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Soziale Betreuung
Der sozialen – und kulturellen Betreuung der Genossenschaftsmitglieder der GPG/LPG „Sonnenschein“ Staucha wurde durch den Vorstand der Genossenschaft besondere Bedeutung beigemessen.
Eingedenk dessen, dass hohe Leistungen der sich ständig an der genossenschaftlichen Arbeit beteiligenden Mitglieder nur möglich waren, wenn sie angemessen in den Arbeitspausen versorgt werden. Zum Verständnis sei gesagt, dass zum Begriff: „sich ständig an der genossenschaftlichen Arbeit beteiligenden Mitglieder“, den Frauen in den Produktionsabteilungen es gestattet war, sich auch unregelmässig an der genossenschaftlichen Arbeit zu beteiligen.
Freizügigkeit in dieser Form wurde ausgenutzt. Sie führte dazu, dass es die Verantwortlichen vor erhebliche Probleme stellte, die genossenschaftliche Arbeit so zu organisieren, dass eingegangene Verpflichtungen, z.B.in der Warenbereitstellung, erfüllt werden konnten.
Reproduktion der Arbeitskraft, blieb kein leeres Schlagwort.
Urlaubsplätze entstanden somit für alle Mitglieder, die sie unentgeltlich nutzen konnten oder nur einen geringen Betrag entrichten mussten.

Seit den Sechzigerjahren orientierte deshalb der Vorstand darauf, Mittagessen unentgeltlich und Pausenversorgung in der Genossenschaft zu gewährleisten.

Ohne Mittagsversorgung war es zu Beginn der genossenschaftlichen Entwicklung üblich, eine Mittagspause von 2 Stunden zu beanspruchen, um in den Wohnstätten der Mitglieder ein Mittagessen bereiten zu können. Wege von mehreren Kilometern waren dazu zurückzulegen. Oftmals reichte die Zeit nicht aus, um ein gesundheitserhaltendes, gesundheitsförderndes Essen zu bereiten. Abgehetzt wurde die Arbeit nach der Mittagspause wieder aufgenommen.

Die Essenbereitung in der Genossenschaft stellte sich dagegen mehrfach effektiv dar:
1. Wurden die Wege zu den Wohnstätten erspart, mit all den Aufwändungen, die dazu auch an Energieträgern und Verschleiß an Fahrzeugen notwendig waren.
2. Nach 1 Stunde Pause und in den Wintermonaten nach 0,5 Stundn Pause, konnte die genossenschaftliche Arbeit fortgesetzt werden, mit positiven Folgen für eine kontinuierliche Produktion und Versorgung.
3. Das Arbeitsende konnte von 18 Uhr auf 17 Uhr und auf 16,30 vorverlegt werden. Den Genossenschaftsmitgliedern entstand dadurch mehr Freizeit in den Abendstunden.
Diese drei Beispiele belegen, dass damit eine Steigerung der Produktion erreichbar war. Die Ergebnisse der GPG/LPG bewiesen es.

Versorgungseinrichtungen der Genossenschaft, Küchen, Kantinen und Gaststätte übernahmen die Mittags- und Pausenversorgung.
2 Küchen und 4 Kantinen versorgten die Belegschaft und Bürger aus anderen Betrieben und Einrichtungen im Territorium.
Außerdem wurden zur Reproduktion der Arbeitskraft an zahlreichen Ferienorten der Republik und in Ungarn Ferieneinrichtungen mit hohem Aufwand errichtet und ausgebaut. Jedem Mitglied der Genossenschaft stand somit jährlich ein Ferienplatz in einer genossenschaftlichen Ferieneinrichtung fast unentgeltlich zur Verfügung.
Von den Staatsorganen musste diese genossenschaftliche Errungenschaft abgetrotzt werden. Sie stellte eine verschleierte Konsumtion dar und führte, wie schon erwähnt, zu soziologischen Verwerfungen.
„Sonnenschein“ wendete dafür erhebliche Mittel auf.
Aus der dem Autor verfügbaren Inventurliste per 31.12.1991 ist der Umfang, unter anderem der Ferieneinrichtungen, belegt. Mit den Mitteln des Sozialfonds ließen sich die aufwändigen sozialen Leistungen finanzieren. Genossenschaftliche Jahresabschlußfeiern,zum Beispiel für die tausendköpfige Belgschaft, verschlangen Unsummen, allein durch den Transport zu den dazu erforderlichen Stätten. In der riesigen eigenen Sporthalle hätten sich Veranstaltungen dieses Umfangs kostensparend durchführen lassen. Sie stand jedoch nur für aufwändige Sportveranstaltungen zur Verfügung. Nach der Wende fragten die Genossenschaftsmitglieder, wo das viele Geld von „Sonnenschein“ sei ? Hier ist eine Antwort darauf !

