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Unversehens sind bei der täglichen Arbeit am Computer zur Vervollständigung der Rätseldatenbank, mit zur Zeit 125000 Begriffen, zwei Stunden vergangen.
Gegen 9 Uhr geht’s mit dem Rad in den Garten, unseren so genannten „Berg“. Er liegt auf einem Grundstück in Richtung Treben auf dem Wege zu einem „Blumenstrauß für mein Herzchen“.
An der Ostseite unseres Grundstückes, vorbei am Anbauschuppen vom alten Haus, unter dem der ehemalige Keller erhalten wurde, befindet sich ein Nebengebäude.
Der Weg zum „Blumenstrauß“ führt daran vorbei.
Es beinhaltete den ehemaligen Pferdestall.
Meine Schwiegermutter und meine Frau nutzten zum Eiereinkaufen ein kleines Pferd mit einem dafür geeigneten Wagen.
„Hanne“, so hieß das Ross, bekam eine Art Gnadenbrot. Ihr Alter war unbekannt. Nach den Kriegswirren verloren meine Schwiegereltern 1945 ihr damaliges Pferd an die Besatzungstruppen.
Herr Werner Hempel gelang es, ein kleines Pferd nach den Kriegswirren einzufangen und übergab es Herrn Bennewitz in Dösitz. Donats Pferd war requiriert worden. Herr Bennewitz übergab es meiner Schwiegermutter. Es verrichtete als „Hanne“ Dienst, bis es durch ein Dreirad abgelöst wurde.
Erlebnisse damit beschrieb ich unter „40.Dreiradstorys“.

Vom Hörensagen will ich hier versuchen, Ereignisse festzuhalten, deren Authentizität, also deren Echtheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit nur zum Teil belegt werden können.
Sollten Ergänzungen, Zusätze, Anmerkungen notwendig sein, so sollten wir im Sinne der Wahrheitsfindung daran gemeinsam arbeiten.
Ich bin zum Dialog bereit!
Von ihren Erlebnissen zu dieser Zeit erzählten mir Frau Gerda Arnold, Herr Eberhard Funcke, Herr Rudolf Groß, Herr Erhard Haser, Herr Horst Liebegall, Herr Hans Seidel,Frau Gertraud Böttcher. Sie war zu diesem Zeitpunkt siebzehnjährig. Besten Dank dafür.
Bürgern, die aus der beschriebenen Zeit interessante Geschichten zu erzählen haben, höre ich gerne zu oder lese deren Erlebnisse. Die „Erste Stauchitzer Zeitung“ und die Heimatstube sind eine Fundgrube für Stauchaer Geschehen. Den damit Befassten sei Dank gesagt.
Wenn auch in fernerer Zeit wenige Bürger sich dieser Ereignisse erinnern werden, so gehören sie nach meinem Dafürhalten zur Geschichte unseres Ortes.
Man sollte versuchen, sie festzuhalten, zu ergänzen und Interessierten zugänglich zu machen.
Herr Gerhard Böhme schilderte in einem Beitrag aus der Heimatstube, nachzulesen auf Seite 13 und 14 „Erste Stauchitzer Zeitung“ 04/2005, beinahe minitious wie er die Ereignisse der Kämpfe in Staucha und die Flucht seiner Familie und Nachbarn als elfjähriger Junge miterlebte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges rückten die Alliierten Truppen und die Russen immer mehr aufeinander zu und trafen sich zwischen Torgau und Riesa an der Elbe.
Der tatsächliche Ort des ersten Treffs von Amerikanern und Russen ist in Kreinitz an der Elbe. In einem Gedenkstein wurde der historische Moment festgehalten.
Deutsche leisteten nur noch geringen Widerstand.
Angloamerikanische Flieger flogen auf alles,was sich auf Strassen und Bahnlinien bewegte und auf Bahnhöfen abgestellt war, Angriffe. Mit Bordwaffen griffen sie in Stauchitz abgestellte Lokomotiven und fahrende Personenzüge an.
Zwischen Hof und Stauchitz bot die Bahnlinie genügend freies Schussfeld.
Über Staucha wurde eine Kurve geflogen, um erneut mit Bordwaffen die Ziele auf der Bahnlinie zu attackieren. Kinder fanden das Schauspiel interessant und sammelten die ausgeworfenen Geschosshülsen der Bordwaffeen auf.

Aus Konzentrationslagern wurden von vermummten Begleitmannschaften Häftlinge durch den Ort getrieben. Bewohner spendeten Lebensmittel und Bekleidungsstücke für die hungernden und verlumpten Gestalten. Im Teich und im Staucha-Bach wuschen und labten sie sich. Auf von Häftlingen gezogenen und geschobenen Wagen schleppten sie Tote mit, die erschöpft umgebracht wurden. Einigen Häftlingen gelang es, zu fliehen.
Herr Gerhard Böhme erlebte, wie es in seinem Erlebnisbericht zu lesen ist, wie ein Erschöpfter von einem Begleiter am Treppenaufgang zum Friedhof erschossen wurde. Stauchaer Bürger beerdigten ihn.

In Erwartung der russischen Truppen mussten Bürger unseres Ortes, von der Ortsgruppenleitung aufgefordert, Panzersperren errichten und V-förmige Gräben graben.
Aus denen heraus sollten die Kampffahrzeuge bekämpft werden..
Im Garten unseres Grundstücks in der Schulstraße 10 und an der Engstelle in der Lommatzscher Straße, soll eine solche Stellung angelegt worden sein.
Aus Sorge, dass unser Haus,Schulstraße 10, durch diese Stellung von den Russen ins Visier genommen werden könnte, habe meine Mutter nachts diesen Aushub wieder zugeschüttet.
Offensichtlich ist es mehrmals geschehen.
Sie musste mit solcher Handlungsweise damit rechnen, dass sie wegen Behinderung der Verteidigungsbemühungen belangt wurde.

Bewaffnete Jugendliche wurden als Aufklärer eingesetzt. Sie erlebten mit, wie die Sieger in Prausitz Geiseln erschossen.
Wie deutsche Soldaten mit Bauchschuss verwundet von Sanitätern in Straßengräben behandelt wurden.

