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Vorbei führt der Weg zum „Blumenstrauß“; am ehemaligen Gemeindeamt.

Im Jahr 2001 war es Bauamt der neuformierten Gemeinde Stauchitz. Inzwischen sind sämtliche Dienststellen der Gemeinde im ansehnlich rekonstruierten ehemaligen Herrenhaus untergebracht. Zahlreiche Bewohner beheimatete das Gebäude des ehemaligen Gemeindeamtes.
Ein Tierarzt praktizierte darin. Verarztet wurden kranke Tiere, erzählte man, vor dem Hause.
Meine Frau besitzt ein Foto, wo ein älterer Bewohner dieses Hauses in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts auf dem Hof versammelten Kindern Musik aus einem ins Fenster gestellten Radios vorspielte. Eine Krankenschwester wohnte in diesem Hause und half gebrechlichen Menschen ihre Gesundheit zu bewahren.
Als in meinem Zuhause, in der jetzigen Schulstrasse 10, das erste Radio in Dienst gestellt wurde, so eigenartig es klingen mag, war der 30.1.1933. , hieß es: Hitler ist Reichskanzler! Der Standort des Gerätes in unserer Wohnung, umgangssprachlich „Göbbelschnauze“; genannt und eben diese Begebenheit, sind mir als damals Achtjährigem noch erinnerlich.

Als Wohnhaus, Polizeistation, Poststelle und Arztraum diente und dient das ansehnliche ehemalige Gemeindeamt. Elektroheizung versorgt es umweltfreundlich mit Wärme. Dr. Erbgen aus Stauchitz behandelt in zwei Räumen wöchentlich einmal ältere Bürger und erteilt Rezepte.
Nach der Beendigung der ärztlichen Tätigkeit von Herrn Erbgen, führt Frau Kerstin Neumann ,Fachärztin für Innere Medizin & Hausärztliche Versorgung dankenswerter Weise die Nebenstelle in Staucha weiter.
Drei Kilometer Weg zur Praxis in Stauchitz wird den älteren Menschen damit erspart. Der allgemein befürchtete Landarztmangel trat in der Gemeinde Stauchitz durch die Übernahme der Landarztpraxis von Herrn Erbgen durch Frau Dr. Neumann nicht auf.
Zwei Landarztpraxen sind in der Gemeinde Stauchitz in der Lage die ärztliche Versorgung der Gemeinde und umliegender Orte zu gewährleisten
Vor der Bildung des Landambulatoriums in _Stauchitz war Dr. Dietrich aus Lommatzsch ein Musterbeispiel dafür, wie man ländlichen Gemeinden ärztliche Hilfe angedeihen lässt. Mit einem Moped, ohne Kopfbedeckung, sommers wie winters, besuchte er Patienten. Bewundernswert erfüllte er die humanistische Pflicht, kranken Menschen in abgelegenen Gebieten zu helfen.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gier nach irdischem Gut, der Pflicht, den Kranken uneigennützig zu helfen, überwiegt.
Wie sonst sind die Verfehlungen zu erklären, die man Medizinern anlastet. Wie sonst ist zu verstehen, dass Empfehlungen, die aus dem Krankenhaus Entlassene dem Hausarzt mitbringen, mit welchen Medikamenten weiter zu behandeln ist, mehrfach gestrichen und andere dafür eingesetzt werden. Die Pharmaindustrie lässt grüßen! ? Als teilweise Geschädigter macht man sich über diese Zusammenhänge seine Gedanken.