Lehrlingsausbildung und Lehrlingswohnheim

Zur Nachwuchsausbildung und – Gewinnung wurde eine leistungsfähige Lehrlingsausbildung aufgebaut und entwickelt.
Die GPG „SONNENSCHEIN“ STAUCHA begann und die LPG „Sonnenschein“ setzte den eingeschlagenen Weg folgerichtig fort. Bereits in den Sechzigerjahren begann sie mit der Ausbildung von gärtnerischem Nachwuchs.
Voraussetzungen dazu waren zu schaffen.
Später als Ledigenwohnheim genutzter Teil des Sozialgebäudes in Gleina diente als erste Unterkunft für Lehrlinge. Er konnte nur behelfsmäßig den Anforderungen genügen.
Ansprüche an Ausbildung, Erziehung, internatsmüßige Unterbringung erforderten eine den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Lehrausbildungsstätte.

Lehrlingswohnheim mit Polytechnik – Teil in Hof
Den Erfordernissen angemessene Einrichtungen, Ausbilder und Erzieher mit fachlicher und pädagogischer Qualifikation bildeten dafür die Grundlage.
Erfolgreich erlernten junge Menschen den Beruf des Gärtners und Agrotechnikers.
Ein Ausbildungsbetrieb mit Internats- Ausbildungs und Freitzeiteinrichtungen stand zur Verfügung, wie man ihn sich als älterer Mensch nicht im Traum hätte vorstellen können.
Neben gärtnerisch-fachlicher Qualifikation, gehörten Erwerb von Fahrerlaubnis, Gabelstaplerbefähigung und beginnender Einblick in elektronische Prozesse zum Ausbildungsprogramm. Junge Menschen erhielten nach der Facharbeiterpruefung einen Arbeitsplatz und blieben überwiegend in der Genossenschaft.
Die Ausbildungsstätte entwickelte sich als staatlich anerkannter Lehrbetrieb und erhielt Zulauf aus anderen Kreisen und DDR-Bezirken.
Nachwuchspolitik und außerordentlich qualifizierter Lehrausbildung war es zu verdanken, dass sich das Durchschnittsalter der Genossenschaft mit einer Tendenz gleichbleibend oder sinkend entwickelte.
In den Vollversammlungen der Genossenschaft bildete nicht nur der Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden, auch der analytisch gestaltete Bericht der leitenden Lehrausbilderin einen Höhepunkt.
In ihm klangen die Probleme aber auch die Erfolge an, über die auf diesem Gebiet des genossenschaftlichen Daseins zu berichten waren.
Ein großer Teil der Genossenschaftsmitglieder erhielt Einblick in fachliche, pädagogische, sportliche und moralisch-ethische Fragen, die ihnen in den übrigen Beiträgen in solchen Veranstaltungen nicht geboten wurden.
Ziel war, junge Menschen auszubilden und möglichst für die eigene Genossenschaft zu gewinnen.

Der Wohnungsbau in der Genossenschaft diente dem Sesshaftwerden.
Den Ausbildern und Erziehern der Ausbildungsstätte ist für ihre Arbeit Anerkennung zu zollen.
Allen Mitgliedern von „Sonnenschein“ ist zu danken, dass sie dafür einen gewichtigen Teil ihres Vermögens einsetzten. Staatliche Unterstützung reichte nicht aus, um den Aufwand für lebendige Arbeit, dem genossenschaftlichen Vergütungssystems angemessen, zu decken.

