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Elektronische Datenverarbeitung wird zur Produktivkraft

Als in den frühen siebziger Jahren immer mehr die elektronische Datenverarbeitung in den Verkehr kam und zur effektiven Leitung einer sich ständig vergrößernden Genossenschaft immer dringender aktuelle Auswertungsergebnisse erforderlich waren, entstand der Auftrag, bei Robotron in Dresden nach Liefermöglichkeiten nachzusuchen.

EDV-Beschaffungsprobleme

Dass eine „lächerliche“ GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft)etwa um 1970 elektronische Wünsche hegte, erregte bei Robotron in Dresden Aufsehen. Robotron war der in der DDR autorisierte Betrieb, der für Herstellung und Vertrieb von elektronischen Geräten verantwortlich zeichnete. Unschwer konnte erkannt werden, dass Elektronik zu diesem Zeitpunkt in der DDR einem Artikel unter dem Ladentisch glich.
Zum Verständnis sei gesagt, dass der Begriff „unter dem Ladentisch“ auch mit so genannter „Bückware“ umschrieben wurde. Mangels ausreichenden Angebots, verschwanden knappe Waren unter dem Ladentisch. Nur gute Kunden kamen in den Genuss solcher Artikel.
Da auch die Gemüsearten Treibgurken und Frühblumenkohl zu diesem Zeitpunkt in diesem Bereich einzuordnen waren, „begab“ es sich, dass als erste elektronische Errungenschaft ein so genannter „Orgautomat“ in der Genossenschaft zum Einsatz kam.
Als Bittsteller musste man bei „Robotron“ in Dresden öfter präsent sein, um die Wünsche auch ernsthaft zu unterstreichen.
Hemmend wirkte sich aus, dass man als Gartenbaubetrieb keine Chance hatte, eine Zuweisung zu erhalten.
Wichtigere volkswirtschaftliche Bedarfsträger hatten Vorrang. Zu diesem relativ frühen EDV-Zeitpunkt waren die Aussichten, zu EDV-Geräten zu kommen, gering.
Nur wenn die Bedarfsträger gesättigt waren oder die Elektronikindustrie über den Plan produzierte, gab es geringe Möglichkeiten, an EDV-Geräte heran zu kommen.
Sie wurden von uns genutzt.

Orgautomat 1. EDV-Gerät(Org-Automat= Arganisationsautomat)

Unter diesem Begriff ist ein elektronisches Gerät in Schreibtischgröße zu verstehen.
Links war ein Lochbandstanzer installiert, der in der Lage war, das auf einer elektrischen Schreibmaschine Geschriebene in einem Lochbandcode auf Lochband zu stanzen. Zum Einlegen der Lochbänder liess sich das Gerät auf Schienen gleitend ein- und ausfahren.
Beim Stanzen entstand beträchtlicher Lärm.
Auf der rechten Seite befand sich ein Lochbandleser. Er interpretierte auf einem Lochband gestanzte Zeichen. Auf der elektrischen Schreibmaschine konnten diese Daten lesbar ausgegeben werden.
Zugleich wurden diese Geräte zur Datenerfassung für das Kleinrechnersystem „Cellatron 8205 Z „ genutzt.
Zu verarbeitende Daten konnten nur auf Lochband erfasst in den Kleinrechner eingegeben werden.
Etwa 100 kg wog der Org-Automat.
Fehlerfreie Datenerfassung war Voraussetzung für einwandfreies Arbeiten mit dem Kleinrechnersystem „Cellatron 8205 Z“. Entstandene Fehler auf dem Lochband konnten nur korregiert werden, wenn der Lochbandcode beherrscht wurde. Er war erlernbar.Frau Brigitte Arlt, die spätere stellvertretende Hauptbuchhalterin, war in der Lage, den Code zu lesen,Fehler zu erkennen und möglicherweise zu korrigieren.
Mit den gewonnenen Daten war die maschinelle Abrechnung des Reproduktionsprozesses der Genossenschaft möglich.
Voraussetzung bei der Arbeit mit der aufwändigen Lochbandtechnik waren exaktes Arbeiten, und überschaubare Archivierung der gewonnenen Datenträger.
Die viel zu geringe Speicherkapazität des Kleinrechnersystems stellte an die vorher beschriebenen Voraussetzungen hohe Anforderungen. Speichermedien mit Festplatten-Kapazitäten waren noch in der Entwicklung.