Eine Wehrmachtseinheit leistete in Staucha Widerstand. Vom Kirchturm aus soll das Feuer auf die anrückenden Panzer eröffnet worden sein. Nach unbestätigten Aussagen fiel der Kommandant der russischen Einheit. Ein Major soll es gewesen sein. Herr Gerhard Böhme benennt in seinen Ausführungen Zeugen.
Bei der Auseinandersetzung wurde der Ort umzingelt. An einigen Stellen richtete man Stellungen und Lagerstätten ein. Aus den Häusern holten sie sich dazu Federbetten, die sie zur Polsterung der Stellungen verwandten.
Couragierte ältere Bürgerinnen sollen sich ihre entnommenen Gegenstände wieder von den Siegern geholt haben.
Die deutsche Einheit war im Rittergut und auf der jetzigen Lommatzscher Straße stationiert. Bei der Verfolgung der Deutschen, die sich offensichtlich aus dem Rittergut durch den Park in Richtung Marienhöhe zurück zogen, fielen Soldaten der Wehrmacht. Sie wurden später auf dem Friedhof beerdigt. Die Gräber pflegten Stauchaer Bürger. Angehörige der identifizierten Gefallenen erhielten Nachricht vom Schicksal ihrer Söhne und Väter.

Bei den Kampfhandlungen gefallene russische Soldaten , die auf dem Friedhof beerdigt waren,mussten später von Parteigenossen ausgegraben und im 8 km entfernten Dörschnitz oder Lommatzsch in einer zentrale Gedenkstätte beerdigt werden.

Bei den Kampfhandlungen gab es durch Beschuss Gebäudeschäden.
Von den Siegern wurden Häuser der Lommatzscher Straße angezündet und brannten durch Beschuss ab. Zu Schaden kam die gesamte linke Häuserzeile der jetzigen Lommatzscher Straße bis zum Pfarrhaus.
Das Haus meiner Schwiegereltern, in der gleichen Flucht befindlich, blieb verschont
Löschversuche der Bewohner sollen durch die Russen verhindert worden sein.
Durch Artilleriebeschuss verbrannten Gebäude.
In Niederstaucha das Haus von Ginsels/Söhnitz/Jahns und am Böttcherberg das Haus von Gassmus – Müllers.
Die Granaten sollen aus Richtung Leuben – Lossen oder aus Richtung Ostrau eingefallen sein.
Durch die Tallage schlugen wenige Granaten im Ort ein. Auf den umliegenden Anhöhen sollen dagegen mehr Geschosse krepiert sein.
Um sich vor dem Funkenflug der brennenden Häuser zu schützen, löschte mein Schwiegervater mit einer Wasserpatsche auf dem Dachboden. Damit konnte das Haus der Familie Donat vor der Zerstörung bewahrt werden.

Ein russischer Panzer, der von Norden her nach Staucha eindrang, konnte auf dem Böttcherberg die Kurve nicht richtig bewältigen und rammte in das brennende Haus von Gassmus – Müllers. Der Panzer wurde später wieder flott gemacht. Durch das heftige Feuergefecht geriet der Kuhstall im Rittergut erheblich in Mitleidenschaft und zahlreiche Kühe kamen darin um.
Die toten Tiere wurden später in der Sandgrube in der Nähe der Peine vergraben.
An gleicher Stelle konnten entschärfte Panzerfäuste und andere Waffen entsorgt werden. Herr Karl Güldner soll sich dafür besonders eingesetzt haben.
Nach der Einnahme des Ortes nutzten die Sieger, die als Strafmaßnahme von Stalin angeordnete Vergewaltigung der deutschen Frauen weidlich. Junge Frauen und Mädchen, die im Ort verblieben waren, litten unter diesen schrecklichen Ereignissen. Vor allem im Karte – und Kühnehaus hatten anwesende Frauen unter bordellartigen Zuständen zu leiden.
Durch Besatzungssoldaten sollen sich, so makaber es klingen mag, belustigende Szenen abgespielt haben. Fahrradfahren soll versucht worden sein.
Da das Kurvenfahren noch schwierig war, prallten sie gegen eine Begrenzungsmauer des „Hafergartens“ und stürzten kopfüber hinein.

„Hafergarten“ ist das unterhalb der Schule befindliche, von der Schul – und Riesaer Strasse und Fellmanns Grundstück begrenzte jetzt als Kinderspielplatz genutzte Grundstück. Für Aufführungen wurde in der Vorwendezeit eine steinerne Bühne errichtet. Die Schule ist neben der Steilauffahrt vom „Hafergarten“ , von der Schulstraße her, durch eine Freitreppe erreichbar. Zur beschriebenen Zeit begrenzte eine Steinmauer das Areal. Hochstämmige Obstbäume standen darin. Dadurch, dass es zur Schule hin steil anstieg, war und ist es ein beliebter Rodelhang zur Winterzeit.

In Böttchers Haus, jetzt Schulstrasse 10, soll sich zugetragen haben, dass Betrunkene versuchten auf dem Klavier zu spielen. Ein Anderer die Nähmaschine trat. Ein Dritter habe dazu den Takt auf einem Topf geschlagen und mit dem Waschbrett musiziert. Die im Haus meiner Schwiegereltern, in der Riesaer Straße 2, Einquartierten sollen sich erträglich betragen haben. Nachdem sie sich aus dem Keller versorgt hätten, habe meine Schwiegermutter empfohlen, an die Tür in kyrillisch „Zutritt verboten“ zu schreiben. Dieses sei respektiert worden.

Meine spätere Frau hatte sich mit ihrer Kusine Margitta in Richtung Oschatz zu Bekannten begeben. Dort sollten die Amerikaner sein. Man erhoffte sich, dass man Ausschreitungen, die von den östlichen Siegern zu erwarten waren, entkommen könne. Von weitem sahen die beiden Mädchen den brennenden und rauchenden Heimatort. Nach Tagen, nachdem die Hysterie der Rache sich glättete, konnten sie einigermaßen ungeschoren nach Hause zurückkehren. Mit geflohenen Dösitzern machten sie sich auf den Heimweg. Den Mädchen zeigten Bewohner von Dösitz, wie in den Wohnungen gehaust worden war.