Zwischenzeitlich, im Jahr 2003, stellten die Gemeindeverantwortlichen den Jugendlichen das Gebäude als Jugendklub zur Verfügung. Man liess zu, dass Umbauten nach den Vorstellungen der jungen Leute vorgenommen wurden. Mitten im Ort erhielten Jugendliche ein Domizil, welches eine Herausforderung für jugendliche Verhaltenweisen darstellte. Im Fokus der nahen Nachbarn waren Lautstärke und nächtliches Rumoren Anlass von zunächst untergründigem Missfallen. Werktätige Anwohner fanden nachts keine Ruhe. Ermahnungen und Bitten, die Lautstärke zu mässigen, fanden meist nur kurzfristig Gehör. Zunächst wurden Interventionen auf dem Amt zur Kenntnis genommen. Die Klageführenden jedoch wurden als Bürger mit zu wenig Jugendvertändnis vermutet. Man ermahnte die Jugendlichen und liess sie gewähren. Jugendliches Ungestüm eskalierte schliesslich so, dass der Arzt, der in unteren Räumen wöchentlich einmal für Patienten praktiziert, Klage über unhaltbare Zustände führen musste. Die jungen Menschen hatten die wohlwollenden Hinweise nicht genügend beachtet. Die Verschmutzung im Haus und aussen nahm Formen an, dass es zur Schliessung des Jugendklubs durch die Gemeindeverwaltung kommen musste. Das Geschehen um den Jugendklub, den der Gemeinderat in so selbstloser Weise zur Verfügung stellte, führt zu Fragen;
1. Warum glauben Jugendliche, dass sie es den Erwachsenen zeigen müssen, sich über gut gemeinte Ratschläge hinwegzusetzen.
2. Muss man Erwachsenen und den Elternhäusern Versäumnisse in der Erziehung ihrer Sprösslinge anrechnen, wenn man diese Verhaltensweisen in Betracht zieht?
3.Welche Denkweisen herrschen unter Schülern und Jugendlichen vor, wenn sie ohne Hemmnisse Gegenstände und Raucherreste einfach wegwerfen, ohne naheliegende Entsorgungseinrichtungen daür zu verwenden?
4. Junge Menschen unseres Landes meinen offensichtlich, Andere seien für Sauberkeit und Ordnung verantwortlich?
5. Muss man fragen, welche Familien lassen es zu, dass ihre Sprösslinge alles Unnütze aus den Händen fallen lassen, dort wo sie stehen ?
6. Offensichtlich sind auch die Bildungsstätten überfordert bei der Vermittlung solcher Tugenden wie Ordnungsliebe, Sauberkeit, kulturelles Miteinander?
7. Kann man den Jugendlichen solche Verhaltungsweisen schliesslich verdenken, wenn ihnen das Privatfernsehen nicht selten Mord und Totschlag, ekelerregende Schmuddelszenen and so on vorsetzt. Da hilft auch nicht der Versuch einer Entschuldigung, dass Leute, die soetwas nicht ertragen, es eben nicht anschauen sollten ? Jugendliche neigen dazu, sich an Fragwürdigem zu ergötzen und es sogar zum Vorbild zu nehmen. Jugendkriminalität und Verhalten in Bildungsstätten sind beredtes Zeugnis für die besorgniserregenden Erscheinungsformen.
8.Ein Pauschalurteil über unsere Jugendlichen soll mit diesen Fragen keinesfalls gefällt werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass der überwiegende Teil junger Deutscher sich Verhaltensweisen befleissigt, auf die Jugendliche anderer Länder nacheifernswert reagieren.

In der Folge führt der Weg zum „Blumenstrauß“ am ehemaligen Rittergut, einem großen Vierseitenhof, wie sie für die Lommatzscher Pflege typisch sind, vorbei.
Interessant ist ein Blick in die Geschichte des Rittergutes. Er nimmt nicht in Anspruch, vollständig zu sein. Sicherlich ist er durch weitere Details zu ergänzen.
Inzwischen kann man das Herrenhaus nicht nur zum Tag des offenen Denkmals besichtigen. Sitz der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Stauchitz seit 2001, steht er den Bürgern der Gemeinde zu den Sprechzeiten und an Tagen der Offenen Tür zur Verfügung und offen. An den Markttagen kann die Heimatstube besichtigt werden. Sie befindet sich, nachdem man die Eingangshalle über eine in den alten Zustand rekonstruierte, von zwei Seiten begehbare, Freitreppe erreichte, auf der rechten Seite. In ihr sind wertvolle Dokumente der Geschichte des Ortes sowie der Ortsteile, welche die ehemalige Gemeinde bildeten, anzuschauen. Sie wurden Dank der unermüdlichen Kleinarbeit des Ortschronisten, Herrn Ehrlich, zusammengetragen, sorgfältig gepflegt und nun zentral gelegen, zur Schau gestellt. Altersbedingt kann er nur noch bedingt das Ehrenamt des Ortschronisten ausüben. Einige Damen, als ABM-Kräfte im Gemeindedienst, pflegen die Heimatstube und laden Gäste ein, um ihnen die ansehenswerten Schätze zu zeigen.
Ortsansässige, ehemalige Stauchaer und Fremde werfen gern einen Blick in die Vergangenheit unserer Ortsgeschichte. Vorstellbar wäre, Dokumente aller Orte unserer durch die Gebietsreform entstandenen Großgemeinde Stauchitz von Seerhausen, das Jahnatal entlang, in der Heimatstube zu konzentrieren.

Die von der Gemeinde Staucha 1999 herausgegebene „Fest Schrift“ , Redaktion: Dorf-und Heimatverein Staucha , zur Feier von „740 Jahre Staucha / 90 Jahre Schule “ enthält beachtenswerte Fakten zur Geschichte Stauchas und der Schule. Die Autoren lassen in einigen Passagen erkennen, dass sie sich vom Stil der Vorwendezeit noch nicht lösen konnten und somit den „Gestrigen“ das Wort reden. Dass es heutzutage möglich ist, so zu agieren, ohne „zur Klärung eines Sachverhalts“ einbestellt zu werden, sollte man sich vergegenwärtigen.