Familien- und Jugendpolitik der DDR
Die sehr humane Familien – und Jugendpolitik der DDR war nicht ohne Probleme für die Bewältigung aller Produktionsaufgaben.
Mangelndes Bewusstsein und Fehlverhalten eines Teils von jungen ,auch älteren Genossenschaftsmitgliedern, Rechte zwar beanspruchen zu wollen, ohne in erforderlichem Masse auch Pflichten zu erfüllen, waren Erscheinungen und Widersprüche. Die Leitung der Genossenschaft mit den Verantwortlichen der Ausbildung und Erziehung sah sich vor schwierige Aufgaben gestellt.
In den gärtnerischen Produktionsabteilungen bestand für die Gärtnerinnen keine Pflicht, sich ständig an der Arbeit zu beteiligen. Für optimale Arbeitsorganisation ergaben sich daraus während der Vegetationsperiode unter freiem Himmel ausserordentliche Schwierigkeiten. Wogegen es in den Wintermonaten unter Dach weniger problematisch war, hohe Arbeitsbheteiligung zu erlangen.
Leiter mussten fähig sein, die genossenschaftliche Arbeit in ihrem Verantwortungsbereich so zu organisieren, um vorgemeldete Warenmengen zu produzieren. Nicht zum optimalen Zeitpunkt geernteter Blumenkohl, bestrafte die Produzenten mit minderer Qualität oder Marktunfähigkeit.
Das Organisationstalent der Leiter von gärtnerischen Produktions-Teams stand oft vor harten Proben. Auf einen Teil fleißiger Gärtnerinnen war jedoch Verlass. Sie bildeten das Rückgrat in den Arbeitsgruppen.
Sowjetische Offiziersfrauen, Vienamesen und Andere halfen diese entstehenden Lücken zu schließen.
Letztlich führten genannte Probleme und Andere dazu, da sie gesamtgesellschaftlich wirkten, zum Niedergang nicht nur des Leistungsvermögens der Genossenschaft, auch der Wirtschaft der DDR. Ansprüche an Arbeitnehmer in der Marktwirtschaft, sind mit den beschriebenen unvergleichlich !

Polytechnische Ausbildung

Verantwortliche der Volksbildung erkannten, dass die GPG und später LPG „ Sonnenschein“ Voraussetzungen dafür bot, Schülern die mit sehr großen Mühen verbundene Arbeit im Gartenbau und der Landwirtschaft nahe zu bringen. Die Möglichkeit bestand, die Vielfalt des Geschehens einer relativ großen Belegschaft eines Gartenbaubetriebes zu erleben und daraus Erkenntnisse zu gewinnen für den Eintritt ins Berufsleben.
Voraussetzungen bestanden darin, dass im Anschluss an das Lehrlings- Wohnheim Klassenräume zur Verfügung standen und aus den Reihen der Genossenschaftsmitglieder Lehrfacharbeiter und Verantwortliche entwickelt werden konnten, die sich für den Umgang mit den jungen Menschen eigneten und verantwortungsbewusst wahrnahmen.
Von der Volksbildung standen entsprechende Lehrkräfte bereit, den theoretischen Unterricht zu vermitteln.
Zahlreiche junge Menschen des Kreises erinnern sich heute noch gern an ihre
Erlebnisse in der Genossenschaft.
Lehrfacharbeitern kostete das Ungestüm der Kinder oft nicht wenig Nerven.
Den Stadtkindern vermittelte die Genossenschaft somit, wie Gartenbau und Landwirtschaft funktionierten. Sie erhielten Kenntnis, wie mühsam es ist, bis
der Blumenkohl in die Läden gelangt. Es konnte ihnen ein Eindruck vermittelt
werden, wie ein großes Landwirtschaftsteam erfolgreich arbeitete. Sie erhielten Einblick in die Ökonomie einer Genossenschaft und konnten sich überzeugen, dass Gartenbau- und Landwirtschaft moderne Methoden beim Anbau von Gemüse ,der Verwaltung mit funktionierender EDV einsetzt.