Noch in Gleina Anfang der Siebziger Jahre in Dienst gestellt, erregte der Org-Automat bei einem Teil der Mitarbeiter Erstaunen, bei anderen Misstrauen, weil dafür für das genossenschaftliche Verständnis viel Geld ausgegeben werden musste für eine Sache, deren Nutzen zunächst äußerst zweifelhaft erschien.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die EDV einen fragwürdigen Ruf. Aus Betrieben, die EDV-Anlagen betrieben, wurde bekannt, dass das was da ‚rauskam, meist fehlerhaft sei.
Lehmann bekam die Vergütung von Schulze, bei der Meier fehlte das Kindergeld. Fehlersuche verursachte zusätzliche Arbeit.
In den Hirnen von Büroleuten keimte die böse Ahnung, dass dieses unheimliche Etwas am Ende den Arbeitsplatz kosten könne. Eine Art passive Resistenz schlich sich ein. Nur wer bereit war hinzuzulernen, konnte künftig in Verwaltungsbereichen bestehen.
Ungeachtet dieses negativen Images begann die Arbeit damit. Bald stellte sich heraus, dass bestimmte Verwaltungsarbeiten rationeller auszuführen, Datenkonserven anzulegen und sich wiederholende Vorgänge rascher abzuarbeiten waren.
Unangenehm empfand man den Lärm, den diese ersten Geräte verursachten.
Im Laufe der Zeit waren mehrere Organisationsautomaten in Dienst gestellt worden.
Vor allem die Lochbandstanzer lärmten beträchtlich.
Zugleich mit der Beschaffung der Geräte entstanden Versorgungsprobleme mit dem Lochbandmaterial. Es rechtzeitig verfügbar zu haben, war ein Kunststück.
Gelang es schliesslich, bevorratete man sich aus Sorge kontinuierlich arbeiten zu können unmäßig.
Bei der Außerdienststellung der Orgautomaten waren Bestände an Lochbändern vorhanden, die keiner Verwendung zugeführt werden konnten. Nicht einmal zum Verheizen eigneten sich die wie Stein gepressten Papierrollen.
Zu vergleichen war das Geräusch der Lochbandstanzer, mit einem in der Ferne hämmernden Maschinengewehrs.
Nicht nur „Musik“, auch EDV war anfangs mit Lärm verbunden.

Bei einer Besichtigung im Stahlwerk Riesa in einem Maschinen- Saal, in dem riesige Lochkarten Leser, Stanzer und Sortierer einen Lärm verursachten, den man im Fernsehen erlebte, wenn aus einem Spinnereisaal berichtet wurde, konnte während eines EDV- Facharbeiterlehrganges um das Jahr 1970 herum, eine Vorahnung erlebt werden.
Die damaligen LPG – und GPG – Buchhalter absolvierten die Qualifizierung zum EDV-Facharbeiter in Vorbereitung auf das EDV-Zeitalter.
Auf „Dezibel“ musste man sich also mit der EDV einrichten.