Für unsere Familie erhielt das Herrenhaus in Staucha Bedeutung, als der Schmiedemeister Gleisberg sich als Ehefrau, die bei den Gutsbesitzern Schröber bedienstete Martha Zschoch entführte.

Die Geschichte der Gutsbauten, der sogenannten Rittergüter, reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Als Vorwerk waren der Meißner Burggraf, Kirche und Kloster die Besitzer. Als Rittergut hatte es den Charakter eines Hauptgutes. Vorwerke, wie die ehemalige Schäferei. vgl. Foto am Ende des Beitrages: „Einige Gedanken bei einer Wanderung“, in Niederstaucha, die Vorwerke in Wilschwitz, Treben und zum Teil Pößig, vervollständigten den Besitz. „Zum Teil Pößig“ deshalb, weil dieses Gehöft zeitweise dem Besitztum des Rittergutes in Stösitz angehörte. Unterschiedliche adlige Besitzer prägten die großen Güter mit ihrem Namen.
Eigentümer bis zum Ende des 2. Weltkrieges waren die Erben des Königlich Sächsischen Ökonomierates Schröber.
Ein so genannter Inspektor bewirtschaftete für sie das Gut. Zwei Verwalter waren angestellt, um die einzelnen Bereiche, wie Viehwirtschaft und Ackerbau zu organisieren und zu beaufsichtigen. Arbeiteten mehrere Landarbeiterinnen, beaufsichtigte ein Leutevogt deren Tätigkeit.
Ebenso während des Rübenverziehens oder des Distelstechens und Meldenziehens durch Schulkinder.
Zur Zeit meiner Kindheit bekämpfte man Ackerunkräuter, ndem sie manuell ausgemerzt wurden. In breiter Front durchstreiften meist Schulkinder die Getreidefelder und zogen die unliebsamen Kornblumen, Melden, Disteln, wilden Mohn und Kornraden.
Umweltschäden durch Chemikalien waren noch unbekannt.
Durch sehr geringe Löhne ließen sich die Kosten für solche Art der Unkrautbekämpfung in Grenzen halten und bildeten somit eine der Grundlagen der Rentabilität.
Als es schwierig wurde Arbeitskräfte dafür zu gewinnen, begann man die Zeilenabstände beispielsweise in den Weizenschlägen zu vergrößern. Damit war gewährleistet, dass mit speziellen Hackmaschinen, von Pferden gezogen und von einem Maschinisten gelenkt, dem Unkraut zu Leibe gerückt werden konnte. Chemische Unkrautbekämpfungsmittel fanden noch keine Verwendung.
Der Inspektor,so nannte man den verantwortlichen landwirtschaftlichen Fachmann, bewohnte den links im Eingangsbereich befindlichen Teil des Gutes.
In einem Büroraum arbeitete eine Bürokraft. Ihr oblag es, den Verwaltungsverkehr bis hin zu wöchentlichen Lohnzahlungen für die Beschäftigten zu erledigen.
Rechts gelangte man in den Kuhstall, jetzt die Begegnungsstätte,
Die Frau des Inspektors hatte die Aufgabe, aus einer Milchtheke im Eingangsbereich heraus, die zugleich als Milchkühlanlage genutzt wurde, an Milchkunden Frischmilch und als Deputat für die Landarbeiterfamilien zu verkaufen.
Hatte man in der Familie des Melkers Schulfreunde, war es, obwohl eigentlich unzulässig, schon einmal möglich, im Kuhstall der Fütterung und dem Melken beizuwohnen. Besonders interessant war, wie es den Melkern gelang, aus dem Euter der Kühe die Milch hervorzuzaubern. Melkanlagen fanden zu dieser Zeit noch keine Anwendung.
Eigene Versuche misslangen meist. Dass es dabei auch Fehlversuche beim Bullen gegeben haben soll, zum Gaudi der Fachleute, ist ebenfalls überliefert.
Die Kapazität des Stalles umfasste bis 80 Tiere. Fütterung und Entmistung waren schwere koerperliche Arbeiten.
Wenig Beachtung fand, dass sich im ehemaligen Kuhstall Toskanische Säulen als tragende Elemente befanden, die als architektonische Besonderheit gelten.
Mit einem zweirädrigen Einspänner führte der Inspektor seine täglichen Kontrollfahrten aus. Zu einem Gespräch mit dem Stellmachermeister Schumann, in der Schulstraße, konnte man ihn vor dessen Grundstück oft stehen sehen. Beide gehörten zu den Honoratioren des Ortes.
Nachdem der Inspektor, ein würdiger älterer Herr, dem in seinen jüngeren Jahren amouröse Ambitionen nachgesagt werden, aus dem Dienst ausschied, bewirtschaftete ein Pächter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Rittergut. Er bewohnte mit gehobenem familiären Aufwand mit seiner Familie zunächst das Herrenhaus in Staucha, später das Schloss des Rittergutes in Noschkowitz, bei Ostrau.
Während des Zweiten Weltkrieges kommandierte Herr U., der Rittergutspächter, als Rittmeister eine Kavallerieeinheit der deutschen Besatzungstruppen in Paris. Mein Onkel sorgte in seiner Einheit als Schmiedemeister für den Hufbeschlag. Wie alle Besitzungen über 100 ha ging das Rittergut enteignet in so genanntes Volkseigentum über. Der 1945 den Krieg überlebende Nachkomme der Schröberschen Familie wurde, wie alle nicht geflüchteten so genannten Junker, deportiert. Ob und wie er die Deportation überlebte, ist nicht bekannt.
Nicht wie die Herrensitze in Stauchitz, Stösitz und Seerhausen, die abgerissen wurden, um Baumaterial zu gewinnen und die junkerlichen Statussymbole zu vernichten, blieb das Herrenhaus erhalten. Inneneinrichtungen und Ausstattungen sollen unbekannte Verwendung gefunden haben. Vertriebene aus den Ostgebieten fanden im Herrenhaus Wohnung. Als Kindertagesstätte und anderweitig wurde es genutzt. Scheune und Stallanlagen fanden Verwendung bei der Tierhaltung durch die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, LPG „Thomas Münzer“; und „Neuer Weg“
Gebäude, welche die Ostseite des Vierseitenhofes begrenzten, in denen sich Stallungen, Brennerei, Wagenschuppen u.A. und so genannte Kutscherwohnung wurden zu Wohnhäusern ausgebaut.
In der Mitte des Hofes stillte eine steinerne Viehtränke, die aus einem artesischen Grundwasserquell auf der Anhöhe zur Marienhöhe gespeist wurde, den Durst der Zugtiere nach getaner Arbeit.
Die artesische Wasserquelle funktioniert auch heute noch. In einem Gully, in dem eine Abflussleitung mündet, hört man den Wasserfluss noch rauschen. Er befindet sich am Giebel der Scheune des Grundstücks von Herrn Marc Böttcher auf der Riesaer Strasse 2.
Im Innenhof an der Nordseite, vor dem Kuhstall, befand sich eine allseitig offene, durchfahrbare Überdachung zur sonnengeschützten kurzeitigen Grünfutterlagerung. Mit einer Steinmauer eingegrenzt, befand sich an der Westseite der Stallanlage zur Ortsseite hin der Lagerplatz für Stalldung. Bei Ostwind beeindruckte die Geruchskomponente. Man legte Wert auf fachmännische Stalldungbereitung zur Erhaltung wertvoller Nährstoffe. Voraussetzung war der Stalldung, wollte man trotz Lommatzscher-Pflege-Böden hohe Erträge erreichen. Erfolgreiche Landwirtschaft sichert dem Boden die Ergänzung verbrauchter Nährstoffe zu, durch fachmännisch bereiteten Stalldung.
Wirtschaftseigene Dünger waren die Hauptnährstoffquellen für landwirtschaftliche Produkte. Mineraldünger in heutiger Anwendungsform, Qualität und Menge setzte sich erst ab Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts durch. Und, wie wir inzwischen zunehmend wissen, umweltverschmutzend kann er vor allem für die Grundwasserbelastung Schäden anrichten. Zu dieser Zeit hätte von ökologischem Anbau gesprochen werden können, wäre der Begriff schon bekannt gewesen.
Eine Weisheit von Landwirten: Zeig mir deinen Mist und ich sag´ dir, wer du bist!
Vor dem Eingangstor, es wurde fast originalgetreu wiedererrichtet, befand sich der Anstellplatz