Meine spätere Frau musste von ihrer untröstlich, verzweifelten Mutter und der Tante erfahren, dass der Vater von den Siegern als Geisel verschleppt worden war. Sie hofften jedoch auf eine Rückkehr, da seine einzigen „Verbrechen“ als Parteigenosse das „Nichtsoldatsein“ und die Ausgabe von Lebensmittelkarten waren. Er kam durch die erlittenen Torturen um.
Ihr Pferd, welches sie zum Einkaufen in den umliegenden Ortsteilen brauchten, war requiriert worden.

Fast unglaublich mussten die Ostdeutschen erleben, dass die Wehrmacht vor Truppen zurückwich und kapitulierte, die zum Teil mit Panjewagen anrückte. Dazu brauchten sie Pferde, unter anderem das Pferd meiner Schwiegereltern.

Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in Haderslev in Dänemark. An anderer Stelle beschrieb ich die Erlebnisse in diesem Lande und das Kennenlernen einer Deutsch-Dänischen Dame. Sie erhielt später von meiner Familie den Ehrennamen „Tante Frieda“. In ihr lernten wir einen Menschen kennen, der liebevoll, humanistisch, hilfsbereit bis zu ihrem Lebensende mit uns durch Korrespondenz innig verbunden war.

In den letzten Wehrmachtberichten hörte ich, dass zum Beispiel Lommatzsch mehrere Male den Besitzer wechselte. Man konnte sich ausmalen, dass die umliegenden Heimatorte nicht ungeschoren blieben.
Ein Trost für die Donats Frauen war, dass ihr Haus die Wirren der Kriegsereignisse unbeschadet überstanden hatte. Die Heimstatt meiner Schwiegermutter und ihrer Tochter blieb ihnen.
Sie rückten zusammen und konnten so Unterkunft gewähren, denen, die ihr Haus verloren hatten.
Beide Zwillingsbrüder, die zum Zeitpunkt der Ereignisse noch nicht 6 Jahre alt waren, fanden offensichtlich die Kriegsereignisse interessant. Sie sollen auf russischen Panzern sitzend in den Ort eingefahren sein.

Als die Kriegsereignisse nahten, hatten sich die Bürger aus der Brennerei des Rittergutes mit alkoholischen Brennereierzeugnissen versorgt. Man ahnte offensichtlich, dass Alkohol, wenn er massiert in die Hände der Sieger fiele, zu Exzessen führen könne. Aus der Brennerei im Rittergut wurden unter Leitung von Brennmeister Otto Gäbler mit Jauchenfässern die alkoholischen Destillate entsorgt und nach Wilschwitz in den Teich transportiert.
Auf dem Wege dorthin versorgten sich Bürger mit allen möglichen Gefäßen Brennereierzeugnisse. Vor diesen Ereignissen und der Tatsache, dass es Ritterguts-Verantwortlichen möglich war, an Brennereierzeugnisse zu kommen, wurde trinkbarer Alkohol hergestellt.. Zu Trinkproben traf man sich.
Angesehene Bürger des Ortes fanden offensichtlich gefallen an den scharfen Getränken. Danach soll es schon einmal vorgekommen sein, dass der Teufel Alkohol dazu zwang, sich auf allen Vieren auf den Heimweg zu begeben.
Ein kleiner Junge fragte seinen Opa, in dessen Wohnung getrunken worden war:
„Opa, warum issn der Mann auf allen Vieren gelaufen?“ Der Opa kam dabei in erhebliche Erklärungsnot.

In Gärten vergruben die Stauchaer die scharfen Sachen, um sie vor den alkoholliebenden Siegern zu verbergen. Dieses Vorsteckspiel ist den Russen nicht verborgen geblieben. Überall wurde mit Eisenstäben nach den verborgenen Schätzen in den Gärten gesucht. Erleichtert wurde die Suche dadurch, dass die frische Erdbewegung in den Gärten Anhaltspunkte lieferte.
Meiner Mutter gelang es, das Alkoholversteck ungesehen zu halten. Als mein Vater bereits Ende 1945 mit dem Fahrrad aus dem Rheinland und ich nach Jahren zu Hause aufkreuzten, konnte ab und zu aus dem Versteck im Garten eine Flasche des begehrten Nasses entnommen werden. Alkohol war zu diesem Zeitpunkt unbezahlbar und unerfindlich.

Die Russen verlangten in den Orten, in denen gekämpft wurde, die sie eroberten, jeweils Geiseln vom Bürgermeister.
Dabei war die Geiselnahme noch die mildere Art der Sühnemassnahmen.
In entfernteren Nachbarorten wurden standrechtliche Erschießungen vorgenommen. Geiseln mussten Parteigenossen sein.
Wer nicht geflüchtet war und angetroffen wurde, musste ohne Ansehen der Person, ganz gleich welche Funktion er innehatte, der Geiselnahme folgen.

In Staucha waren es der Gärtnermeister Funcke, der Kantor Wendig und der Landwarenhändler Donat. Aus Stauchitz und Jahna erlitten ebenfalls je drei Geiseln das Schicksal der drei Stauchaer. Sie sind zu Fuß durch einen Teil Ostdeutschlands getrieben worden. Meißen, Torgau, Bautzen und schließlich Thost in Schlesien sind Orte ihres Martyriums. Der Kantor, Herr Wendig und Herr Paul Donat überstanden die Qualen nicht. Herr Alfred Funcke konnte zurückkehren. Er hatte sich verpflichten müssen, von den Erlebnissen nichts zu berichten. Ihm oblag es, den Hinterbliebenen mitzuteilen, dass ihr Mann, ihr Vater, nicht wieder zurückkehren wird.
Anlässlich eines Besuches bei Bekannten in Polen, suchten wir den vermeintlichen Ort des Todes des Vaters meiner Frau auf und gaben ihm somit die letzte Ehre.
Nach der beschriebenen Geiselnahme, die unmittelbar nach den Kampfhandlungen erfolgte, fand eine weitere Verhaftungswelle statt. Man hatte offensichtlich darauf gewartet, bis Geflüchtete in ihre Heimatorte zurückkehrten.
In Staucha waren es Ortgruppenleiter Ritter, Lehrer Ebert u.A. , die der Verhaftung folgen mussten. Ihre Schicksale sind nicht bekannt.

