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GPG „Jahnatal“ und „Sonnenschein“
Dem ständigen Druck zur Bildung größerer Produktionseinheiten folgend, konnte 1972 nach zähen Verhandlungen, nicht von allen Mitgliedern der Genossenschaft befürwortet, das Zusammengehen mit der gärtnerischen Genossenschaft „Jahnatal“ in Hof erreicht werden. Diese Entwicklung vollzog sich, als parallel dazu landwirtschftliche Genossenschaften zu Kooperativen Pflanzenproduktionen genötigt wurden.

LPG – Leitung intrigiert gegen GPG

Verfolgt wurden die Gärtner ständig mit Anmaßungen der staatlichen Leitung und von Leitern der Pflanzenproduktion, in eine LPG einverleibt zu werden. Es hatte sich zwischenzeitlich eine merkliche Differenz zwischen der ökonomischen Entwicklung der Gärtner und den landwirtschaftlichen Genossenschaften herausgebildet.
Durch die erzwungene Erhöhung der Gemüseproduktion, verbunden mit Übergabe von Produktionsflächen aus der Landwirtschaft für die Gemüseproduktion, entstand zwischen den Leitungen der Gärtner und Bauern eine konträre Situation.
Gefördert wurde dieser Zwiespalt vor allem dadurch, dass in der Leitung der Bauern aktive Genossen und in der Leitung der Gärtner Parteilose oder Angehörige so genannter Blockparteien wirkten, die von den Genossen der Partei der Arbeiterklasse mit Argwohn betrachtet wurden.
Selbst vor Denunziationen bei staatlichen und Parteistellen bis nach Berlin wurden nicht Halt gemacht. Zunehmend wurde ein Stasi-Spitzelsystem installiert.
Erstaunlicherweise ohne Erfolg.
Dem Entwicklungsstand der GPG, dem Fleiß der Gärtnerinnen und Gärtner und der Konsequenz der Leitung der GPG ist dieser Sachverhalt geschuldet.

Bildung von Kooperationen – juristischer Rückhalt fehlt

Die so genannte gesellschaftliche Weiterentwicklung ergab, dass im Einzugsgebiet der späteren LPG „Sonnenschein“ Staucha, eine Kooperative Gemüseproduktion und eine Kooperative Pflanzenproduktion 1972 zu bilden war. Aus zwei LPG kamen die Gemüsearbeitsgruppen zu den Gärtnern. Somit hatte sich 1972 eine Belegschaft von über 400 Personen mit einer Produktionsfläche von etwa 400 ha herausgebildet, die in einem relativ geschlossenen Anbaugebiet Gemüse produzieren konnte.
Sollte der Gemüseanbau weiter effektiv sein, musste in dem Anbaugebiet um Hof eine Annahme – Sortier- und Lagerstation geschaffen werden.
Sie entstand in dem heute als EDEKA zu erkennenden Gebäude – und Hallenkomplex.

Vorsitzender in Personalunion, Leiter der Kooperativen Gemüseproduktion und Vorsitzender der GPG

Dem Tatendrang, des auch für die Kooperative Gemüseproduktion sowie die neu entstandene GPG „Sonnenschein“ als Leiter und Vorsitzender seit 1960 gewählten Vorsitzenden der GPG, war es zu danken, dass sofort mit den Vorbereitungen für den Neubau einer Vermarktungsstation in der Nähe von Hof begonnen werden konnte.
Bemerkt werden muss, dass es Prinzip von „Sonnenschein“ war, nicht erst auf staatliche Hilfe zu warten, Genehmigungsverfahren abzukürzen. Erzwungene Produktionserweiterungen wurden demzufolge sofort mit der Schaffung der dazu erforderlichen Voraussetzungen beantwortet. Was Großmäuler als Proportionalität der Entwicklung propagierten, war für „Sonnenschein“ selbstverständliche Voraussetzung, um a uferlegte immer größere Aufgaben zu erfüllen.
Man hatte den Eindruck, staatliche Stellen meinten, „Sonnenschein“ wird sich schon helfen.
Wirkliche Hilfe erfuhr die Genossenschaft erst wenige Jahre vor der Wende. Erst da konnte Hilfe, besonders für Bewässerungsmaßnahmen, in Anspruch genommen werden

Bauambitionen des Vorsitzenden

Oftmals waren die Genehmigungen und Bauzeichnungen noch nicht vorhanden, begannen die Bauarbeiten für die von der GPG selbst entwickelten Bauten. Ein in Feierabendtätigkeit gewonnener Architekt schuf die bautechnischen Unterlagen.
Im Abschnitt“Krankenhaus“schildere ich eine Begegnung mit der Gattin des Herrn Preuss.
Nach ihren Aussagen erinnert er sich gern der gemeinsamen Erlebnisse.
Sie führten nicht selten zu Konfrontationen mit der Bauaufsicht.
Nicht die Bauprojektierung wurde gerügt, sondern mangelnde Bauausführung.
Das Bautempo und die Methoden, oftmals die physikalischen Gesetze außer Kraft setzen zu wollen, führten zu schneller Fertigstellung der Produktionsbauten.
Qualitätsmängel in der Bauausführung waren eine böse Hinterlassenschaft dieses Tempos und kosteten erhebliches Geld durch Nachbesserungen, um den hohen Anforderungen an Bauqualität zu genügen.
Die Versäumnisse aus dieser Zeit, waren ein belastendes Erbe nach der Wende.
Die besonders Klugen unter den Mitgliedern wussten jedoch hinterher immer, wie man es hätte besser machen können! Mithilfe, um Fehler zu vermeiden, war gefragt !