Zum Arbeitsbeginn versammelten sich Gespannführer, Gutsarbeiterinnen und -arbeiter am Anstellplatz vor dem Rittergutstor und erhielten ihre Aufträge vom Inspektor und den Verwaltern. Vor Arbeitsbeginn, zur Mittagspause, am Arbeitsende, sah man die Rittergutsarbeiterinnen und Arbeiter schweren Schrittes, gebeugt von der ständig unter freiem Himmel zu leistenden Arbeit, von und zu ihren Wohnhäusern gehen. Das Rittergut war im Ort der größte Arbeitgeber. Der kärgliche Lohn und in den meisten Familien Kleintierhaltung, sicherte den Gutsarbeitern einen bescheidenen Lebensstandard.
Einen Teil ihres Lohnes erhielten die Landarbeiterinnen und – arbeiter mit dem so genannten Deputat in Naturalien vergütet. Arbeitslosigkeit im heutigen Ausmaß war unbekannt. Nur notorische Taugenichtse waren als Arbeitslose bekannt. Arbeitskräftebedarf deckten die Landwirte durch den Einsatz von sogenannten Ostarbeitern.
In so genannte Kasernen, spartanisch eingerichteten Unterkünften, waren sie untergebracht. Von der Gurtsverwaltung konnte nicht verhindert werden, dass kleine Mengen Futter zur Kleintierfütterung mitgenommen wurden. An den geschulterten Arbeitsgeräten sah man dann an den Zinken aufgespießte Rüben oder auch einmal ein Gebund Stroh.
Böse Zungen behaupten, dass einmal einem Rittergutsarbeiter, der schweren Schrittes dahin schritt, ein Gebund Stroh auf seinem Rücken angezündet worden sei. Er hätte es erst bemerkt, als ihm sein Wams bedenklich warm wurde.
Erntearbeiten erfolgten in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts noch von Hand.
Zuckerrüben mussten noch manuell verzogen werden, da es einkeimiges Saatgut noch nicht gab. Mit zweizinkigen Hebegabeln, an denen ein sogenannter Tritt befestigt war, hob man die Rüben aus dem Acker. In Reihen abgelegt, wurde mit speziellen Köpfmessern die Blätter abgeschlagen.
In einer späteren Entwicklungsphase entfernte man die Bätter von den Zuckerrüben mit Köpfschippen. Die schwere Bückarbeit unterblieb dadurch.
Maschinell konnten die Rüben aus dem Boden gehoben werden.
Rübenvollerntemaschinen vereinigen heutzutage sämtliche Erntevorgänge bis hin zur Stapelung des Erntegutes am Feldrand. Die Befreiung des größten Teils der Erdanhaftung ist damit eingeschlossen. Der Erdbesatz beim Transport in die Zuckerfabriken konnte damit entscheident reduziert werden. Rübenschläge wurden in Teile vermessen und an Gutsarbeiter und andere vergeben und vergütet. Nicht nur Gutsarbeiter, auch andere Bürger beteiligten sich an den Erntearbeiten. Fleißige Arbeit gewährleistete, Geld zu verdienen und für die Kleintierhaltung Futter als Deputat zu erarbeiten. Schuhmacher, vier davon waren in unserem kleinen Ort ansässig, und andere besserten ihren Lebensunterhalt durch Saisonarbeit in der Landwirtschaft und beim Obstpflücken auf.
Bis zum Abtransport in die Zuckerfabrik warf man die Rüben zu größeren Haufen zusammen und deckte sie, um den Verlust durch Verdunstung zu mindern, mit den Blättern ab.
Im Spätherbst erfolgte der Transport der Rüben zum Verladebahnhof nach Stauchitz. Schwere eisenberäderte Wagen mussten zumeist vierspännig von den nicht ebenen Feldern bewegt werden. Herbstliche Witterungsverhältnisse bewirkten, dass der Abtransport oft zu einer Schlammschlacht verkam.
Für die tonnenschwere Last waren die Wege nicht befestigt und zu diesem Zeitpunkt gerieten sie in ein von Furchen durchzogenes Schlachtfeld.
Erst nachdem sich die Gummibereifung durchsetzte, ließ sich der Druck auf breitere Auflagefläche verteilen und die Schäden auf den zumeist unbefestigten Wegen verminderte sich. Für heutiges Verkehrsverständnis, wo bereits ein Schlagloch als Zumutung empfunden wird, nicht zu begreifende Verhältnisse.
