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Radfahrt nach Riesa
Nicht nur mit dem Auto, ab und zu, eigentlich jedoch viel zu wenig, radle ich nach Riesa zu unseren Rätselvormittagen.
Meiner Cousine in Chemnitz berichtete ich gelegentlich darüber.
Aus Briefen füge ich einiges bei:

„Liebe Chr.
ich erinnere mich, als ich noch den „Eulenspiegel“ las, an einen Wortspiel-Gag, er lautete: „Trotz Telegramm nicht Telegram“.

Leider fehlt mir die Fähigkeit, Wortspiele zu erfinden. Meinen heutigen Schriebs möchte ich trotzdem übertitteln:
Trotz Telefon – Korrespondenz.

Was besseres fiel mir für den Anfang nicht ein.
Weshalb ich schreibe, ist nicht schwer zu erraten:

Herzliche Glückwünsche zu Deinem Ehrentage.
Möge Dir Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein!

Als ich Traudel soeben den „Einstieg“ in den Brief, siehe oben, vorlas, brach sie in schallendes Gelächter aus und konnte sich nicht erwehren, fest zu stellen: „Christa wird denken, der Kerl ist aber blöde!“
So`was muss ich mir von meiner ansonsten heißgeliebten Traudi unterstellen lassen.
Zum Faschingsdienstag sind aber solche „Unverschämtheiten“ erlaubt.
Ich bin schon froh, dass sie mir den Schlips, den ich gar nicht umhatte, nicht abschnitt.
Mir fällt es heute, obwohl Fasching ist, recht schwer, oder vielleicht gerade deshalb, einen richtigen „Schreibfluss“ zu finden.
Zeiten müssen es noch gewesen sein, als die Tante Christa in Chemnitz bei der Ankunft eines Briefes aus Staucha feststellen musste, dass er, der Brief, wie vom Computer verzeichnet 38 Seiten umfasste.
Vor mir auf dem Schreibtisch liegt Eugen Roths „Ein Mensch“.
Mit kühnem Griff schlage ich willkürlich auf und meinen Augen bietet sich folgendes:
„Ein Mensch, zur Arbeit wild entschlossen,
Ist durch den Umstand sehr verdrossen,
Dass ihm die Sonne seine Pflicht
Und Lust zum Fleißigsein zersticht.
Er sitzt und schwitzt und stöhnt und jammert,
Weil sich die Hitze an ihn klammert.
Von seinem Wunsch herbeigemolken
Erscheinen alsbald dunkle Wolken,
Der Regen rauscht, die Traufen rinnen
Jetzt, denkt der Mensch, kann ich beginnen!
Doch bleibt er tatenlos und sitzt,
Horcht, wie es donnert, schaut wie’s blitzt,
Und wartet, dumpf und hirnvernagelt,
Ob’s nicht am Ende gar noch hagelt.
Doch rasch zerfällt das Wettertoben –
Der Mensch sitzt wieder: Siehe oben!

Woher wusste der Roth, wie mir’s zu Mute ist?

Noch eins aus Roth’s Feder sei mir erlaubt:
Es umschreibt im weitesten Sinne, wies um mich bestellt ist:

„Ein Mensch sitzt kummervoll und stier
Vor einem weißen Blatt Papier.
(Anmerkung der Redaktion: Das Papier ist heute der Computer)
Jedoch vergeblich ist das Sitzen
Auch wiederholtes Bleistiftspitzen
Schärft statt des Geistes nur den Stift
Auch der Zigarre bittres Gift,
(Anmerkung: Der Schreiber raucht nicht mehr)
Kaffee selbst, kannenvoll geschlürft,
(kannenvoll ist übertrieben) den Geist nicht aus den Tiefen schürft,
Darinnen er, gemein verbockt,
Höchst unzugänglich einsam hockt.
Dem Menschen kann es nicht gelingen,
Ihn auf das leere Blatt zu bringen.
Der Mensch erkennt, dass es nichts nützt,
Wenn er den Geist an sich besitzt,
Weil Geist uns dann erst Freude macht,
sobald er zu Papier gebracht “

So, nun aber Schluss mit den Zitaten!

Ein Letztes noch:
„Ein Mensch erblickt das Licht der Welt –
Doch oft hat sich herausgestellt,
Nach manchem trüb verbrachten Jahr,
Dass dies der einzige Lichtblick war“

Manchmal meint man, Roth hatte Recht.