„Cellatron 8205 Z“

Gleichzeitig mit den beschriebenen Organisations-Automaten war bei Robtron in Dresden eine EDV Anlage vom Typ „Cellatron 8205 Z “ in Auftrag gegeben worden. Es handelte sich dabei um ein Kleinrechnersystem. Diese Anlage repräsentierte in der DDR die 2.Rechnergeneration. In der Zentraleinheit rotierte mit 18000 Umdrehungen in der Minute eine so genannte Trommel. Sie erzeugte einen Dauerpfeifton. Auf der rotierenden Trommel waren Daten zu schreiben und von ihr zu lesen. Später wurde die Anlage durch Zusatztrommeln als Beistellgeräte erweitert. Damit gewann die Anlage an Leistungsfähigkeit.
Inzwischen stand 1975 das Bürogebäude in der Stauchaer Straße in Hof vor der Vollendung.
Drei Räume wurden zum EDV – Raum – gestaltet, der die künftige Kleinrechneranlage aufnehmen konnte.
Zu dem Zeitpunkt stellte Robotron an die Ausstattung der EDV – Räume besondere Anforderungen.
Stelzenfussboden musste vorhanden sein, damit die zahlreichen Kabel ungehindert unter dem Fußboden verlegt werden konnten.
Damit der Schallpegel auf ein erträgliches Maß zu reduzieren sei, waren die Wände und die Decke schallschluckend auszustatten. Prinzipielle Forderungen, die unter normalen Verhältnissen problemlos erfüllbar gewesen wären. In diesem frühen EDV-Zeitraum zeigten sie aber auch, mit welchen Schwierigkeiten zu rechnen war.
Unter DDR-Bedingungen blieben sie jedoch fast Wunschträume.
Lieferzeiten von mehreren Jahren zeigten die Lieferbetriebe an.
Als der Hersteller aus Zella-Mehlis 1975 den Rechner lieferte, konnte der EDV-Raum schallgedämpft bezogen werden. Wir bemühten uns, Voraussetzungen für erfolgreiche Betreibung fristgemäß zu schaffen. Taufrische Installationen wurden uns beinahe zum Verhängnis. Dem Rechner schadete angeblich zu hohe Luftfeuchtigkeit.
Vorbereitend war mit der Molkerei in Riesa vereinbart worden, dass zwei Kolleginnen erste Erfahrungen an einem solchen Gerät in diesem Betrieb sich aneigneten.
Besondere Fertigkeiten erwarb sich die spätere stellvertretende Hauptbuchhalterin, Frau Brigitte Arlt in der Bedienung der EDV – Anlagen.
In der Marktwirtschaft ist sie erfolgreiche Managerin ihres Großhandelsbetriebes „Sonnenschein-Markt“ mit dem Sitz in Hof, Kreis Oschatz, Stauchaer Straße, am Südende des Hallenkomplexes, über dem in großen Lettern „EDEKA“ prangt.
Sie hatte wesentlichen Anteil daran, dass eine effektive Nutzung der EDV-Anlagen bereits in der Frühzeit der genossenschaftlichen EDV möglich wurde.

Dauerinformation führte zu Gehörsturz
Der beschriebene Pfeifton der rotierenden Trommel des Zellatron 8205-Z führte durch die ständige Arbeit mit dem Gerät, die eine gesundheitsgefährdende Dauerinformation beim Verfasser im Gehör verursachte, zu einem Gehörsturz.
Durch rechtzeitigen Besuch beim HNO-Arzt konnte das Gehör wiederhergestellt werden.
Lärm kann sehr stark gesundheitsschädlich sein.
Junge Leute sind sich nicht bewusst, was sie sich antun, wenn sie die lärmenden Diskos besuchen oder mit dem „Workman” so genannte Musik unmittelbar dem Gehör zuführen. An das dampfhammerähnliche Bumsgedröhn in den Autos junger Leute darf man bei dieser Gelegenheit nicht denken.

Robotronpraxis war es, Geräte für unseren Bedarf selten nach Wunsch zu liefern. Man musste mit dem vorlieb nehmen, was man bekam. Praxisprogramme konnten nicht angeboten werden. Ausnahme: Die Service-Monteure übergaben nach der Installierung einer Rechenanlage einige Spielprogramme ZB: „Der Raucher“. Dieses EDV-Programm errechnete und gab es aus, wie viel Geld man durch Rauchen verspielt hatte, nachdem man einige Fragen beantwortete.
Wurden Damen dabei nach dem Alter befragt, kam es oft zu entrüsteten Lebensäußerungen.