Herr Bennewitz aus Dösitz übergab meiner Schwiegermutter ein ihm von Herrn Werner Hempel eingefangenes kleines Pferd. Es erhielt den Namen „Hanne“. Durch diese Solidarität konnten Frau Donat und ihre Tochter ihren Lebenserwerb betreiben und den Landhandel weiterführen.
Die Eier – Aufkauftätigkeit war für das Pferd nicht übermäßig anstrengend. Wenn es auch den Wagen mit der Eierlast bei einer Liefer – oder Einkaufstour 15 bis 20 km weit ziehen musste. Aufgekaufte Eier mussten in dem 7 km entfernten Lommatzsch auf einem Sammelpunkt angeliefert werden.
Die Einkaufstouren waren so eingerichtet, dass auf dem Rückweg einer Lieferung nach Lommatzsch, in den am Wege liegenden Orten eingekauft werden konnte.
Wurde die Hanne allerdings auch ‚mal zu anderen Arbeiten herangezogen, zum Beispiel zur Landzubereitung im Frühjahr, so kam es schon einmal vor, dass sie sich aus Protest, gegen die, wie sie sicherlich meinte, unzumutbare Anstrengung, einfach hinwarf und sich auf dem Acker wälzte. Das Geschirr und das gesamte Tier waren dann ein einziger brauner Lösslehmfleck. Zu Hause musste ich mir die bittersten Vorwürfe gefallen lassen.
Ich hätte das „arme Tier“ Übergebühr strapaziert.

Ein Teil des beschriebenen Nebengebäudes war als Remise für den Pferdewagen genutzt. Nachdem für Versorgungsfahrzeuge Benzinzuteilung zu erlangen war, wurde zunächst ein von meiner späteren Frau gebraucht gekauftes Tempo – Dreirad darin abgestellt.
Damit konnte die Eiereinkaufstätigkeit rationeller durchgeführt werden. Nach Gebrauch stellte man das Gefährt in die Garage, ohne es täglich putzen und füttern zu müssen, wie die „Hanne“. Das „Futter“ für das Gefährt ließ sich im Kanister beschaffen.
Ersatzteil – und Reifenbeschaffung waren dagegen beinahe unüberwindlich.
Wogegen die Futterbeschaffung für ein Pferd schwieriger war. Hafer gab´s auf Zuteilung. Teilweise ließ sich Quetschhafer sogar als Lebensmittel einsetzen, etwas bitterschmeckend zwar.
Zur Heuwerbung mussten Straßenränder von der Gemeinde gepachtet werden. Um sie zu erhalten, entspann sich zwischen den Tierhaltern ein zähes Ringen.
Kein Straßenrand blieb ungenutzt. Schaute man sich dagegen die Wegeränder in der Vorwendezeit an, es jammerte einen. Für Jahrhunderte wurde Unkrautsamen ausgesät.
Nach der Wende werden Wegeränder gemäht. Das Erscheinungsbild der Orte konnte dadurch verbessert werden. Gelingt es, Unkräuter vor der Samenreife zu mähen, kann die unmässige Vermehrung gestoppt werden.
Mit chemischen Mitteln versucht die Landwirtschaft die Unkräuter in Schach zu halten. Umwelt – Grundwasserschäden sind die Folgen.

War man dann Pächter eines kilometerlangen Straßenrandes, begann die Sorge um die Heuwerbung. Zur Haltung eines Pferdes war eine erhebliche Menge Heu erforderlich. Mit der Sense wurde gemäht. Dazu waren geeignete Mäher anzuwerben, sofern man nicht selbst die Sense schwingen konnte. Eine Bedingung dabei, die Mäher mussten mit einem ausgiebigen Frühstück versorgt werden.
Lebensmittel waren auch auf dem Lande unzureichend vorhanden. Wenn auch die Selbstversorgung besser zu organisieren war, als in Städten. Heu trocken in die Scheune zu bringen, bereitete oft nicht geringe Sorgen. Regnerisches Wetter bereitete zusätzliche Aufwändungen zur Trocknung des gemähten Grüngutes. Mehrmaliges Wenden blieb nicht aus.

Dass natürlich auch motorische Vehikels Tücken hatten, sollen Erlebnisse zeigen. „Dreiradstorys“, wurden unter der Registernummer 40 aufgeschrieben.
Dabei wird deutlich, mit welch fast unglaublichen Schwierigkeiten bei der Inganghaltung zur angegebenen Zeit gekämpft werden musste.

Wie ging es unmittelbar nach dem Kriegsende weiter unter der Regie der Besatzungsmacht?
Siegestaumel, Vergewaltigungen, Ausschreitungen durch Zwangsarbeiter, ebbten nach Wochen und Monaten ab. Unmittelbar nach dem Sieg wurden Geiseln genommen aus Rache dafür, dass Widerstand geleistet und Opfer beim Angreifer zu beklagen waren.
Der noch amtierende Bürgermeister hatte die Aufgabe, Geiseln auszuwählen. Geiseln rekrutierte man aus den nicht geflohenen Parteigenossen der NSDAP
(National – Sozialistische – Deutsche – Arbeiterpartei).
Nicht geflohen waren meist solche so genannte Parteimitglieder, die glaubten niemandem etwas zu leide getan zu haben.
Wie weiter oben geschildert, war das ein Irrtum. Repressalien waren sie alle ausgesetzt. Mit schlimmen Folgen, wie sie am Schicksal meines Schwiegervaters nachvollziehbar sind.
Dagegen sollte man den humanistischen Umgang mit Parteigängern des Vorwenderegimes nach der Wende vergleichen. Hardliner erhalten auskömmliche Renten.
Als Partei können Ideen verbreitet werden, die, demokratisch verbrämt, die untaugliche Ideologie weiter verherrlichen. Keiner hat Nachteile, wenn er unverbesserlich dem vorher Gesagten nachhängt.
Vorteile der sozialen Marktwirtschaft nehmen dagegen all` jene in Anspruch, die sie eigentlich entsprechend ihrer Ideologie ablehnen müssten. Um ihre vermeintlichen Rechte streiten sie vor Gerichten.
Und, man staune, erhalten im deutschen Rechtsstaat größtenteils Recht.
Opfer des Vorwenderegimes kämpfen dagegen noch immer um eine Entschädigung für erlittenes Unrecht. Aus Presseberichten im Jahr 2002 kann es entnommen werden.