Dankenswerter Weise stehen dem Verfasser Aufnahmen aus dem ersten Viertel des Zwanzigsten Jahrhunderts zur Verfügung, die den misslichen Zustand auf den Strassen unseres Ortes dokumentieren. Sie hier darzustellen ist aus Platzgründen nicht möglich.
Die Herbstfurche wurde in den schweren Lösslehm-Böden der Lommatzscher Pflege mit den zahlreichen Pferde- und Ochsengespannen gezogen. Man sah sie, wie sie in Reihe nacheinander arbeiteten. Durch die Hüh- und Hot – Rufe und nicht selten auch in der Zoologie angelehnte Flüche wurde dabei die ansonsten ländliche Stille unterbrochen. Traktoren, zumeist Lanz-Bulldog, setzten sich erst allmählich durch.
Als Transportmittel für die Ackergeräte vom Gut auf die zu bearbeitenden Flächen verwandte man so genannte Schleppen. Es waren Konstruktionen aus Holzbalken. Wenn sie auf den Landwegen entlang schleiften, ebneten sie zum Teil die Fahrrinnen durch die eisenbereiften Landfahrzeuge wieder ein.
Für ertragreichen Zuckerrübenanbau genügte die Pflugtiefe nicht, die mit Zugtieren gezogen werden konnte.
Ein Dienstleistungsunternehmen, welches Dampfpflüge unterhielt, war in der Lage, einen Teil der Ackerflächen, auf den vorher Stalldung ausgebracht worden war, tief zu pflügen.
In den Herbstmonaten beeindruckte die Pflugarbeit der Dampfpflüge. Sie demonstrierten, wie in dieser Entwicklungsphase bodenschonend die Herbstfurche tiefgründig gezogen werden konnte.
Zwei selbstfahrende, mit schweren, breiten Eisenrädern versehene Dampfmobile leisteten mit den Antriebsmitteln Kohle und Wasserdampf und einem mehrscharigen Kipppflug Pflugarbeit in dem schwer bearbeitbaren Lößlehmböden der Lommatzscher Pflege.
Unter der Mobile rotierte eine waagerecht arbeitende Seiltrommel. Hunderte Meter entfernt an den Schlagenden gegenüber positioniert, zogen sie den schweren Pflug an einem Seil hin und her, der von einem Maschinisten furchengetreu gelenkt wurde. Tiefgründige Bearbeitung war die Voraussetzung für beachtliche Erträge im Zuckerrübenanbau.
Mit Wasserwagen wurden die Dampfmobilen kontinuierlich versorgt zur Dampferzeugung. Die Flächenleistung war durch den verwendeten mehrscharigen Pflug beachtlich. Nur wenige Tage war das Schauspiel der Dampfpflüge um den Ort herum zu sehen und zu hören. Mussten doch von den Dampfpflug – Betreibern, die ihren Sitz in der Kleinstadt Mügeln hatten, für zahlreiche Kunden in den großen Gütern der Lommatzscher Pflege die vertraglich geregelten Aufträge erfüllt werden. Bis starker Frost die Pflugarbeit verhinderte, hörte und sah man die Mobilen arbeiten. Voraussetzung war, dass die zu bearbeitenden Schläge vorher von den sie belegenden Kulturen geräumt worden waren.
In der Neuzeit, in der die Technisierung der Landwirtschaft vollzogen wird, gelang es nicht, eine dem Dampfpflug ähnliche Bearbeitungstechnik zu entwickeln. Mit starkem Bodendruck verbreitenden Traktoren wird auf den Feldern die Bodengare eingeschränkt und den Bodenlebewesen nicht geringer Schaden zugefügt. Versucht wird, große, schwere Maschinen mit sehr breiten Reifen arbeiten zu lassen. Der ungünstige, die Bodengare behindernde, Bodendruck kann dadurch in erträglichen Grenzen gehalten werden. Im Ackerboden lebenden Mikroorganismen, die für den Aufschluss der für die Pflanzen erforderlichen Nährstoffe verantwortlich sind, müssen durch Düngung, Bestellung, Pflege der Kulturen, möglichst optimale Lebensbedingungen geschaffen und erhalten werden.
Für Kinder war die Dampfpflugarbeit jährlich ein Ereignis. Die ständige Hin- und Herfahrt des riesigen Pfluges beeindruckte. War ein Maschinist ein Verwandter eines Dorfkindes, war es schon einmal möglich, auf dem Pflug mitfahren zu dürfen.
Feldmäuse beförderte der Pflug durch seinen Tiefgang zu Tage. Sie wurden von den Kindern gefangen, in Gruben gesammelt und den Katzen angeboten.