Startschwierigkeiten

Selbsthilfe hieß auch hier die Devise!
Zunächst ging es darum, den Rechner zum Laufen zu bringen.
Im ersten halben Jahr ergaben sich Schwierigkeiten. Kaum waren die Service-Monteure außer Haus, fiel der Rechner wieder aus.
Die neue Reparaturanforderung war oft eher in Dresden, als die Monteure aus Hof in Dresden zurückgekehrt waren.
Die Ausfallquote nahm schließlich beängstigend zu, so dass der Hersteller in mehreren Attacken eine Neubestückung mit Bauelementen ausführte. Von der Genossenschaft war „Wandlung” verlangt worden. Wandlung heißt: Lieferung eines anderen Gerätes.
Nachdem die von einem grossen Land im Osten gelieferte Widerstände ausgewechselt waren, begann der Rechner zuverlässiger zu arbeiten.
Dem Elektro-Apparate Werk in Berlin musste ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden. Deren Lieferteile zeigten oft Fehler, so dass am Ende die Anfangsbuchstaben EAW in:
„Einbauen, Ausbauen, Wegwerfen“ interpretiert wurden.
Mit Mühe behob Robotron und der Hersteller aus Cellamehlis die Anfangsschwierigkeiten. Endlich lief der Rechner so zuverlässig, dass mangels Serviceaufträgen von Robotron Anfragen kamen, ob die Genossenschaft den Rechner noch betreiben würde.
Mit dem „Cellatron“ zu arbeiten,war schwierig. Den Mitarbeitern blieb der anfangs labile Zustand nicht verborgen. Da man der EDV ohnedies abwartend gegenüberstand, fasste man die verzweifelten Bemühungen, etwas Brauchbares daraus zu machen, zusammen mit der abwertenden Bemerkung: „B. spielt mit der Eisenbahn!“ Flüchtig betrachtet, hätte man es so ausdrücken können.

Anwenderprogramme ? – Do it yourself !

Mit Hilfe von „freischaffenden Künstlern“, Programmierern, die in ihrer Freizeit bereit waren, zu helfen, gelang es zunehmend Programme zu entwickeln, die den spezifischen Anforderungen des Gartenbaus, der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft, GPG und später der LPG entsprachen.
Einer volkswirtschaftlichen Kompatibilität, dass die entwickelten Programme auch in anderen Systemen Verwendung finden konnten, wurde zunächst nicht die notwendige Bedeutung beigemessen. Die erarbeiteten Programme waren zu zweigspezifisch, nicht allgemeingültig genug. Wollte man Programme verkaufen,erwies sich dieser Zustand als nachteilig.
Für die Inegration in volkswirtschaftliche Programme waren deshalb Programmieraufwendungen erforderlich, denen sich besonders Herr H.B. und Frau K.G. widmeten. Daraus gewonnene Erfahrungen ließen sich fruchtbringend anwenden.

GPG EDV Vorzeigeobjekt – Misstrauen bei staatlicher Leitung

„Sonnenscheins“ EDV-Ambitionen wurden von der staatlichen Leitung einerseits als Vorzeigeeinrichtung genutzt, zum anderen mit Misstrauen betrachtet.
Zahlreichen, auch ausländischen Delegationen, musste die EDV-Anlage vorgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Entwicklungsstand auf diesem Gebiet in der GPG beeindruckend und für viele noch fast unverständlich. Vor allem, dass so ein Gartenbaubetrieb eine solche EDV- Anlage finanzieren und erfolgreich betreiben konnte, war nicht alltäglich.
Oft hielten die zahlreichen Interessenten die Erklärer von ihrer eigentlichen Arbeit ab.
„Sonnenschein“ wolle sich nicht in die Karten gucken lassen, war eine der Missfallensbekundungen durch so genannte staatliche Leitung.
Selbst die Prüfer der Jahresabschlussrechnungen beschlich dabei zu diesem Zeitpunkt ein gewisses Unbehagen, da sie sich den neuen Anforderungen noch nicht gewachsen fühlten.
Sicherlich aus diesen Gründen wurden die Jahresendabrechnungen der Genossenschaft wochenlang einer intensiven Prüfung unterzogen.
Einmal durch das Prüforgan der Landwirtschaftsbank und zum anderen durch Spezialisten des STASI bei der Landwirtschaftsbank in Riesa.
Es gelang, das EDV – Abrechnungssystem der Genossenschaft derart zu vervollständigen, dass nach 1985, kurz nach dem Jahreswechsel, nach Buchungsschluss durch die Bank und Übernahme der Daten in das genosschaftseigene Abrechnungssystem, der vollständige Jahresabschluss automatisch gefertigt werden konnte.
Der Hauptbuchhalter von „Sonnenschein“ konnte zu einem sehr frühen Zeitpunkt den Jahresabschluss vorlegen. Er wurde damit zum Übungsobjekt für die Damen bei der Landwirtschaftsbank. Es kam darauf an, Sicherheit zu gewinnen bei den jährlich neuen Bestimmungen des Abrechnungsverfahrens.
In anderen Genossenschaften war mit den Terminen der Rechenzentren und den übergebenen Unterlagen ,nach manueller Prüfung vor Ende Januar mit der Fertigstellung des Jahresabschlusses nicht zu rechnen.