Verwaltungsstrukturen des untergegangenen Deutschen Reiches wurden aufgelöst.
Die Sowjetische Militäradministration errichtete mit Deutschen besetzte von ihr kontrollierteVerwaltungen ein. Die Russen erließen Befehle.
In den neuen Gemeinde – und Stadträten arbeiteten Leute, die sich als Antifaschisten und Mitglieder von den Nazis verfolgter Parteien ausweisen konnten.
Aus Überlebenden aus Konzentrationslagern und aus der Emigration Zurückkehrenden rekrutierte sich dieser Personenkreis. Biedere Leute, sie versuchten der schwierigen Lage, der allgemeinen Not, Herr zu werden. Sie waren, obwohl sie dem NS-Regime, wenn auch nur passiven Widerstand geleistet hatten, ungeschoren davon gekommen.
Man kann ihnen bescheinigen, dass sie nach Kräften versuchten, dem Desaster einen mehr oder minder humanistischen Anstrich zu verleihen. Menschen waren es, die unter dem Faschismus litten.
Antifaschisten, die ihre Aufgabe darin sahen, die Wurzeln des Faschismus, des Militarismus, des Junkertums zu beseitigen. Großgrundbesitze wurden enteignet, Herrensitze riss man ab.
Angehörige von Großgrundbesitzerfamilien, sofern man ihrer habhaft werden konnte, deportierte man auf Sammelpunkte im Norden der eroberten Sowjetischen Besatzungszone.
In Staucha waren es die Nachkommen der Familie Schröber.
Dass bei der Sprengung oder dem Abriss der Schlösser und Herrenhäuser Kulturgüter beschädigt oder vernichtet wurden, spielte den damit Beauftragten eine untergeordnete Rolle.
Aus dem Abrissmaterial wurden zum Teil Baumaterialien gewonnen, um Neubauernstellen zu errichten.
Dem Herrenhaus in Staucha blieb dieses Schicksal erspart.
Es fand Verwendung, um heimatlosen Vertriebenen Unterkunft zu gewähren.
Später fand es unterschiedlichste Verwendung, als Wohnhaus, als Kindertagesstätte, LPG-Verwaltung/Küche

Dem „Leader II-Programm der Europäischen Union“ ist es zu danken. dass es rekonstruiert in neuem Glanz erstrahlt.

Als Sitz der nach der Gemeindereform gebildeten Großgemeinde Stauchitz residiert die Gemeindeverwaltung darin.
Die Ortschronik fand einen würdigen Platz in dem Gebäude. Sie ist an den Markttagen für Jedermann geöffnet. Herr Werner Ehrlich hat Erinnernswertes zusammengetragen und gekonnt gepflegt.

Tausende ehemalige Parteigänger des Faschismus bis hin zu Jugendlichen, die als Wehrwölfe ausgebildet oder tätig wurden, verschleppten die Sieger. Mit Folgen, wie sie bei der Geiselnahme beschrieben wurden.
Konzentrationslager der Nazis wurden zur Inhaftierung genutzt.
Die Inhaftierten litten unter ähnlichen Methoden wie gehabt und zahlreiche überlebten nicht.

Der Imker und Trichinenbeschauer, Herr Paul Marx, wurde als Parteigenosse bei der Geiselnahme festgenommen. Er konnte sich befreien und nach Steudten fliehen. In einer Scheune, in Wilhelms Gut, fand er Unterschlupf. Stürzte und brach sich ein Bein. Als außerordentlich humanistisch muss bewertet werden, dass ein Antifaschist, Herr Gustav Hettschick, den Gehunfähigen mit einem Handwagen 15 km nach Riesa ins Krankenhaus fuhr und nach der Behandlung wieder nach Staucha zurückbrachte. Hochachtung, vor dieser Leistung, die unmittelbar nach den kriegerischen Auseinandersetzungen und der Geiselnahme geschah.

Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten war Unterkunft zu schaffen. Zu sorgen war dafür, dass nach der Repatriierung der Zwangsarbeiter aus den Ostgebieten, der Kriegsgefangenen aus allen von den Deutschen besetzten Ländern, wieder Recht und Ordnung Einzug halten konnten. Ein gewichtiger Teil Gefangener und Zwangsarbeiter waren in der Landwirtschaft tätig. Auf Höfen, wo eine angemessene Behandlung erfolgte, erwarteten die Eigentümer kaum Repressalien.
Unmenschlich Behandelte rächten sich dagegen an ihren Peinigern.
In Häusern wurden Plünderungen vorgenommen. Kleidungsstücke meiner zukünftigen Frau verschwanden dabei.
Ein Teil der Stauchaer Bürger, Gespanne aus dem Rittergut, flohen vor dem Eintreffen der Russen in Richtung Chemnitz. In der Nähe von Frankenberg holten die Flüchtenden die Kriegsereignisse ein. Sie kehrten in ihre Heimatorte zurück.
Einen relativ guten Namen erwarb sich der als Ordnungshüter eingesetzte Polizist, Herr Feldmann, in unserem Ort.
Im Kartehaus hatte er seinen Sitz und wurde dort versorgt.
Seine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die Vorschriften der Militäradministration, die Verbote, eingehalten wurden. In den ersten Monaten nach Kriegsende bestand nächtliches Ausgehverbot.
Zugleich brachte er das gesellschaftliche Leben in Gang. Unter seiner Regie gründete sich ein Volkschor. Seiner Initiative ist es zu danken, dass daraus sich eine Theatergruppe entwickelte.
Ihr gelang es, anschauenswerte Stücke einzustudieren und nicht nur im Heimatort zur Aufführung zu bringen. Somit gelang es, die Jugendlichen für eine zukünftige Zeit mit von der Vergangenheit abgewandtem Gedankengut zu beschäftigen. Aus einem kleinen Dokument veranschaulicht eine Reimerei den damaligen Erkenntnisstand nach der Inszenierung eines Theaterstückes:

