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Unterschiedliche Entwicklungsformen der LPG

Zahlreiche landwirtschaftliche – und gärtnerische Produktionsgenossenschaften entstanden. Zunächst vereinte man sich nach Gutdünken zu Genossenschaften der Typen I bis III und zu gärtnerischen Genossenschaften.
Am wenigsten wurde im so genannten Typ I die Privatinitiative gehemmt. Individuelle Viehhaltung ermöglichte dem Leistungsvermögen des Einzelnen angemessen, eine recht gute Entwicklung. Feldwirtschaft konnte gemeinsam betrieben werden.
Die so genannten „Typ-Einzigen“ erarbeiteten sich wirtschaftliche Erfolge. Aber Selbst diese Form der Individualität war den in der DDR – Regierenden ein Dorn im Auge. Das Ende führte zur Einverleibung in eine LPG TYP III.
Die Stauchaer TYP – I – Bauern traten, nachdem sie sich vom Leistungsvermögen der GPG „Sonnenschein“ überzeugt hatten, größtenteils der GPG bei.
Dazu wurde ein finanzieller Modus gefunden, der zum Gleichstand der wirtschaftlichen Entwicklung führte.
In die GPG Eintretende leisteten dazu einen finanziellen Beitrag. Wie nach der Wende ersichtlich, verlief dieser Prozess nicht ohne Probleme.

LPG Typ III

Im so genannten Typ III mussten die Bauern vollgenossenschaftlich die Landwirtschaft ausführen. Spezialisten für Vieh – und Feldwirtschaft, für Technik und Verwaltung waren erforderlich.
Erst nach zahlreichen Studienjahren standen junge, wissenschaftlich ausgebildete Kader zur Verfügung.
Sie dann in die zwischenzeitlich gebildeten „Hardliner“ Strukturen der Leitungen zu integrieren, war erschwert.
Diese Form großflächige Landwirtschaft zu betreiben führte dazu, dass es keine eigentlichen Landwirte mehr gab, sondern nur noch scherzhaft gesagt, so genannte „Fachidioten“.
Der Alleskönner – Landwirt – starb fast aus.
Nach der Wende bereitet es deshalb den so genannten Wiedereinrichtern Schwierigkeiten, das allumfassende Gebiet Landwirtschaft, vom Kaufmann bis zum Pflanzenschutzspezialisten, marktwirtschaftlich zu beherrschen.
Das Leistungsvermögen einer LPG Typ III wurde maßgeblich beeinflusst vom Intelligenzgrad des Vorsitzenden, von seinem Durchsetzungsvermögen und von der Unterstützung, die er vom größtenteils nicht freiwillig zustande gekommenen Vorstand erhielt.
Ein wesentliches Moment war zugleich die Fähigkeit, für Ordnung und Sicherheit in der Genossenschaft zu sorgen. Nicht wenige so genannte Genossenschaftler legten den Begriff „genossenschaftliches Eigentum“ freizügig aus und bedienten sich genossenschaftsschädigend mit Futter für ihre individuelle Wirtschaft.
Daraus entstand der Begriff
„Arme Genossenschaft, reiche Genossenschaftsbauern“.

Die Gärtnerischen Genossenschaften

waren wie LPG Typ III einzuordnen. Unterlagen jedoch eigenen gesetzlichen Bedingungen.
Dem strengen Regime in der GPG „Sonnenschein“ war es zu verdanken, dass bis in die Achtziger Jahre von einer hohen Arbeitsmoral ausgegangen werden konnte. Die angewandten strengen Verhaltensregeln wurden von der „staatlichen Leitung“ als Selbstjustiz abqualifiziert und der Leitung all zu oft zum Vorwurf gemacht.
Erst als die Zwangsvereinigung mit der LPG Pflanzenproduktion hin genommen werden musste, zerbrach die Arbeitsdisziplin und Arbeitsmoral zunehmend.
Der verstärkte Einfluss der SED – Genossenschaftsorganisation, die beim so genannten „Umgang mit den Menschen“ auf nicht vorhandenes Bewusstsein setzte, verhalf auch „Sonnenschein“ zu abfallendem Leistungsvermögen.
Als Gegenteil dazu bewies „Striegnitz“, wie man mit einem vom Verfasser als „halbmilitärisch“ bezeichneten Regime, einen überragenden Leistungstand erringen und erhalten konnte.