Betrachtet man dagegen das Abrechnungsverfahren in der Marktwirtschaft, mit den zwischenzeitlich wesentlich verbesserten elektronischen Möglichkeiten, so werden Abrechnungszeiträume für Jahresabschlüsse nach Jahren bemessen.

Frage: Wie ist es unter solchen Bedingungen möglich, Betriebe effektiv zu leiten und vor allem, wie ist es dem Staat bei dieser Praxis möglich, einen vernünftigen, aussagekräftigen Überblick über seine Steuereinnahmen und Finanzen zu erlangen?
Ob die so genannten „drei Weisen„, die Schätzungen des zu erwartenden Steueraufkommens ausführen, tatsächlich so „weise” sind gültige Voraussagen zu treffen, muss bezweifelt werden.

Mit Nachnutzungserlösen EDV finanziert
Durch die fruchtbringende Zusammenarbeit mit Herrn Dr.K. entstanden nach der Indienststellung des „Kleinrechnersystems KRS 4201“ nachnutzungsfähige Programme.
Das Kleinrechnersystem „Cellatron 8205 Z“ hatte etwa um 1980 seinen Zweck erfüllt. Seine Leistungsfähigkeit reichte nicht mehr aus, um den Reproduktionsprozess der GPG(Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) termingerecht abzurechnen.
Es konnte Wert darauf gelegt werden, dass Nachnutzungsmöglichkeiten durch Verkauf von Programmen an andere Betriebe der Volkswirtschaft der DDR entstanden. Sie wurden genutzt. Erlöse daraus ermöglichten den Kauf einer größeren Rechenanlage.Einer eigenen EDV-Anlage wurde von der Genossenschaftsleitung deshalb Beachtung beigemessen, weil nicht begriffen werden konnte, dass Ende der Siebzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts zentral eingeführte elektronische Abrechnung nach zwei, drei Wochen Ergebnisse lieferte, die dann als aktuell anzusehen waren.
EDV war unter den Verhältnissen der beschriebenen Zeit in der DDR jedoch nur dann effektiv, wenn sie tag – oder wenigstens wochenfertige Auswertungsergebnisse liefert. In „Sonnenschein“ standen wöchentlich für jeden Verantwortungsbereich Abrechnungsergebnisse bereit, die erkennen ließen, wo Mängel sich andeuteten.
Jeder Leiter und die interessierten Mitglieder erhielten somit einen ständigen Überblick über den Leistungsstand der Genossenschaft. Es konnte davon ausgegangen werden, dass diese Auswertungsmethode stimmulierend wirkte und wettbewerbsfördernd war. Nicht in jedem Falle wurden sie effektiv genutzt. Gravierendes Beispiel ist die Problematik der Auswertung der Gaststätte. Obwohl die Rentabilitätsprobleme der Gaststätte in Leitungssitzungen vorgetragen wurden, konnte der Leiter dieses VB(Verantwortungsbereiches) der Gesnossenschaftsleitung die Zweifel zerstreuen. Deutlich wurde, dass Verantwortliche, die der EDV zu diesem Zeitpunkt eher noch misstrauten, sich von fragwürdigen Argumenten beeinflussen liessen. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren: Die Trinkergemeinschaft hielt zusammen. Nach der Wende wurde die Tragweite der Schäden durch das fehlende Urteilsvermögen und die Bereitschaft, mit Konsequenz durchzugreifen, sichtbar. Nachfolgend wird eine Auswertung dargestellt. Sie zeigt die edv-gerechte Organisationsstruktur der Genossenschaft. Wöchentlich wurde damit der Stand der ökonomischen Entwicklung sichtbar.