„Die Leitung un´rer ganzen Schar
Hat „Herr Feldmann“, unser Oberkommissar.
Er ist´s, der sich viel Mühe gab.
Heut´ schwingt er den Dirigentenstab!
Herr Hahnefeld ist Müllermeister.
Sonst arbeitet er mit Holz und Kleister.
Sein Töchterlein, das Bärble ist auch da.
Es ist halt uns´re „Werner Christa“.
Des Müllers´s Mündel sollt ihr seh´n,
Gespielt von Irmgard Schwarze , als Helen.
Als junger Förster Kilian,
Kommt Siegfried Röhrig an die Reihe dann.
Krispin Möller, Schwarzverkäufer und auch Wildner
Wird dargestellt von Herrn Karl Güldner.
Michl, das arme Dorfschneiderlein
Muss „Erhard Bär“ heut´mal sein.
Ein Müllergeselle darf nicht fehlen,
Wir dürfen auf Alfred Duda zählen.
„Rosl“, der Mühle Obermagd,
Darstellerin: Gertraud Donat.
Und nun die übrigen Mägdebestände:
Helene Müssigbrod, Martel Kügler,
Margitta Marx und Liesbeth Mende.
Die Burschen schließen sich gleich an:
Erich Müller, Helmut Hönicke,
Erich Baltruschat und Werner Thielemann.
In schönen Stimmen klingt an Euer Ohr
Der Gesang des Stauchaer Jugendchor´s.
Die musikalische Begleitung hat die Lommatzscher Jugendkapelle.
Ich will nun auch in aller Schnelle
Unsern Boxhammer Karl noch nennen.
Er spielt die erste Geige
und somit geht die Reihe der Mitwirkenden zu Neige!
Fast alle Jugendliche des Ortes, welche die Kriegswirren überlebten, beteiligten sich.

Als Herr Feldmann den Chor nicht mehr leiten konnte, trat Herr Thundt als Chorleiter auf. Sein musikalisches Können formte den Stauchaer Chor zu einem anhörenswerten Klangkörper.
Sein Auftreten, sein musikalisches Können, ließ erkennen, dass er mehr als ein Dorfchorleitertalent repräsentierte. Vor allem Volksliedgut wurde gepflegt.
Nach Herrn Thundts Weggang, leitete den Volkschor Herr Pipping aus Stösitz.
Erfolgreiche Sangesjahre endeten später mangels geeigneter Leitung. Zunehmend versuchten die Parteigänger der Nachkriegszeit den Chor mit parteilichem Liedgut zu instrumentalisieren. Nicht jedermanns Sache waren Gesangstücke wie:
“ Die Partei, die Partei, die hat immer Recht…..“
Vom Stauchaer Volkschor konnte zunehmend nur noch in der Vergangenheitsform gesprochen werden.

Stauchaer Jugendliche hatten Tatendrang nach den geselligen Entsagungen des Zweiten Weltkrieges.
Während des Krieges konnten Tanzveranstaltungen – kurse nicht stattfinden.
Nach fast 60 Jahren blicken, ergraut zwar, diejenigen, denen der Allmächtige noch das Dasein schenkt, auf diese Zeit zurück.
Frau Arnold war bekannt, dass sie sehr gut tanzen konnte. Man bat und beauftragte sie, sich bereit zu finden, einen Tanzkurs zu leiten.
Ohne Genehmigung der sowjetischen Militärkommandantur in Meißen ging es nicht. Mit Herrn Feldmann radelte sie in das 20 km entfernte Meißen.
Herzklopfend stellte der Gendarm die junge Frau dem sowjetischen Kulturmenschen vor.
Von dem heftigen Disput, der vor ihren Augen geführt wurde, verstand sie kein Wort. Schließlich erkannte sie an den Gesten, dass es zu einem guten Ergebnis gekommen sein musste.
Guter Dinge, radelten die beiden Stauchaer wieder die Berge hinauf. Der gestrenge Ordnungshüter als Fürsprecher und die soeben als Tanzlehrerin gekürte junge Frau.
Dabei war ihr gar nicht etwa leicht um´s Herz. Sie hatte von ihrem Mann noch keine Nachricht. Ob er den Krieg überlebte und wo er in Gefangenschaft geraten sei ?.
Eines Tages konnte sie den Postboten fragen:
„Mister Postman look and see, is this a letter for my ?“ Er schaute nach und hatte eine gute Nachricht. Ihr Heinrich lebte.
Das Tanzbein konnte nun geschwungen werden. Den jungen Stauchaern gelang es, zunehmend sich ordentlich rhythmisch zu bewegen.
Dass die Tanzlehrerin auch einmal laute Töne anschlagen musste, blieb nicht aus.
Wie man vernahm, freuten sich über die zunehmende Geselligkeit im Ort nicht nur junge Leute, sondern auch das Gaststättenehepaar.
Das im Kriege vermisste gesellschaftliche Leben florierte wieder.
Zahlreiche Paare fanden sich schließlich zu jungen Familien.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es bei allem Ernst, aller Widrigkeit, auch Bürger gab, die durch ihre Handlungen zum Schmunzeln anregten oder in anderer Weise auf sich aufmerksam machten. Eine Zeit, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Es fehlte förmlich an allem. Besonders der Hunger war besorgniserregend.
Industrie, Handel und Wandel mussten erst wieder in Gang kommen.

In den Westzonen führte der Wiederaufbau, nicht behindert, sondern geradezu gefördert durch den von den Alliierten beschlossenen Industrieabbau, zu einem Wirtschaftswunder. Keine wirtschaftliche Stagnation trat ein.
Erfindergeist beflügelte den Wiederaufbau. Modernere Industrieeinrichtungen entstanden.
Die Amerikaner halfen mit dem so genannten Marshall-Plan.
Hilfsorganisationen aus Übersee unterstützten die Westdeutschen mit Care-Paketen. Arbeitskräftemangel sorgte dafür, dass Millionen Arbeitskräfte aus zahlreichen südlichen und westlichen Ländern Europas nach der Bundesrepublik strömten. Welche Folgen die oft mangelnde Integration hat, zeigen die Probleme, die sich in ihren weitreichenden Ereignissen Anfang des Einundzwanzigsten Jahrhunderts ergeben. Die in der Bundesrepublik humanistische, offene, liberale Gesellschaftsordnung lässt zu, dass Extremisten diese Freiheit ausnutzen. Besorgnis muss erregen, dass Deutschland Extremisten Unterschlupf gewährt, um verbrecherische Machenschaften weltweit zu organisieren. Diesem Treiben muss Einhalt geboten werden.