Eintritt in die GPG

1960 trat der Vater des Verfassers in die sich bildende gärtnerische Genossenschaft ein und wurde beauftragt, die Buchführung zu bearbeiten. Noch im Jahr 1960 erlag der Vater einem Asthmaleiden. Rauchen, meist unausgereiften, nicht zubereiteten, unzulänglichen Tabaks, unterstützte das Gebrechen.

Ein Jahr nach dem Heimatfest 1959 erfolgte die so genannte „freiwillige“ Umgestaltung der Landwirtschaft 1960.
Es gelang mit den Gärtnern, eine gärtnerische Genossenschaft zu bilden. Bis auf eine Gärtnerei, versammelten sich Gartenbau betreibenden Betriebe Stauchas darin.

GPG „Sonnenschein“ Staucha

In der gärtnerischen Genossenschaft „Sonnenschein“ Staucha fanden sich 4 gärtnerische Betriebe unterschiedlicher Leistungsfähigkeit zusammen.
Gärtnerei Funcke schloss sich der LPG Steudten an.
13 Gründungsmitglieder, darunter die Eltern des Verfassers, bildeten das Gründungskomitee.
Schwierig war, einen geeigneten Namen zu finden, der in seiner Aussage nicht irgendwelche fragwürdigen Idole verherrlichte, der aber nach Möglichkeit ein ständiger Begleiter sein sollte.
In der Gründungsversammlung auf dem Gemeindeamt rätselte man nach einem vernünftigen Namen. Ein in das Zimmer fallender plötzlicher Sonnenstrahl führte schließlich zum Namen.
Der Bürgermeister H. empfahl, die gärtnerische Genossenschaft „Sonnenschein“ zu nennen. Dieser Name hat diese Genossenschaft von der GPG über die LPG zur eingeschriebenen Genossenschaft eG begleitet.
Mit diesem stolzen Namen erwarb sich die Genossenschaft durch das Leistungsvermögen aller ihrer Mitglieder einen guten Namen landesweit.

Anfangsschwierigkeiten

Fast schien es, als sei es nicht möglich, die sehr unterschiedlichen Charaktere der Gärtner unter einen Hut zu bringen. Im ersten Jahr der gemeinsamen Arbeit produzierte jeder noch nach seinen Methoden und am Jahresende erfolgte die Abrechnung zwar gemeinsam, aber jeder erhielt noch den von ihm erwirtschafteten Anteil voll ausgezahlt.
Einbehalten wurde ein Betrag, der als Steuer ohnedies hätte an den Staat abgegeben werden müssen, als erste gemeinsame “ Fondszuführung“.

Vorstandsbemühungen

In nächtelangen Sitzungen, versuchte der gewählte Vorstand unter primitivsten Voraussetzungen in den Räumen der Gemüseaufkaufstelle, dem völlig Neuen, Leben einzuhauchen. Es galt bei fleißiger gärtnerischer Arbeit zugleich nach Neuem zu suchen. Wurde es gefunden, es allen zu verdeutlichen und schnell zu nutzen. Alte Gewohnheiten aufzugeben, sich unterzuordnen und Vorstandsentscheidungen, Mehrheitsentscheidungen, anzuerkennen und bedingungslos anzuwenden, erwiesen sich als Einschnitte, die nicht von jedem „ Genossenschaftsgärtner ” zunächst befolgt wurden.
Die ehemaligen Eigentümer waren zugleich Leiter der gebildeten Arbeitsgruppen.
Einem ehemaligen Besitzer und Mitgründer war es nicht möglich, sich den gemeinsamen Vorstellungen unterzuordnen.
Er verließ die Genossenschaft.
Erfahrungen im Umgang mit Mitgliedern einer Genossenschaft und der Führung einer ständig sich vergrößernder Belegschaft bestanden noch nicht.
Leitungsstil und Autorität mussten von den neuen Leitern erst erworben werden. Vorbild Wirkung in der beruflichen und privaten Sphäre dabei in Übereinklang zu bringen, bereitete Schwierigkeiten.

 

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