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Ein P70, der Vorgänger des „Trabant“, löste in den Fünfzigerjahren das Dreirad ab. Reparaturen häuften sich am Dreirad derart, dass wir uns entschlossen, den P70 zu erwerben. Der so genannte „P 70″war der Vorläufer des in Zwickau in Sachsen gefertigten Trabant. Beim P 70 bestanden die Versteifungen der Aufbauten aus Holz und die Aussenhaut war aus einem Plastwerkstoff gefertigt. Nachteilig an dem Fahrrzeug war, dass Holzbauteile durch ständigen Einfluss von Spritzwasser faulten. Begrenzte Haltbarkeit war die Folge.
Rechtzeitige Planung und Bestellung führten schließlich dazu, dass wir einen P 70 zugeteilt bekamen. Dringlichkeit, das Gefährt für Eieraufkauftätigkeit einsetzen zu müssen, beflügelte die „Zuweisung“. Allgemeiner Mangel und äussert angespannte Versorgungslage zwangen die staatlichen Stellen zu diesem Zeitpunkt zu solcher Wirtschaftsbeeinflussung. Prinzip der „Planwirtschaft“ war es ohnedies, regulierend Einfluss zu nehmen. Nicht selten gehörten auch Beziehungen dazu, zu wichtigen Artikeln des Bedarfs zu gelangen. Für den normalen Bürger bestanden jahrelange Wartzeiten für einen PKW. Für den „Trabant“ sollen die Wartezeiten bis zu 12 Jahre bestanden haben. Scherzhaft meinte man, dass ein DDR-Bürger kurz nach der Geburt gut beraten war, ein Auto zu bestellen, damit es, wenn er es fahren durte, auch in etwa verfügbar war.
Das „Autohaus” befand sich in der Speicherstraße in Riesa. Mit dem neuen, zugeteilten P 70 kam ich nur wenige Meter. Auf der Speicherstraße versagte der Motor bereits den Dienst.
Ein Metallspan hatte sich im Vergaser vor die Einspritzdüse quergestellt.
Nach zeitraubenden Versuchen,gelang es schließlich das Gefährt in Gang zu bringen.
Neben dem „Autohaus“ befand sich der Hauptsitz des Betriebes für den ich arbeitete, der VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkauf – Betrieb.) Zufällig, als ich mich um die Ingangsetzung des P 70 bemühte, kam mein Chef vorbei. Er war sehr erstaunt, dass ein Angehöriger seines Betriebes ein neues Auto sich leisten konnte, ja, überhaupt zugeteilt bekam.
Vermuten konnte man, dass er Zusammenhänge herstellte, zwischen den bescheidenen Einkommensverhältnissen seiner Belegschaft und dem Preis, den man für solch ein Gefährt entrichten musste. Es war mühsam, die Zusammenhänge zu erklären.
Meine Frau hatte inzwischen die Fahrerlaubnis erworben.
Aus unserer Garage herauszufahren, bedurfte es eines bestimmten Geschicks. Die Garage war der ehemalige Wagenschuppen, der spätere Abstellraum für das Dreirad, das seinen Zweck nun erfüllt hatte und die modifizierte Garage für den neuen „ Wagen „.
Noch zu wenig Fahrpraxis, gelang es meiner Frau einmal ungenau aus der Garage zu fahren. Der P 70 landete dabei am Zaun. Das neue Auto hatte einen Schandfleck. Die Duroplasthaut konnte dem Anpralldruck nicht durch eine Einbeulung ausgleichen, sie platzte. Ein unschöner Schandfleck verunstaltete das neue Auto.
Ich soll mich dazu in einer etwas zu lauten, unfeinen Art geäußert haben. Einen Karosserieteil für die beschundene Aussenhaut zu erhalten, war ein langwieriges Unterfangen.Unendliche Geduld, Organisationstalent und letztlich Beziehungen gehörten zur Behebung eines solchen Missgeschicks.
