieser Kämpfe sollen auf dem Huthübel beigesetzt worden sein.Der Monolith, (Stein aus einem Stück bestehend) könnte der Gedenkstein sein.
Nach der Darstellung des Heimatforschers M. Günther, lassen um den Stein gefundene Urnen eine derartige Deutung zu.

Aus noch grauerer Vorzeit rührt die Sage, eine Riesin habe aus einem Schuh so viel Sand ausgeschüttet, dass der Hügel entstand.
Der Anlass dazu sei der noch jetzt aufragende Stein gewesen, welcher der doch recht überdimensionalen Dame ein wenig Schmerzen bereitet habe. Dabei verlor sie einen großen Schatz, der in die Aufschüttung fiel.

Für denjenigen, der sich an keiner modernen Wettart beteiligt, aber trotzdem zu Reichtum gelangen will, sei gesagt:
Der Schatz ist noch vorhanden! Man erwerbe acht schwarze Ziegenböcke, spanne sie vor einen Wagen und erscheine zu mitternächtlicher Stunde in einer Vollmondnacht, ohne ein Wort zu sprechen, auf dem Huthübel. Diesem Mutigen öffnet sich unter grausigem Getöse der Berg. Der Schatz wird sichtbar! ? Der Anblick des glänzenden Goldes lässt den Glücklichen erkennen, dass der Gewinn eines Lotto – Sechsers “ mit Zusatz- und Superzahl diesem Wert angemessen, wie ein mageres Trinkgeld erscheint.

Einer Mitteilung des Bürgermeisters der Gemeinde Staucha zur Rentnerweihnachtsfeier 1995 zufolge, soll der Huthübel, unter dem sich Baustoff – Vorkommen befinden, dem Abbau zum Opfer fallen.
Die Bergbehörde in Freiberg habe so entschieden, wurde dort verlautet.
Die Umweltschützer sind daraufhin auf den Plan getreten.
Ob man dabei den Huthübel erhalten kann, muss man abwarten.
Das Wäldchen, welches man von weitem nun als dunkles Etwas sehen kann, pflanzte ich an einem Subbotnik mit. Wir durften zu DDR-Zeiten im Rahmen der „Nationalen Front“ derartiges tun !?.

Schmal ist die Straße auf der wir nun wieder Staucha zustrebten. Sie wird aber als „Schleichweg“ genutzt. Man kürzt von uns aus den Weg nach Ostrau erheblich und ist fern des flutenden Verkehrs auf der B169 oder meidet die Ortsdurchfahrten durch Jahna und Pulsitz. 