Am Dienstag sah man mich wieder bei einem bicycle-ride gen Riesa.
In 40 Minuten erreiche ich mein Ziel. Drei Kilometer bis nach Dobernitz geht’s bergab ohne Pedalen zu bewegen. Vorher muss man allerdings erst den „Böttcherberg“ erklommen haben. Der Anstieg heißt tatsächlich so, da früher einmal ein Fassmacher für die Namensgebung herhalten musste.
Von Dobernitz bis Stösitz geht’s immer noch abwärts. Selbst bis Seerhausen radelt man auf einem eigens angelegten Radweg, neben der F 169 ohne Anstrengung.
Im Tal der Jahna, durch herrliche Talauen schlängelt sich der Radweg abseits jeglichen Verkehrs bis kurz vor Riesa.
Lediglich für meine Größe ist der Baumwuchs nicht angemessen, so dass mir ab und zu einmal ein Zweig der riesigen Auenwaldbäume ziemlich nahe kommt.
Durch die Waldkulisse, in der sich der Radweg entlang schlängelt hört man das Rauschen des Verkehrs auf der F169. Der Radweg stellt Ansprüche an das fahrerrische Können, da viele Windungen des Radweges kaum Zeit lassen, die Kuhherden zu bewundern, die zahlreich auf saftigen Wiesen weiden. Zu bewundern deshalb, weil der bisher gewohnte Anblick des schwarzbunten Rindviehs nach der Wende abgelöst wurde durch die Einkreuzung von bräunlichen Rassen.
Hoffentlich nicht mit der schrecklichen Krankheit, die man aus der Rindfleischaffäre kennt. Inzwischen wird es einem nicht besser, wenn man an Rindviecher denkt.
Der Rinderwahn wird durch die auf den Menschen übertragbare „ Kreutzfeld – Jacob – Krankheit ” zu einem internationalen Problem und auf die Dauer wahrscheinlich zu einem Gesundheitsrisiko für die Menschheit.

Mein Schwager erwartet mich meist schon

Da ich kurz vor Acht aufkreuze, zwinge ich Baltruschats zum Frühaufstehen.
Johanna ist oft schon zu einem Arztbesuch unterwegs.
Wir beiden Rätsler bilden eine Kampfgemeinschaft. Es geht dabei nicht darum, wer was besser weis. Einfach der Spaß an der Freude wieder ein Rätsel geknackt zu haben, hat Vorrang.
Wichtig ist dabei, dass man sich geistig fordert. Unmerklich wird dabei der Wortschatz nicht unerheblich erweitert. Man staunt oft darüber, wie vieldeutig die deutsche Sprache ist. Zugleich werden dabei auch kleine Sprachkenntnisse in englisch und französisch gefordert.
Gegen 10 Uhr, bereitet uns Johanna einen kleinen Imbiss. Dass dabei die neuesten Gegebenheiten lokaler – und weltweiter – Art besprochen werden, ist selbstverständlich. Unglaublich, wie bei unserem geistigen Tun die Zeit vergeht.
Gegen halb zwölf ist Zeit zum Aufbruch, damit ich bei meiner Traudel rechtzeitig zum Mittagessen erscheinen kann. Mit dem Auto bin ich meist mit dem Mittagsläuten wieder zu Hause.
Fahre ich mit dem Rad, erlaubt sie mir eine halbe Stunde mehr Fahrzeit.

Die Radtour von Riesa nach Staucha nimmt 60 Min in Anspruch

Am Dienstag verfolgte ich den Radweg im Jahnatal bis nach Stauchitz. Der Anstieg ist unmerklich. Dagegen verlangt die Fahrt über Dobernitz doch ganz schöne Puste durch die Anstiege.
Man durchquert dabei den gepflegten Seerhausener Park. Von (S)talins (E)rgebenen (D)ienern wurde das Schloss gesprengt. Wäre es noch vorhanden, würde es sicherlich das Ganze noch architektonisch abrunden.
Bestände die DDR noch und wir würden noch genossenschaftlich wirtschaften, hätte unser Vorsitzender in den Park ein so genanntes „Gästehaus“ errichten lassen. Die technischen Zeichnungen dazu liegen in meinem Schreibtisch.
Für seine amourösen Ambitionen wäre das sicherlich dann die Krönung gewesen. Gott sei Dank, dass es nicht soweit kam.

Wie schon so oft, komme ich bei meinen Plaudereien vom Hundertsten ins tausendste,
Aber irgend einen „Vogel“ muss man schließlich haben,

PS :
Telefonisch hatte ich schon angekündigt, dass ich Dir meine Krankenhauserlebnisse beilege,
Gelegentlich schrieb ich sie auf.

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