In der Ostzone dauerte die wirtschaftliche Erholung, nach der Schleifung der gesamten Industrie, länger. Kein „Marshall-Plan“ half.
Der größte Teil der Industrieanlagen wurde in die Sowjetunion ausgelagert.
Fast alle zweiten Gleise der Bahnlinien wurden demontiert. Zum Abbau der Gleise hatten nach Aufruf Frauen und Männer zu folgen.
Die Ostdeutschen schafften es schließlich, dass sie trotz der erheblichen Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung, in der Lage waren, sich zu einem wirtschaftlich starken Teil des Ostblocks zu entwickeln.
Starke Abhängigkeit nach dem Osten führte nach der Wende zu einem Niedergang der Wirtschaft in den neuen Bundesländern. Alle Ostblockstaaten hatte der Sozialismus ruiniert. Marktwirtschaftliche Strukturen zu entwickeln, erforderte Zeit und die entsprechenden Mittel dazu.

Herrn Oskar Kleinerts Wohnhaus litt unter den kriegerischen Ereignissen in der Lommatzscher Straße.
Es war durch Beschuss beschädigt oder von den Russen angezündet worden.
Durch unüberlegtes Handeln wäre beinahe der gesamte Ort der völligen Vernichtung ausgesetzt gewesen. Mit einer Handfeuerwaffe soll er hinter sojetischen Fahrzeugen hergeschossen haben.
Ergebnis: Staucha sollte dem Erdboden gleichgemacht werden.
Ein couragierter Bürger Stauchas intervenierte beim sowjetischen Kommandanten in Lommatzsch und fand Gehör. Staucha konnte gerettet werden. Dass Kleinert ungeschoren davon kam, ist erstaunlich. Nach diesen Ereignissen gefiel er sich, indem er phantastische ,skurile, makabre , zum Teil unverschämte Geschichten in die Welt setzte. Eines Tages hatte er als Flüsterpropaganda verbreitet, in seinen Haustrümmern würde ein Geheimsender betrieben.
Denunzianten und Zuträger horchten auf.
Der Stasi durchsuchte daraufhin sein Grundstück. Erfolglos. Die Geschichte, mit dem Geheimzeichen LB 17 war eine seiner „Enten“

Mit seinem Motorrad hielt er vor unserem Haus in der Schulstraße. Meine im Jungenalter befindlichen Brüder versammelten sich um ihn und hörten ihm offensichtlich interessiert zu.
Sie erzählten, er habe ihnen gesagt: Mit seinem Motorrad, das nicht nur die entsprechenden Vorwärtsgänge, auch einen Rückwärtsgang besäße, sei er auf einer längeren Tour unterwegs gewesen. Plötzlich habe er bemerkt, dass sein Schossleder immer feuchter geworden sei. Benzingeruch habe sich verbreitet. Bei näherem Hinsehen habe er feststellen müssen, dass sein Benzintank übergelaufen sei. Es sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als Benzin abzulassen. Dass meine Brüder über das Wundermotorrad staunten, kann man sich denken.
Hatte er genügend interessierte Zuhörer, steigerte er seine Phantastereien.

Als Stahlwerksarbeiter nutzte er die Bahn Riesa – Chemnitz bis Stauchitz. Eines Tages habe er plötzlich laut erzählt, dass der Zug, in dem sie saßen in Nossen wahrscheinlich mit einer Stunde Verspätung ankommen würde. Nossen ist eine Stadt an der nicht mehr betriebenen Bahnlinie Riesa – Lommatzsch – Nossen – Freiberg. Die Reisenden, die ihm zuhörten, wurden durch diese Fehlinformation plötzlich unruhig, glaubten versehentlich in den falschen Zug eingestiegen zu sein, wollten aussteigen. Der Zug fuhr los. Die Betreffenden waren sich sicher, dass sie in die falsche Richtung führen. Lebensmittel waren knapp. Aus den Städten schwärmten die Menschen aus zu Bekannten aufs Land, um etwas Essbares zu erlangen. Züge waren überfüllt mit so genannten Hamsterern. Im vollbesetzten Zug prahlte er. Beim Schweinschlachten habe er mit dem Schweinefett nicht gewusst, was er damit anfangen solle. Seine Familie ekele sich vor Schweinefett. Es wäre ihnen nichts anderes übrig geblieben, als es im Garten zu vergraben. Sein Pökelfass sei derart mit dem Fleisch einer fetten Sau gefüllt gewesen, dass es bei dem Pökelprozess geplatzt sei. Das verdorbene Fleisch hätte weggeschmissen werden müssen. Wütende Proteste waren die Folge. Wie konnte ein Mensch, in der allgemeinen Notsituation so unglaublich handeln?

In der Mittagspause im Stahlwerk versammelten sich um ihn interessierte Zuhörer. Er war ein geschickter Erzähler. Er konnte den größten Blödsinn einigermaßen glaubhaft ´rüberbringen. Einmal habe er erzählt, dass er eine Unmenge Kartoffeln geerntet habe. Er wüsste nicht, was er damit anfangen solle. Bürger aus Zeithain, 20 km von Staucha entfernt, glaubten seiner Mähr, kamen mit einem mittelgroßen Handwagen nach Staucha getreckt und glaubten von den angeblichen Erdäpfeln etwas abbekommen zu können. Vergeblich. Wie diese Unverschämtheit ausging, ist nicht überliefert.