LPG „Sonnenschein“ Staucha
Betr.: Erlöse – Kosten der Verantwortungsbereiche KW.: 6.02.90

Er se Ko s te n Kst. Wert
VB Vorgabe 1989 1990 % Vorgabe 1989 1990 % satz AE
TM TM TM TM TM TM %
GP Gleina VB 10 10500 698 913 8,70 5670 234 262 4,62 28,69 25,50
GP Hof VB 20 12500 1240 1380 11,04 6750 358 328 4,86 23,77 25,50
GP Freiland 23000 1938 2293 9,97 12420 592 590 4,75 25,73 25,50
TGP BT Hof VB 31 2500 329 312 12,46 2000 151 208 10,39 66,72 25,33
TGP BT Stauchitz VB 32 500 107 112 22,47 325 22 61 18,72 54,16 25,50
TGP gesamt 3000 436 424 14,13 2400 173 269 11,20 63,39 25,50
GP insgesamt 26000 2374 2717 10,45 15860 765 859 5,41 31,61 25,50
PP Stauchitz VB 12 11253 389 182 1,49 9067 263 297 3,28 163,08 22,00
PP Seerhausen VB 22 10317 123 36 ,35 8769 223 251 2,86 698,82 22,00
PP Fuwi VB 27 5793 608 785 13,55 4403 76 65 1,48 8,30 25,50
PP insgesamt 28365 1120 1003 3,54 22690 562 613 2,70 61,16 25,50
PP Pflsch. VB 95 80 2 3 3,54 76 4 7 8,73 234,15 22,00
GP Pflsch. VB 94 200 5 7 3,57 190 33 14 7,19 191,60 td> 22,00
VM Gleina VB 11 450 26 21 4,64 428 32 21 5,02 102,65 22,00
VM Hof VB 21 1000 68 73 7,27 950 32 34 3,57 46,71 25,50
Bewäss. VB 14
Elektriker VB 16 600 26 36 6,07 570 47 39 6,83 106,93 22,00
Rationalisat. VB 18 550 19 30 5,50 523 27 35 6,70 115,73 22,00
Innenmech. VB 19 550 18 24 4,35 523 46 35 6,78 147,98 22,00
WMT Groma VB 85 1800 105 266 14,77 1548 125 290 18,72 108,97 22,00
WMT Traktor. VB 89 1100 66 84 7,65 908 64 76 8,34 89,95 22,51
Tischler VB 86 380 12 30 8,00 361 -1 31 8,69 103,15 22,37
Maler VB 87 300 9 11 3,91 248 13 17 6,93 149.98 22,00
Baugruppe VB 88 2400 50 819 34,12 2280 99 862 37,80 105,26 22,00
Schw.Techn. VB 80 1600 66 101 6,33 1600 98 120 7,48 118,16 22,00
Innentransp. VB 82 1050 35 91 8,63 998 47 84 8,46 93,08 24,19
Transportgr. VB 83 1160 135 125 10,77 928 95 52 5,56 41,32 25,50
Lehrausbild. Vb 91 440 0 6 1,43 440 0 30 6,82 477,77 22,00
Erziehung VB 92 200 0 13 6,68 200 0 17 8,68 130,00 22,00
Agrotechn. VB 96 40 0 1 2,41 38 0 1 2,19 86,22 24,88
Polytechnik VB 93 90 0 4 3,93 90 0 7 8,29 210,22 22,00
Lg.Arb./Erh. VB 97 3
Küche Hof VB 51 600 24 31 5,25 570 43 37 6,42 116,20 22,00
Küche Glei. VB 52 620 42 46 7,50 589 31 29 4,84 61,38 25,50
Kantine Hof VB 53 200 14 15 7,36 190 8 15 7,65 98.783 23,25
Kantine Gleina VB 54 75 4 4 4,84 71 1 4 4,95 97,20 23,54
Kantine Stau. VB 57 55 4 6 11,48 52 3 4 8,08 66,83 25,50
Kant.Seerhau. VB 58 30 0 3 19,85 29 1 1 5,08 44,44 25,50
Gastst.Riebg. VB 56 140 1 1 0,82 133 11 13 9,83 22,00
Gastst. Hof VB 56 1000 140 72 7,19 950 128 70 7,42 98,07 23,39
Bungalows VB 71 22 6 7 500 24 16 4.80 17,50 22,00
Sportkomplex Vb 74 280 0 7 11,74 280 21 22 10,75 91,50 24,85
Wohnungswesen VB 75 150 0 14 9,23 400 0 15 3,86 112,82 22,00
Verwaltung VB 90 2100 172 163 7,78 1995 91 103 5,18 63,21 25,50
LPG allgem. Vb 99 -2268 21 37 -1,62 2491 44 60 2,41 163,75 22,00
Bruttoumsatz 71357 4566 5873 8,45 58130 2497 3634 6,28 60,54 24,95
Innenumsatz 14557 0 858 3,24 14557 0 858 2,49 76,75
Wareneinsatz 1200 0 54 4,49 1200 0 54 4,49 100,00
Erl. Kost.Kl.7 950 0 51 5,52 2150 0 108 5,02 213,55
Bruttoprodukt 54650 4566 4961 10,07
Selbstkosten 40223 2497 2721 8,04 58,77 25,12