Freizeitkomplex und Sporthalle

Wollte man zahlreichen jungen Menschen in der GPG/LPG „Sonnenschein“ Staucha die Möglichkeit geben, einen Beruf zu erlernen, so musste nicht nur an die Möglichkeit gedacht werden, Ausbildungs- und Internatsmöglichkeiten zu schaffen.
Sinnvolle Freizeitgestaltung erforderte die entsprechenden Voraussetzungen dazu.
Mit der Errichtung des Sport- und Freizeitkomplexes in Hof,an der Stauchaer Strasse gelegen, gelang eine Einrichtung, die es den jungen Menschen unserer Genossenschaft und des Territoriums und zunehmend auch dem Volks- und Vereinssport ermöglichte, eine Anlage zu nutzen, die für genossenschaftlich – ländliche Verhältnisse ein Beispiel darstellte.
Die große Halle bot zugleich die Möglichkeit, die Belegschafts- Versammlungen, die halbjährlich und am Jahresende abzuhalten waren, sowie Festlichkeiten kostengünstig in eigenen Räumen zu veranstalten.
Vom Vorsitzenden und damit vom Vorstand sanktioniert, mussten dagegen
Veranstaltungen mit riesigem Transportaufwand in entfernten Gaststätten organisiert werden. Begründung: Man müsse das Parkett der Sporthalle schonen.
Schwer verdiente Mittel der Mitglieder wurden auf diese Weise vergeudet.
Nach der Wende wurde demonstriert, wie sinnvoll die Halle für Massen- Veranstaltungen eingesetzt werden konnte. Die jährlich veranstalteten Weihnachtsfeiern der Veteranen und der Sportler, sind Beweis dafür.

Sportkomplex mit Gaststätte führt zu starken Verlusten

Nur den außerordentlichen ökonomischen Bedingungen von „Sonnenschein“ ist es zu danken, dass die riesigen Mittel für die Errichtung und vor allem zur Betreibung in so verschwenderischer Weise, wie weiter oben beschrieben,und Erhaltung des Sportkomplexes zur Verfügung standen.
Obwohl ständig gewarnt, die wöchentlichen Auswertungen verdeutlichten es, dass der Aufwand völlig ausuferte, setzte es der Vorsitzende, vom Vorstand toleriert, durch, dass dieses Monster betrieben wurde.
Erhebliche Mittel der Mitglieder wurden somit aufgewendet und verschwendet. Nach der Wende mussten sich die Verantwortlichen der Nachfolgeeinrichtung der LPG mit den Vorwürfen herumschlagen, wo denn das „viele“ Geld geblieben sei. Hier !
Mit dem Sportkomplex entstand zwar eine Stätte, die allen Bürgern des Territoriums zur Verfügung stand und auch noch steht, in der es sich lohnt, zu verweilen. Auf Kosten der Mitglieder wurde jedoch die Finanzierung mit Beschluss des Vorstandes weiter fortgesetzt, Stand: Juli 1992.

Betreibung der Gaststätte ein dunkles Kapitel
Der Sporthalle vorgeschaltet war eine Gaststätte mit Jägerzimmer, Bauernstube und Bar.
Die Betreibung der Gaststätte erfolgte bis zum Herbst 1990 unter Regie der Genossenschaft.
Eine Gaststättenleiter – Familie erhielt das Vertrauen zur Bewirtschaftung.
Unmäßige, unqualifizierte Bestandshaltung und undurchsichtige Geschäftsführung, führten zu mangelnder Rentabilität für die Gaststätte und zum Schaden für die Genossenschaft. Dabei liegt die Betonung auf “ für die Genossenschaft“.
Registrierkassen-belegte Abrechnung wurde vom Vorstand nicht konsequent durchgesetzt.
Die eindeutigen Beweise, wöchentlich wurden sie in der Auswertung für alle Verantwortungsbereiche schriftlich vorgelegt, mündlich wurden sie in den Vorstands- und Leitersitzungen vom ökonomischen Leiter vorgebracht, fanden bei den Verantwortlichen kein Gehör.
Niemand war bereit, dieses “ Trinker – und Schlemmer e l d o r a d o“
anzutasten.
Nach der Wende, bei der Übergabe zur Privatnutzung führte diese Misswirtschaft zu riesigen Verlusten.
Marktwirtschaftlich konnte der größte Teil der Bestände an Alkoholika nicht mehr verkauft werden, da die Ostdeutschen DDR-Produkte negierten.
Verluste entstanden außerdem dadurch, dass es der ehemaligen Gaststättenleitung gelang, rechtsanwaltlich gestützt, die Bezahlung der übernommenen Bestände zu umgehen.
Alle Mitglieder mussten schließlich diese unnötigen Verluste tragen.
In keinem Verantwortungsbereich der Genossenschaft wurde in so verantwortungsloser Weise mit den Mitteln der Mitglieder umgegangen.

Fazit: Mitglieder feierten sehr fragwürdige Existenzen.
Niemand will wahrhaben, dass sie von diesen ums schwer verdiente Geld gebracht wurden.

Diejenigen, die mahnten, die sich dagegen um die Erhaltung des genossenschaftlichen Vermögens mühten, wurden verteufelt!

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