Tempobauweise in Hof

Bereits zur Gemüsesaison 1973 konnte der erste Salat und die Folgekulturen in der neuen ersten Halle in der Nähe von Hof aufbereitet und zum Verkauf angeboten werden. Am Dach arbeitete man noch.
Zügig ging die Fertigstellung weiter. In der ersten Hallen – Dreierkombination waren eine Annahme – und Sortierstation, eine Halle zur Lagerung von Leergut und Beladung von Fahrzeugen und eine dritte mit 8 Kühlzellen versehene Einrichtung erstellt worden.
In der Folge entstanden eine weitere Hallen-Dreierkombination mit den gleichen Ausmaßen und Verwendungszwecken.

Damit qualitätsmäßig hochwertiges Gemüse produziert werden konnte, mussten die Bewässerungsmöglichkeiten wesentlich erweitert werden

Brunnenkaskade an der B 169

Über 400 ha Gemüseanbauflächen lechzten nach Wasser, sollte witterungsunabhängig Qualitätsgemüse erzeugt werden. Auf dem Gelände um die weiter oben beschriebene „Feste Gana“, mitten im Jahnatal, erhielt eine Firma den Auftrag, 12 Tiefbrunnen mit Brunnenstuben versehen, abzuteufen. Damit standen pro Stunde etwa 500 cbm Beregnungswasser in Trinkwasserqualität zur Verfügung.
Die Anlage wurde so konzipiert, dass entsprechend des Bedarfs die einzelnen Brunnen zugeschaltet werden konnten. Ein Speicherbecken erübrigte sich dadurch.
Der im Urstromtal der Mulde, jetzt fließt nur noch die Jahna, verfügbare Grundwasservorrat in etwa 20 bis 30 m Tiefe gewährte diese Entnahme, ohne die Wasserfassungsanlagen für die Trinkwasserversorgung der umliegenden Orte zu gefährden.
In der Anfangsphase der Bewässerung im Raum Hof, wurde Wasser aus der fließenden Welle der Jahna durch Anstauen genutzt.
Hoher Verschmutzungsgrad war der „Anlass“, die Entnahme zu verbieten Die staatlichen Stellen schlugen zu

Durch eine Fehlleitung, Beregnungswasser war in das Speisewassersystem gemischt worden, kam es zu einem Prozess gegen den Vorsitzenden. „Sonnenschein“ hatte gegen den Reinheitsgehalt des Trinkwassers verstoßen.
Endlich hatte man einen Anlass, den Widerspenstigen zu zähmen. Auf Bewährung erfolgte die Verurteilung.
Ständig versuchten partei- und staatliche Stellen der Leitung der GPG, personifiziert durch den Vorsitzenden, etwas am Zeuge zu flicken.
Nicht nur Riesaer,auch Oschatzer „Staatsdiener“ müssen unrühmlich erwähnt werden.
Vor allem war es diesen Stellen unbegreiflich, wie es „Sonnenschein“ fertig bekam, Baumaterial ohne staatliche Zuweisung zu erwerben und damit diese riesigen Bauten zu errichten.

Misstrauen gegen GPG führt zu monatelangen Überprüfungen

Unlautere Beschaffungsmethoden wurden vermutet. Dieses Misstrauen führte dazu, dass wochenlange Überprüfungen des Buchwerkes stattfanden. Revisionäre aus den Bezirken Dresden und Leipzig versuchten sich darin, „Sonnenschein“ Verfehlungen nachzuweisen. Jedoch jeweils ohne Ergebnis.
Die Jahresabschlussberichte der Genossenschaft wurden wochenlang konfisziert und aufs genaueste untersucht.
„Wie machen die das?“, war deren misstrauliche Vermutung. Am Rande der Legalität zwar, jedoch nicht illegal, gelang es, die geringen Möglichkeiten in der DDR nutzend, zum Wohle der Mitglieder und nicht zuletzt auch für die lahmende Wirtschaft des Vorwenderegimes zu agieren.
Methode der Beschaffung war es, durch ständige Präsenz in den Bau- und Lieferbetrieben Materialüberproduktion und Lieferprobleme zu erkunden und sie zu nutzen. Besonders während der letzten Tage des Jahres, andere Empfangsbetriebe übernahmen keine Baumaterialen mehr, konnten oftmals waggonweise der Bedarf gedeckt werden.
Schließlich konnten auch die inzwischen in zahlreichen Ferienorten entstandenen Ferieneinrichtungen als Äquivalent in die Waagschale geworfen werden.
Sexappeal, die Blumensträuße sowie Treibgurken und Blumenkohl im Kofferraum des Beschaffungsverantwortlichen, mit der ökonomischen Macht der Genossenschaft im Rücken, sorgten für rechtzeitigen Materialfluss mit Methoden am Rande der Legalität. Gesenkten Hauptes zogen die Prüfer immer wieder davon, nachdem sie die Lieferverträge und die damit verbundenen finanziellen Gegebenheiten geprüft hatten. Anlässlich einer derartigen Revision wurde kritisiert, wie es der Genossenschaft möglich sei, die als außerordentlich rar zu bezeichnenden Geschirrwaschmaschinen für Großküchen zu erhalten. Lieferrechnungen waren da, jedoch fehlte angeblich der dazu erforderliche Vertrag. Zu gleicher Zeit erschien der Verantwortliche Materialbeschaffer der Genossenschaft, Herr E. Funcke, mit dem erforderlichen und weiteren zwei Verträgen für solche Geräte. Die zunächst triumphal sich gebärdenden Prüfer, sie glaubten endlich einen fragwürdigen Geschäftsvorgang gefunden zu haben, klappten ihre Mappen zu und verschwanden „leise weinend“, wie man so schön sagt, in Richtung ihrer Heimat. Dieser Vorgang blieb uns, Eberhard Funcke und mir, in Erinnerung, weil es am Ende immer wieder möglich war, die Verdächtigungen, die Leitung der GPG würde ungesetzlich handeln, zu entkräften.
Nicht immer bestand das Baumaterial aus hohen Qualitätsstufen.