Begriffsbestimmung:

VB = Verantwortungsbereich
GP = Gemüseproduktion im Freiland
TGP = Treibgemüseproduktion unter Glas und Plasten
PP = Pflanzenproduktion( Getreide- Rueben-Futteranbau)
Pflsch. = Pflanzenschutz
VM = Vermarktungsstation (Hellenkombination zur Annahme,Aufbereitung,Verpackung,Palettisierung)
WMT = Werkstatt mobile Technik Großmaschinen (Mähdrescher, Mähhäcksler)
WMT = Werkstatt mobile Technik ( Traktoren)
Lg.ERh.u.Arbeit = Lager für Erholung und Arbeit (Schülerbetreuung)
Erl. = Erlöse
Kst. = Kosten
BP = Bruttoprodukt(Bruttoumsatz ./.Innenumsatz./.Wareneinsatz./.Kontenklasse 7)

 

In der Endphase konnte die Elektronische – Datenverarbeitung der Genossenschaft, der GPG, als eine Art Produktivkraft angesehen werden. Durch Verkauf von begehrten Nachnutzungsergebnissen an über 100 Betriebe erlöste die Genossenschaft über 3 Mill Mark. Darunter waren solche Betriebe, die als so genannte organisationseigene Betriebe bezeichnet wurden. Sie stellten die rentabelsten Einrichtungen in der DDR dar.Die SED(Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) hatte sie sich angeeignet. Es handelte sich um provitable Druckereien, DEWAG und ähnliche. Dem Normalverbraucher war kaum bekannt, dass diese Partei den Gewinn rentabler Betriebe abschöpfte. Damit, und mit den nicht geringen Beiträgen der Mitglieder war es möglich, einen geradezu krakenhaften Apparat über das gesamte Land, sämtliche Betriebe, auszubreiten und eine mit Privilegien ausgestattete Funktionärskamarilla zu unterhalten. Nach der Wende wurde sichtbar, dass diese Partei erhebliche Mittel angehäuft hatte. Sie verstand es, sich entsprechend für die Marktwirtschaft zu wappnen.

Ohne andere genossenschaftliche Mittel zu beanspruchen, gestatteten die erzielten Nachnutzungserlöse, ständige Erweiterungen der EDV-Anlagen zu vollziehen.

Umrüstung auf Personalcomputer

Als „Sonnenschein“ die inzwischen umfassend komplettierte Anlage 1985/86 verkaufte, hatte die EDV Anlage, sie wurde als „KRS“ = Kleinrechnersystem 4201″ bezeichnet, einen perfekten Stand erreicht. Ein Industriebetrieb aus Thüringen kaufte die gesamte Anlage. Nach fünfjähriger Nutzung des Kleinrechnersystems konnten mit dem Erlös von 500 TMark der DDR „Schneider Bürocomputer“ gekauft werden.
Der Transport der Geräte des Kleinrechnersystems „KRS“ zum neuen Eigentümer umfasste, in erschütterungsgeschützte Kisten verpackt, 2 Lkw – Ladungen.
Diese Tatsache zu vermerken ist deshalb interessant, weil sie dokumentiert, welch ungeheure elektronische Revolution sich bereits zu diesem Zeitpunkt vollzog.
Räume füllende, lärmende, in schwere Stahlrahmen gehüllte, nur von zahlreichen Männern zu transportierende Monster waren ersetzt von in kunststoffeingehüllte, nur eine Ecke eines Schreibtisches beanspruchende, Geräte.
Und was das frappierendste dabei war, diese geräteseitigen Winzlinge übertrafen das Leistungsvermögen des Bisherigen um ein Vielfaches.
Inzwischen vollzieht sich auf dem Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung im fast jährlichen Zyklus Umstürzendes. Auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben, übersteigt die finanziellen Möglichkeiten eines durchschnittlichen Verbrauchers.
Das Speichervermögen eines Computers erreichte unvorstellbare Dimensionen.
Das Zeitalter der ausufernden Elektronik ist angebrochen.

