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Tomaten und Petersilie

Tomatenproduktion
Auf 60 ha produzierte die GPG/LPG “ Sonnenschein „Staucha Buschtomaten.
1600 bis 2300 t wurden jährlich manuell geerntet.
Mit eigenem Arbeitsvermögen war die Genossenschaft nicht in der Lage, diese saisonbedingte Erntespitze zu bewältigen.
Zusätzliche Arbeitskräfte, Vietnamesen, Polen sowie Frauen aus den sowjetischen Garnisonen Riesa und Oschatz, halfen dabei tatkräftig.
Sie waren in der Lage, sich durch Leistungsarbeit ein angemessenes Zusatzeinkommen zu erarbeiten, ohne Unterschied zu den Mitgliedern der Genossenschaft. Von den Versorgungseinrichtungen der Genossenschaft erhielten sie die gleichen Leistungen wie die Betriebsbelegschaft.
Fremdenfeindliche Tendenzen sind nicht bekannt.

In der von den Rationalisatoren entwickelten, seit 1988 mit einer von den Elektrikern/Elektronikern eingebauten elektronischen PC 600 Produktionssteuer – Anlage effektiv, energiesparend gesteuerten, Maisch – Anlage, wurde ein Vorprodukt für die Verarbeitungsindustrie, die so genannte Tomatenmaische hergestellt.
Endprodukte waren Tomatennektar und andere Produkte. Die Transportgruppe der Genossenschaft belieferte mit Tankfahrzeugen, mit einer Tragfähigkeit von 10 t, die Verarbeitungsindustrie im Mehrschicht Einsatz in Tag- und Nachtarbeit.
Mitglieder der Arbeitsgruppe Tomatenmaische hatten an der Erfüllung dieser Aufgabe herausragenden Anteil.
Die geernteten und nicht sofort verarbeiteten Tomaten wurden in Kühlzellen zwischengelagert.
Der Reifeprozess konnte durch Kühlen verlangsamt oder durch Erwärmen beschleunigt werden.
Von der Arbeitsgruppe Rationalisierung war die Tomatenmaisch – Anlage mit Waschanlage, Sortierstand, Presse und Fördereinrichtung in die Kühltanks entwickelt und instand gehalten worden.
In die Kühlzelle 8 der Vermarktungsstation in Hof wurden die Kühltanks für die Tomatenmaische installiert.
Während der Tomatensaison, die in der Regel von August bis Ende Oktober ging, verarbeitete an den Abnahmetagen die Verarbeitungsindustrie bis zu 80 t Tomaten.

DDR – Verarbeitungsindustrie eine Katastrophe

Häufige Havarien in den Industriebetrieben und Arbeitskräftemangel zwangen zu Pausen, die in der Tomatenproduktion zu Verlusten führten.
Genmanipulierte, nicht mehr faulende, Tomaten gab es noch nicht.
„Sonnenschein“ unterstützt die Verarbeitungsbetriebe zur Vermeidung von größeren Verlusten mit Arbeitskräften.
Die Tomatenmaische musste sofort nach dem Bearbeitungsprozess auf
5 bis 10 Grad Celsius herab gekühlt werden, um Verderb zu verhindern.
Geschah das nicht oder zu spät, blieb nicht aus, dass es zu explosionsartigem Verderb von ganzen Lkw-Ladungen kam.

Besonders erwähnenswert ist die Tomatenproduktion dadurch, weil sie für die Gemüseproduktion von besonderer Bedeutung war und neben dem Petersilie – Anbau einen Eckpfeiler in der Erlösentwicklung darstellte.

Petersilien – Produktion und -Versorgung landesweit

Über 100 t Petersilie ernteten die Gärtnerinnen wenige Tage vor dem Frosteinbruch im November. Den dazu günstigsten Termin zu bestimmen, war ein Hasardspiel.
Scherzhaft könnte man sagen, man musste eine Woche vor dem Frostbeginn ernten.
Man sagt ja, dass die Kirmes in einigen Orten eine Woche vor dem ersten Schnee stattfände.

In den Kühlzellen bis Januar und Februar frischgehalten, kam sie dann, gestreut in der gesamten Republik, auf den Markt. Wenigen Erzeugerbetriebe gelang es, unter den Vorwende-Bedingungen, solche Mengen dieses Gemüses zu erzeugen und landesweit zu vermarkten.
Beim Bündeln in Leistungsarbeit konnten sich die Gärtnerinnen entsprechend ihres Leistungsvermögens eine angemessene Vergütung erarbeiten.
Mit der angewandten Methode erlangte diese Gemüseart die Spitzenposition in der Rentabilität.
Per Lkw, per Express mit der Bahn, geschah der Versand in weite Teile der DDR. Berlin wurde vorrangig beliefert.
Die Bahnleute fluchten, wenn sie per Zug bis zu 50 Kisten Petersilie Express verladen mussten.
Nicht allzufern sind die Zeiten, als die Bahn noch Transportmittel fast aller leichtverderblichen Güter war.
Von Stauchitz nach Chemnitz benötigten Expressgutartikel nur wenige Stunden. Jeder in einem Bahnhof haltende Zug enthielt einen Gepäckwagen, der während des Haltevorganges rasch be- und entladen wurde. Während meiner Grundschulzeit hatte ich die Aufgabe , zahlreiche Expressversandstücke drei Kilometer zum Bahnhof nach Stauchitz zu transportieren. Es handelte sich zumeist um mit Heu und Leinen gepolsterte Weidenkörbe, in denen Äpfel versandt wurden. Inzwischen sind allerdings über 60 Jahre vergangen.Nachteilig beim Bahntransport auch heute noch ist, dass der Versender, sofern er keinen Bahnanschluss besitzt, die Güter zum Bahnhof befördern muss und Empfänger auf einen Abholdienst vom Bahnhof angewiesen bleiben.
Beide Kulturen, Tomaten und Petersilie, besonders zu erwähnen, erschien mir angeraten. Sie stellten die rentabelsten Kulturen in der Gemüseerzeugung dar.

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