Starkregen verursachte nicht selten Überschwemmungen. Tiere standen dabei kurzzeitig im Kuhstall des Rittergutes durch das vom Park her einströmende Wasser bis in Körperhöhe im Wasser. Der Misthof wirkte zugleich als Rückhaltebecken um das Hochwasser in das Kanalsystem des Ortes einigermaßen dosiert abfließen zu lassen. Das um das Gut herum angelegte Abwassersystem war nicht genügend dimensioniert, um die Hochwassermassen bei Starkregen aufzunehmen. Entlang der jetzigen Riesaer Straße befand sich ehedem ein offener Graben, der zur Ableitung des Wassers diente. Er schränkte die Breite der Straße ein. Ein relativ aufnahmefähiges Abwassersystem wurde installiert. In der Riesaer Straße eingebaute Rohre haben einem Durchmessen von 1,10 m. In den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konnte das mit 110 cm Durchmesser dimensionierte Kanalsystem die Wassermassen der so genannten Jahrhundert-Hochwasser nicht aufnehmen. Bis zu 1 m hoch schoss aus den Gullys in der Riesaer Straße das Wasser.
Von den von drei Seiten in das Tal der Riesaer Strasse einströmende Wassers, entstand ein sehr starker Überdruck im Kanalsystem. Deckel der Einflussvorrichtungen wurden fortgetragen. Dieselfässer und alles nicht befestigte Material schwamm auf der Riesaer Straße im reißenden Fluss entlang. Keller tiefliegender Häuser und Brunnen mussten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Teile der Kirchstraße und die Riesaer Straße verwandelten sich in solchen Situationen zu reißendem Strom. Durch sie floss das Hochwasser von dem sich nach Westen, Norden und Süden neigenden Marienhöhe-Plateaus in das Tal der jetzigen Riesaer Strasse.
Rückhaltevorrichtungen im Park und in Höhe der so genannten Trebschen Hohle, waren zwar angedacht aber nicht ausgeführt worden. Der zwischenzeitlich aufgeschüttete Damm schützte, als er noch unbeschädigt war, den Bereich Rittergut, endete jedoch an der Straße nach Treben. Von da aus sind die Kirchstraße und die Riesaer Straße nach wie vor Abfluss für mögliche Hochwasser. In einer Darstellung an anderer Stelle wird darauf eingegangen, wie die beschriebenen Gefahren gemildert werden könnten. Die Gemeindeveraltung sollte diese Hinweise beachten!
Die Hochwassersituation im September 2005 ist beredtes Zeugnis dafür, dass die Befürchtungen und Empfehlungen nicht übertrieben waren.
Es ist davon auszugehen, dass durch die sich vollziehende Klimaänderung Unwetterhäufigkeit zunimmt.