In seinen Phantastereien verstieg er sich offensichtlich in Sphären, die selbst tumbe Zuhörer hellhörig hätte werden lassen müssen. Seine Mastgänse wären schlachtreif gewesen. Offensichtlich hätten sie aber von ihrem Schicksal etwas geahnt. Wollte er sie einfangen, wären sie jedes Mal davongeflogen. Es sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sie mit der im Ort stationierten Flak abschießen zu lassen. Münchhausen war dagegen ein Waisenknabe !? Von den vielen Leuten, die unfreiwillig der Prahlerei folgen mussten, habe es laute Proteste gegeben, erzählte man. Vor allem bei solchen Geschichten, die in einer vom Hunger geprägten Zeit, mit dem unverantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln zu tun hatten.

Herr Kurt Vetter dagegen war ein seriöser Mann im fortgeschrittenen Alter. Er lebte in einem Haus gegenüber dem Wohnhaus der Gärtnerei Funcke und auch im Haus vom Wittgensdorfer Ahnert. Familie des Schuhmachers Hanetzok lebte in ihm zur Miete. Deren Sohn war ein Schulfreund während der Grundschulzeit von mir. Bürger erzählten, Herr Vetter habe in einer metallverarbeitenden Fabrik in Lommatzsch gearbeitet. Aus anderer Quelle erfuhr man, er sei bei Junkers in Dessau tätig gewesen.
Er brillierte durch seine Fähigkeit, fast alle technischen Geräte wieder gangbar zu machen. In seinem Wohnzimmer, zugleich Werkstatt, befanden sich unzählige Geräte von Bürgern. Reparierte Uhren tickten in allen Ecken. Bat man ihn um Hilfe, so stellte er lapidar fest, dass das zu reparierende Objekt nur eine kleine Bagatelle sei. In einer Zeit, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in der Reparaturwerkstätten überlastet oder überhaupt noch nicht wieder vorhanden, betriebsbereit waren, stellte ein solches Talent für unseren Ort eine außerordentliche Bereicherung dar. Manchem Bürger half er aus einer technischen Notsituation.

Herr Kurt Wohllebe, von Beruf Korbmacher, lebte unverheiratet in einer Wohnung in der jetzigen Bergstrasse. Er hatte, wie sein Großvater, Herr Oskar Wohllebe, den gleichen Beruf. Seinem Großvater wurde nachgesagt, dass er bei ordentlichem Appetit ein Zickchen vers peist habe. Die Körperfülle hätte als Beweis dienen können. Kurts Hauptlaster, der Alkohol, ließ ihn in Sphären entgleiten, die in zuhörenswerten Selbstgesprächen endeten. Von einer seiner Trinktouren zurückgekehrt, saß er auf einer Treppe zum Hauseingang seines Wohnhauses, in dem er zur Miete wohnte. In einem erstaunlich gepflegten Hochdeutsch ließ er den zur damaligen Zeit tobenden Ost – West – Konflikt Revue passieren. Die Kontrahenten bekämpften sich mit zu dieser Zeit gängigen Schlagworten. Man stellte sich die Frage, woher hatte er dieses Wissen. Der Eindruck entstand, dass die Streitenden tatsächlich hinter ihren Argumenten ständen und dass sich zwei Vertreter duellierten. Die Duellanten agierten mit unterschiedlichen Tonfällen. Hätte der Stasi davon Wind bekommen, hätte er den Vertreter des Westens sicherheitshalber festsetzen müssen. Der Westvertreter verstieg sich dazu, seine Argumente in antisozialistischem Wortschwall darzulegen. Nicht ungefährlich zu dieser Zeit. Hochtrabend könnte man das Ganze als eine Art vorgeschichtliches Kanzlerduell bezeichnen. Als er eines Abends auf der Schulstrasse in der Nähe der „Kerbe“ auf dem Nachhauseweg war, diskutierte er angeregt mit seinem Fahrrad. Wahrscheinlich hatte ein Getränkeunfall ihn gezwungen, das Rad nach Hause zu schieben. Hörte man seinem Diskcour zu, ergab er, dass das Rad widerspenstig weigerte, den Weg nach Hause einzuschlagen. Mit barschen Befehlen, zwang er es schließlich in die richtige Richtung. Dabei blieb nicht aus, dass es ab und zu auf der Strasse lag und er stolpernd darüber hinwegsteigen musste. Mit in der Zoologie angesiedelten Aufforderungen, gelang es schließlich Beiden, sich einigermaßen in die Senkrechte zu begeben und den wortreichen Weg die „Kerbe“ und die Bergstrasse hinauf fortzusetzen.

Herr Karl Boxhammer war ein Stauchaer, den die Natur mit kleiner Statur, einem Auswuchs auf dem Rücken und einer stotternden Aussprache nicht verwöhnte. Seine Fortbewegungsart schließlich, mit viel zu langen Armen für seine Körpergröße, die ungewöhnlich beweglich um ihn herumschlenkerten, verhalfen ihm zu einem bedauernswerten Erscheinungsbild. Sein musikalisches Talent soll das bisher Negative seines Daseins ausgleichen. Er musizierte mit seiner Geige in Orchestern. In der weiter oben dargelegten Reimerei anlässlich der Theateraufführungen der Stauchaer Jugend wurde er lobend erwähnt. Erstaunlich ist die Tatsache, dass die Natur Menschen, denen sie Leid antut durch Verunzierung ihres Erscheinungsbildes, andererseits Talente schenkt, die einen Ausgleich oft in wunderbarer Weise ermöglicht.

Am südlichen Ende der Schulstrasse und am Beginn der Bergstrasse wohnte in einem älteren Haus Frau Ida Möbius.
Ein Teil ihres Gartens war von einer dicken Steinmauer umgeben.
Durch die haarnadelähnliche Straßenführung litt die Umzäunung nicht selten unter Beschädigungen.
Größere Gefährte hatten Mühe, aus der Schulstrasse in die Bergstrasse zu gelangen.
Unter Registernummer 5 wurde ihrer bereits gedacht.
Sie war es, die beide bis dahin bekannte Stauchalieder:
„Mein Staucha will ich ehren…“ und
„Siehst du den Ort dort am Berge …“.
melodisch einwandfrei singen konnte.
Nach ihrem Tode hatten die Erben am Grundstück offensichtlich kein Interesse.
Es wurde abgetragen und zu einem Platz zum Verweilen am Ortseingang gestaltet.

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