Der Einzelpreis eines Schneider – Computers im Jahr 1985 betrug für Grundgerät, Monitor und Drucker, sage und schreibe 80 000 Mark der DDR aus einem DDR Staatsbetrieb. Diese Geräte ließ dieser Betrieb sich durch Ausländer in die DDR „importieren“ und verkaufte sie zu den genannten Preisen.
Für einen normalen Menschen sind diese Preise 1995 unbegreiflich.

Offensichtlich zählten wir als wir sie erwarben nicht zu normalen Menschen und glaubten mit der neuen Errungenschaft einen Schritt in die Zukunft getan zu haben.

Stasi nimmt LPG EDV in Augenschein

Eine Begebenheit aus diesem Zeitraum ist bemerkenswert.
Anlässlich einer Hauptbuchhalter-Schulung in Riesa wurde die finanzministerielle Anweisung verlautet, dass aus dem Ausland keine EDV Geräte mehr gekauft werden dürften.
Meine Äußerung dazu, ich könne die dazu als Ausland deklarierte Bundesrepublik nicht als Ausland betrachten, solange der „Swing“ von der DDR – als innerdeutsche Inanspruchnahme bedenkenlos genutzt würde, führte zu tumultartigen Ausbrüchen.
Von den anwesenden „Staatsdienern“ wurden heftige Proteste laut. Man sah diesen Standpunkt als Angriff gegen die Gesellschaftsordnung an.
Nach 14 Tagen erschien ein Herr, der sich als Mitarbeiter des Ministeriums des Innern auswies und wollte wissen, wie viele Computer gekauft worden wären. Nach Prüfung der Verträge sowie der Erkenntnis, dass nach dem Kaufverbot keine weiteren Computer aus dem „Ausland “ beschafft worden waren, zog er wieder ab.
Geschlussfolgert werden konnte daraus, dass der STASI beauftragt war, nach dem „Rechten“ zu sehen.

Ein Sprung ins Jahr 2002 versetzt mich in die Lage, an einem Gerät zu arbeiten, das bei weitem nicht etwa das modernste ist. Es hat die Speicherkapazität von 20 Gigabyte. Eine Datenmenge, die wahrscheinlich größer ist, als zur beschriebenen Zeit sämtliche Rechenanlagen in der DDR hatten. ISDN-Anschluß gewährt Zugang zum Internet. E-Mail und online-banking und Serven sind selbstverständlich. ISDN-Komfortanschluß gestattet, eine „homepage“ zu errichten und darin den vereinbarten Speicherplatz im Server von 10 mega-byte mit zur Zeit 4 mega-byte zu nutzen. Nicht nur Texte, auch in Intervallen Bilder zu veröffentlichen wird dabei in Anspruch genommen. Beabsichtigt ist, die Stauchaer Lerchen die Staucha-Lieder anklingen zu lassen. Dass im Hintergrund bei der Arbeit am Computer Glenn Millers Rhytmen gehört werden können, ist nur eine der zahlreichen anderen Möglichkeiten bis hin, Filme am Computer anzuschauen. Dass meine Enkel Alexander und Michael mir zu allem auf die Sprünge halfen und helfen, möchte ich dankbar feststellen. Dass ich meinen Enkeln Marc und Steffen helfen kann, in dem sie meinen Computer mitnutzen zum online-banking und Herunterladen der Vorlesungen an der Uni, ist mir eine Freude. Zur Zeit scheint mein Computer der leistungsfähigste zu sein, obwohl mehrere im Hause noch verfügbar sind.

 

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