Durch mangelnde Instandhaltung wären das Herrenhaus und die Nebengebäude wahrscheinlich dem Verfall preisgegeben gewesen.
Nach der Wende hatte der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden und die Erhaltung begann. Dank der Initiative des Bürgermeisters gelang es, Staucha als Förderdorf einstufen zu lassen. Gefördert wurde die Initiative durch ein Programm der Europäischen Union, das als“Leader II“ bezeichnet wird. Die daraus zu erhaltenen beachtlichen Geldmittel konnten in der Lommatzscher Pflege unter anderem zur Rekonstruktion des Schleinitzer Schlosses und Teilen des Rittergutes in Staucha mit Herrenhaus und ehemaligem Kuhstall eingesetzt werden.

Beim Schreiben am 28.8.1999 an diesem Teil, las ich auf der ersten Seite der Sächsischen Zeitung: Zitat:

Attraktion in Staucha noch vor der Jahrtausendwende

„Noch vor der Jahrtausendwende soll Staucha um eine Attraktion reicher sein. In einem Teil des ehemaligen Rittergutes wird dann eine Mehrzweckhalle mit entsprechenden Sanitäreinrichtungen seiner Bestimmung übergeben. Der Raum soll sowohl für Direktvermarktung landwirtschaftlicher und handwerklicher Erzeugnisse als auch für die Durchführung kultureller Veranstaltungen und zur Pflege des Brauchtums genutzt werden.
Fortgeführt werden auch die Arbeiten am ehemaligen Herrenhaus. Hier werden die Hinterfront und die Fenster erneuert und Heizung und Sanitäranlagen modernisiert. Insgesamt fliesen in die Bauarbeiten 16 Millionen Mark, wobei 80 Prozent dieser Mittel über die Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union, Leader II, bereitgestellt werden.“

Die genannte Mehrzweckhalle ist der ehemalige Kuhstall. Erhaltenswert ist die architektonische Besonderheit der Gewölbekonstruktion mit den toskanischen Säulen.
Anfangs meiner Erinnerungen versuchte ich die damit verbundenen Ereignisse zu beschreiben.

Staucha ist Förderdorf. Durch diesen Status wurde unser Ort regelrecht aufgemöbelt. Nicht nur die Straßen wurden aufwendig gepflastert oder mit Bitumendecke sowie Ver – und Entsorgungseinrichtungen versehen, auch das Rittergut wurde, wie im Artikel der SZ beschrieben, rekonstruiert.
Bei den Stauchaer Gütern, wobei das Rittergut von mir als Hauptgut angesehen wird, ist es Wert, zu verweilen.
Gelegen sind sie in einem der ertragreichsten Böden Deutschlands. Bodenwertzahlen von 70 – 100 sind die Regel, so genannte Reichsklasse – Böden mit der Bodenwertzahl 100 kommen vor.
Nicht umsonst wurde von den Bauern unserer Gegend von den so genannten „Samt-Bauern“ gesprochen. Der Gegensatz dazu sind die „Sand-Bauern“, die in den nördlich gelegenen Gebieten des Kreises Riesa-Großenhain beheimatet sind. Bereits im Jahnatal, dem ehemaligen durch tektonische Vorgänge veränderten Muldental, liegende Anschwemmböden, zeigen verminderte Ertragsfähigkeit.
Daraus lässt sich erkennen, dass, obwohl das Hauptgut, das Rittergut, nur über etwa 350 Acker = 175 ha Ackerland verfügte, ein so großer Hof errichtet werden konnte.
Notwendig war diese Größe, um die reichen Ernten ein – und unterzubringen. Außerdem war zur Unterbringung und Bearbeitung der Ernte eine sehr große Feldscheune auf dem so genannten Damm vorhanden.
Bis in die Sechzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts verlangte die Bergung des Getreides mehrstufige Ernteverfahren. Nachdem die technische Entwicklung die Getreideernte mit Sense und Sichel, von Mähbindern gemäht, die so gewonnenen Garben zu Puppen zum Trocknen aufgestellt, auf Leitererntewagen manuell zu Fudern aufgeladen, zu Druschplätzen oder in Scheunen geborgen, abgelöst wurde. Große Scheunen waren zur Bergung des Getreides erforderlich, um in den Wintermonaten die Körner mit mobilen oder in die Scheunen eingebauten Druscheinrichtungen zu gewinnen. Sprunghaft entwickelten sich in den letzten Fünfundzwanzig Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Produktivkräfte. Sie gestatten in einer Einphasenernte die Gewinnung des Getreides durch den Einsatz von leistungsfähigen Mähdreschern. Waren ehemals Hunderte Arbeitskräfte erforderlich, bewältigen mit den riesigen Maschinen ein qualifizierter Maschinist und entsprechende Abfuhrtechnik die Getreideernte für die jeweiligen Bauernhöfe.