Steudtens Besonderheit ist, dass dieser Ort, obwohl er zum Kreis Riesa-Großenhain gehört, telefonisch über das Telefonnetz Döbelns, über Ostrau zu erreichen ist.
Vier Gehöfte, zwei größere Güter und zwei mittlere wirtschafteten in Steudten. Das Wilhelmsche Gut zeichnete sich aus durch eine größere Obstanlage. Vorhandene Apfelsorten konnten nur noch als Mostäpfel genutzt werden, da sie nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen.
Tonnenweise wurden „Clapps – Liebling“ Birnen geerntet. Sie abzusetzen, bereitete oft Schwierigkeiten, da die Haltbarkeit dieser Sorte, die sehr schmackhaft und als Einkochbirne geeignet ist, nur begrenzte Zeit dazu ließ.
Während der Bewirtschaftung der Obstanlage durch die LPG „Sonnenschein“ konnte keine Rentabilität erreicht werden. Wir beantragten, die Anlage roden zu können. Da ein Obstflächensoll zu erfüllen war, erhielten wir keine Genehmigung.
Der jetzige Nutzer des Bodens rodete die gesamte Anlage, schredderte sämtliche Bäume und verwandte das Substrat als Dünger.
Am so genannten weißen Stein kann man einen schönen Blick auf Staucha richten.
Als ich für meinen Großvater Kirschen hütete, in Staucha bezeichnete man diese Tätigkeit als „Starehüten“. fuhr ich mit dem Fahrrad tagelang die Kirschallee entlang und versuchte die Stare zu vertreiben. „Starehüten“ ist eine Verfälschung des Tatsächlichen. Nicht Stare waren zu hüten, sondern die Kirschen. Beidseits der Straße vom Huthübel bis kurz vor Wilschwitz zogen sich Kirschbäume hin. Manchmal weinte ich vor Wut. Hatte ich die gefräßigen Vögel an einer Stelle verjagt, flogen sie im Bogen an anderer Stelle wieder ein. Vom Anfang bis zum Ende der Kirschallee waren mindesten 50 Höhenmeter zu überwinden. An den Vorderrädern hatte ich starke Pappen mit einem Bindfaden zur Lenkstange befestigt und an der Haltestrebe des Schutzblechs umgebogen. Wenn ich führ bildete sich durch die Reibung mit den Speichen des Vorderrades ein motorisch – knatterndes Geräusch. Meinen geflügelten Gegnern passte dieser Spektakel nicht sonderlich. Bergab ließ sich’s fahren. Aufwärts musste erheblicher Widerstand durch diese Bremswirkung überwunden werden.
Gleisbergs Großvater konnte es dem Böttcher Großvater nicht verzeihen, dass er den kleinen Jungen allein diese Aufgabe ausführen ließ. Mehrere Male ist er den Fußweg in Richtung Jahna ,den so genannten Eselsberg hinauf gelaufen und schaute nach, ob der kleine Kerl noch im Gange war.
Ganz ungefährlich war es zu jener Zeit nicht. So genannte Handwerksburschen machten noch die Straßen unsicher.
Wie man sieht, man überlebte.
Sehr früh musste ich während der Schulferien aus dem Bett. Der Papa, so nannten wir den Großvater väterlicherseits, pochte auf eine hölzerne Stufe der Stiege zu meiner Dachkammer. Rechtzeitiges Erscheinen in der Kirschallee sicherte, dass die Schäden an den Kirschen in Grenzen gehalten werden konnten. Die Stare waren Frühaufsteher. Sie bevorzugten als erstes Frühstück Kirschen. Als ein Relikt dieser beschriebenen Zeit kann die noch mit zahlreichen grossen alten Kirschbäumen bestandene Strasse von Staucha in Richtung Dobernitz/Gleina gelten. Zur Kirschblütezeit bilden sie ein ansehenswertes Naturereignis, einen weissen Schleier in unserer Landschaft. Sind die Kirschen reif, gibt es keine gewerblichen Nutzer. Grosse Scharen von Staren weiden sich unbehelligt an den leckeren Früchten. Ab und zu sieht man Passanten am Strassenrand mit ihren Fahrzeugen anhalten, um sich Kirschen zu pflücken. Aber auch Vietnamesischen Obsthändler haben längst erkannt, dass Kirschen bei den sehr ansehnlichen Preisen, sich lohnen, zu pflücken. Niemand verlangt dafür einen Cent von den Pflückern. Zu der von mir beschriebenen Zeit galten Süsskirschen als lohnende Pachtobjekte und wurden in den ansehnlichen Kirschalleen um Staucha herum restlos geerntet. Selbst im Heimatfestlied von 1929 wurde den Kirschalleen ein Denkmal gesetzt.

Links und rechts der Straße sieht man künstliche Aufschüttungen. Sie sind Rückhalteeinrichtungen für die Wassermassen bei Starkregen. Die zerstörende Wirkung des Wassers soll gemindert werden. Einflussgullys sind zu sehen. Meliorationsmassnahmen in den Achtzigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts schufen diese Dämme auf dem Wege von Staucha Richtung Steudten, am Südrand von Prositz und in Treben. Damit können Schäden gemindert werden und der Wasserspeicher wird vor einem Teil der Schlammmassen, die Unwetterwassermassen mit sich führen, geschützt. Auf dem Flurstück, welches zu unserem väterlichen Hause gehörte, befinden sich Gullys, als Einflussöffnungen für Schwemmwasser. Bodenqualität des beschriebenen Flurstückes war hervorragend. Es bildete die Grundlage für ertragreichen Gemüsebau, den mein Vater nach dem Kriege betrieb.
Der weiter oben beschriebene 1,5 ha grosse Luzernberg mit den Obstbäumen,war die eine Seite. Leben konnte man nur von verkauftem Gemüse. Zum Teil zwei Ernten im Jahr konnten von diesem Flurstück erzielt werden. Es bildete somit die Grundlage für gute Erträge.

Ohne zu klagen bemerkte ich zunehmend, dass ich mir für die zurückzulegenden 15 km viel zugemutet hatte. In den Knien machten sich Schmerzen bemerkbar. Es wurde Zeit, wieder zu Hause anzukommen.

 

 

Über den „Damm“ gelangten wir wieder zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.
Auf dem eingefügten Bild ist zu sehen, dass in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts den Kindern in Frostperioden der Teich in der Nähe der Schäferei angedämmt wurde.
Mit 4 Gebäuden ist die „Schäferei“ noch zu sehen.
Beim Blick zur Kirche fällt auf, dass der Baumbewuchs um die Kirche noch relativ klein ist. Ein Zeichen dafür, dass die Fotografie in einem frühen Zeitpunkt nach der Errichtung der „Johannis Kirche“ entstand.
Mein Wandergefährte verabschiedete sich von mir mit: “ Bis zum nächsten Mal“!

 

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