Inzwischen ist fast ein halbes Jahrhundert vergangen.
Mein Herzchen hat’s mir verziehen.
Den mangelhaften Straßenverhältnissen, denen meine Frau bei der Eieraufkauftätigkeit ausgesetzt war, hielt der in holzrahmenbauweise gefertigte P 70 Kombi als Vorgänger des „Trabant“ nur begrenzt stand. Durch das Spritzwasser verursacht, litt das Holz der Streben des Aufbaus. Die Karosserie nahm Schaden. Verursacht wurde die missliche Lage durch die Wegeverhältnisse. Von Straßen nach heutigem Verständnis konnte man nur bedingt sprechen.
Eine andere Lösung musste gefunden werden.
Die Ansprüche, auch an die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge,stiegen.
„Wartburg“, nach längerem Warten, hieß nun der Wagentyp, der meine Frau bei ihrer Aufkauftätigkeit unterstütze.
Die körperliche Beanspruchung bei der Eieraufkauftätigkeit in dieser Zeit, in der die Eier noch in den einzelnen Orten bei den Erzeugern eingekauft werden mussten, blieb nicht ohne Folgen. Durch die Hebearbeit der bis zu 30 kg schweren Eierkisten, machen sich nun Altersbeschwerden bemerkbar, die schmerzhaft sind. Das Skelett meines Herzchens ist einmal durch das Eierkistenheben und den täglich schweren Milchkannentransport in Omas Laden strapaziert worden.
Auch mit dem Wartburg ging nicht alles glatt. Glatt war es im wahrsten Sinne des Wortes, als meine Frau auf einer Dienstfahrt nach Riesa plötzlich zwischen Panitz und Stösitz von Blitzeis überrascht wurde. Sie konnte das Fahrzeug nicht mehr beherrschen und kollidierte mit einem Baum. Nicht nur das Fahrzeug nahm Schaden, besonders die mitgeführten Eier überstanden den Anprall nicht.
Mein Herzchen kam mit dem Schrecken davon. Das Innenleben des Autos bestand aus einer einzigen Eierpampe. Die Säuberung bereitete Schwierigkeiten. Um den Fäulnisgeruch zu beseitigen, hatten wir einige Mühe. Eier haben in so einer Situation ihre Eigenheiten. Sie sind, wie man weiß, mit die zerbrechlichsten Lebensmittel. Welche mehrfachen Eigenschaften faule Eier beispielsweise als Wurfgeschosse haben, ist bekannt.
Auf dem Rückwege von der Riesaer –„Eierversammlung“ sollte der Konsum in Gleina mit Eiern beliefert werden.
Unsere langjährig bewährte Reparaturwerkstatt in Hof half uns, das Fahrzeug zu bergen. Es wurde instandgesetzt. Noch unlackiert musste es schon wieder zum Eiereinkaufen eingesetzt werden. Als Handelssware lässt dieses Lebensmittel keinen sonderlichen Verzug zu.
Vor allem in den Wintermonaten ergaben sich Schwierigkeiten. Die Straßenverhältnisse der Fünfziger- und Sechzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts waren nicht ohne Gefahren. Es fiel viel mehr Schnee, als es in den letzten Jahren der so genannten Klimaveränderung der Fall ist. Wurde man während der Einkaufstätigkeit von einem Schneesturm überrascht, konnte es passieren, dass die quer zur Windrichtung verlaufenden Ortsstrassen unpasierbar wurden. Winterdienst ließ noch sehr zu wünschen übrig.
Der Rückweg von Ibanitz nach Staucha beim Eiereinkaufen führte einmal über ein Getreidesaatfeld. Die total verwehte Straße war unpassierbar geworden. Trotzdem packte es die Eieraufkäuferin, wenn auch mit bangem Herzen.

Die unvergesslichen Ferienfahrten mit unseren Söhnen und allen unseren Enkeln sind bleibende Erinnerungen und unter „Knappensee“ sind einige Erlebnisse festgehalten.

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