Wie an jedem herrschaftlichen Anwesen, schloss sich dem Herrenhaus eine Gärtnerei und ein gepflegter Park an.
Der wieder erreichte Zustand des Parks in Staucha lässt erahnen, welcher Pflegezustand damals bestand.
Mit dem Sohn des Rittergutspächters war ich als Grundschüler befreundet. In eine andere Welt geriet ich, wenn ich ihn besuchen durfte. Durch das gewaltige Herrenhaus ging’s mit dem Tretauto in den Park. Der sich für die kindliche Vorstellungswelt unendlich, fast bis zur Marienhöhe hinzog. Auf gepflegten Wegen mit Randbord konnten die Herrschaften im Park lustwandeln.
Als Schulkinder verdienten wir uns in den Ferien beim Rübenverziehen, Kornblumen – und Meldenziehen im Getreide, einige Groschen. Damals gab es giftige Pflanzenschutzmittel noch nicht.
Mehr als paar Groschen waren es nicht bei den damaligen Stundensätzen.
Zu eifrig, beim Rübenverziehen eilte ich den Anderen voran, züchtigte mich der so genannte Leutevogt mit einer Maulschelle. Daraufhin ging ich nie wieder aufs Rittergut zur Kinderarbeit.
Beim Bauer Bennewitz in Dösitz verdiente ich mir Urlaubsgeld. Hier hatte ich Familienanschluss und mein Eifer fand offensichtlich Anerkennung.
Als Nebengüter zum Rittergut sind bekannt die Schäferei in Niederstaucha und das Beigut in Wilschwitz, das Trebsche Gut und das Gut auf dem Pössig.
Das Pössig-Gut ist deshalb für mich besonders erwähnenswert, weil die Vorfahren mütterlicherseits zum Teil daher stammen.
Früher soll es eine Ausspanne auf der Alten Poststraße gewesen sein. Napoleon soll auf seinen Russlandfeldzügen auf der „Alten Poststraße“ entlang und empfindlich geschlagen wieder zurückgeeilt sein.
Bauern und Bewohnern angrenzender Gegenden werden sich daran nur ungern erinnern. Aus ihnen wurden Lebensmittel, Schlachtvieh, Essbares gepresst. Truppenversorgung konnte nur so garantiert werden. Alte Leute hörten noch davon, dass die Heerscharen Napoleons und Preußische Besatzungstruppen auf dieser Straße zu ihren Russlandfeldzügen und anderen kriegerischen Ereignissen marodierend daherzogen.
Und heute leuchtet das rotgedeckte Dach des Pössigs wieder von Ferne. Die neuen Besitzer rekonstruierten es.

Besonders einprägsam sind aus der damaligen Zeit noch die Rittergutsarbeiter, die schweren Schrittes zur – und von der Arbeit früh, mittags und abends das Ortsbild prägten. Gebeugt von der schweren Arbeit schritten sie dahin. Zumeist hatten sie ein Arbeitsgerät geschultert. An ihm hing ein für die Kleintierfütterung geeignetes Mitbringsel.
Oft führte der Weg der männlichen Rittergutarbeiter beim Kaufmann vorbei. Zu meiner Jugendzeit war der beeindruckende Kaufladen, an der höchsten Stelle des Ortes gelegen, im Besitz der Familie Karte. Einige Rittergutsarbeiter schwenkten von der Arbeit kommend in ihn hinein und ließen sich ein alkoholisches Getränk zur Stärkung nach der schweren körperlichen Arbeit einschenken. Vom Kaufmann wurde der Preis gestundet, bis er bei der nächsten Löhnung vom kärglichen Lohn beglichen wurde.

Der kleine Ort Staucha bestand bis in die Dreißigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts noch aus zwei Gemeinden, aus Niederstaucha und Oberstaucha.
Kleinstaaterei, wie sie im Buche stand. Für heutige Verhältnisse, wo ganze Territorien mit zahlreichen Orten eine Gemeinde bilden, unvorstellbar.
Dagegen entsprach das Kirchspiel schon damals etwa der Größe heutiger Großgemeinden. Wie sonst hätte sich ein kleiner Ort, wie der unsrige, ein so repräsentatives Gotteshaus leisten können.

 

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