GPG beeindruckt durch Produktionssteigerung

Bewässerungsanlagen, finanziert mit Eigenmitteln

Durch die ständige Forderung nach mehr Gemüse, die vom staatlichen Leitungsorgan zu finanziellen Auflagen führten, der zu erzielende Gewinn wurde vorgeschrieben, musste nach Wegen und Methoden gesucht werden, diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Produktionsseitig erforderte dieser Druck, ein riesiges Bewässerungsverbundnetz zu schaffen. Bis Mitte der achtziger Jahre erhielt „Sonnenschein“ dazu keine staatlichen Mittel.
Mit sehr hohem Aufwand wurde im Kreis Riesa versucht, die Sandstandorte, rechtselbisch, mit Wasser zu versorgen. Gewaltige Beregnungsanlagen standen dazu zur Verfügung.
Auch wenn sie nicht optimal genutzt wurden, verursachten sie den Betreibern Kosten. Diese Genossenschaften konnten den Invest – Kostendruck nur mit Krediten begegnen, die sie in außerordentlich prekäre Rentabilitätsprobleme gelangen ließen.
„Sonnenschein“ erhielt zunächst keine staatliche Unterstützung für Beregnungsmaßnahmen. Mit Eigenmitteln wurde finanziert.
Tagsüber konnte den Kulturen der Gemüseproduktionsabteilung II im Raum Hof in der Jahnaaue zusätzlich Wasser zugeführt werden.
Um den Kulturen der Gemüseproduktionsabteil I in Gleina ausreichend Wasser anzubieten, förderten entsprechende Pumpen nachts das Wasser in den Wasserspeicher Schieritztal an der „Alten Poststraße“.
Dabei blieb nicht aus, das mangels entsprechender Kontrollmechanismen
der Wasserspeicher im Schieritztal überlief. Wasser aus den Jahnatal ins Schieritztal gepumpt „füllte“ somit die Elbe! ?
Riesige Kosten verursachte der Bewässerungsaufwand.
Trotzdem gelang es, dass sich der Kostensatz der Genossenschaft zwischen 65 und 70 bewegte. Aus 100 Mark Erlösen, konnten rund 30 Mark Gewinn erwirtschaftet werden.

Böswillige werfen „Sonnenschein“ heute noch vor, sie hätte keine Steuern gezahlt.
Dagegen war „Sonnenschein“ größte Steuerzahlerin aus der Landwirtschaft im Kreis Riesa. Sie zahlte für die Genossenschaftsmitglieder, die für Arbeitnehmer gültige Lohnsteuer in Form der von ihr geforderten Abgabe. Dem Genossenschaftsmitglied wurde nur der Sozialversicherungsbeitrag von der Vergütung einbehalten und abgeführt.

Stehvermögen des Vorsitzenden und der Leitung

Dem hohen Leistungsvermögen der Genossenschaft und der Konsequenz des Leitungsteams, nicht zu allem „ja“ zu sagen, war es zu danken, dass die zahlreichen Versuche, die Leitung von „Sonnenschein“ zu ändern, den Vorsitzenden abzulösen, mehr SED- Einfluss zu installieren, fehlschlugen.
Besonders in der Phase der Überleitung von der GPG zur LPG entstanden kritische Situationen. In Einzelkonsultationen wurde versucht, zwischen die
Leitung der GPG Keile zu treiben. Obwohl das persönliche Verhältnis sich auf Grund unterschiedlicher Verhaltensweisen, vor allem in moralischer Hinsicht,
abkühlte, gab es in Fragen, die Genossenschaft betreffend, festes Zueinanderstehen.
Nach der Wende hätte man sich gewünscht, dass es dabei geblieben wäre.

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