Feed auf
Postings
Kommentare

Wendet sich der Wanderer nach Norden, nachdem er am so genannten „weißen Stein“
angelangt ist,führte der Spazierweg linker Hand an einer ehemals großen Obstanlage vorbei. Sie war das besondere Merkmal des Wilhelmschen Gutes in Steudten.
Sie wurde nach der Wende gerodet und geschräddert. Das so gewonnene Substrat konnte als bodenverbesserndes Material verwendet werden.
Vor der Wende musste die Obstanlage unwirtschaftlich erhalten werden, um dem Obstbaum – Sollbestand im Landkreis Riesa zu erfüllen. Die alten Apfelsorten konnten nur noch der Versaftung zugeführt werden. Ertragspotential und Qualität befriedigten nicht mehr. Lediglich die Birnensorte „Clapps Liebling“ war ertragreich. Mit ihr konnte die Rentabilität nicht erhalten werden. Jahre vor der Wende erhielt ein Pächter der Obstanlage von der GPG“Sonnenschein“ finanzielle Unterstützung zur Anlage eines Sauerkirschen-Quartiers.
Der Wanderer erinnert sich, dass der tiefe Geländeeinschnitt, der vom Ort Steudten in Richtung Jahna vorhanden ist, zur Anlage eines Staubeckens dienen sollte. Die in Steudten vorhandenen Quellen sollten dieses Becken füllen. Als Teilobjekt später beschriebenen Bewässerungssystems der LPG ”Sonnenschein„ hätte diese angedachte Maßnahme ein Investobjekt sein können.

Rechterhand weitet sich der Blick in Richtung Staucha. Die sich nach einem tiefen Einschnitt erhebenden und nach Osten senkenden Esels- und Galgenberge bleiben rechts liegen.
Am Nordabhang angelangt, liegt vor dem Wanderer das Jahnatal ausgebreitet.
Blickfang ist die große Hallenkombination südlich vom Ort Hof auf der weithin sichtbar „EDEKA“ prangt.
Vor der Wende war sie Hauptsitz der GPG, ab 1985 der LPG „Sonnenschein“.
Auf deren Geschichte und einige Aspekte aus dem Geschehen um „Sonnenschein“ soll noch eingegangen werden. Die Orte Binnewitz, Hof und Teile von Stauchitz werden sichtbar. Durch die Bahnlinie Riesa – Chemnitz wird das Jahnatal geteilt. Fast parallel zu ihr verläuft die stark frequentierte B 169. Damit den gefahrvollen Ortsdurchfahrten Stauchitz ,Stösitz-Plotitz und Seerhausen ausgewichen werden kann, soll in absehbarer Zeit dieser Verkehrsweg das Jahnatal meiden und erst bei Salbitz wieder in die B169 eingebunden werden. Südlich der Bahnstrecke befinden sich bis in die Höhe von Stauchitz die angewehten, leicht bis stark welligen, fruchbaren Lößlehmareale des Nordrandes der Lommatzscher Pflege.
Als Erzgebirgsvorland wird das sich nach Süden ausdehnende Hügelland bezeichnet. Im Jahnatal überwiegen Anschwemmböden des Urstromtales der Mulde, in der nach tektonischen Änderungen die Jahna fließt. Nördlich davon nehmen weniger ertragreiche sandige Lehme und lehmige Sande als Bodenarten zu.

Zunächst gelangt der Wanderer nach einem Steilabstieg in den kleinen Ort Wilschwitz.
Auch hier lohnt es sich gedanklich zu verweilen:

Wilschwitz ist ein sagenreicher Ort.
Das Ortsbild wird geprägt durch den grossen Vierseitenhof. Er war eines der Beigüter des Stauchaer Rittergutes.
Dicht an den Häusern von Wilschwitz stehen die Bäume des „Hölzchens“.
Der anschließende Höhenrücken wird im Volksmund „Galgenberg“ genannt. Er soll Richtstätte für Verurteilte gewesen sein.
An der Straße Staucha – Dösitz, gegenüber dem ehemaligen Teich, steht die von alten Kastanien flankierte so genannte “ Peine „.
Bei näherem Hinsehen erkannte man, etwas verwaschen zwar, „Gasthaus zur „ Peine“.
(Heute erstrahlt das Haus in „Nachwende Farbgebung“)

In Gedanken wollen wir nun an diesem Ort verweilen.

Die Feudalherren des Mittelalters hatten das Privileg der Gerichtsbarkeit Es ist als wahrscheinlich anzusehen, dass die „Peine“ eine Stätte war, in der die Gerichtstage abgehalten wurden. Auf dem „Galgenberg“ vollstreckte der Scharfrichter die Todesurteile. Zur Haft Verurteilte fanden als Vollzugsanstalt die „Peine“. Der Name lässt sich demzufolge davon ableiten, dass Bürger gepeinigt wurden, dass ihnen große Pein widerfuhr, sobald sie mit dieser Stätte in Berührung kamen.

Später als die Rechtsprechung andere Formen annahm, ist aus der „Peine“ eine Gaststätte mit Schank-, Brau- und Herberge Recht entstanden.

Von diesem Gasthaus wird folgendes erzählt:

Ein Gastwirt hatte einen Sohn, der mit anderen jungen Männern als Landsknecht gedungen war. Nach vielen Jahren kehrte er und sein Freund nach Hause zurück, nicht ohne einen reich gefüllten Säckel mit Dukaten. Jugendlicher Übermut gebietet beiden, sich ihren Eltern nicht sofort zu erkennen zu geben. Die Eltern indes sehen in ihrem Jungen nur einen Reisenden, der Quartier begehrt.
Die Neugierde und Habgier treiben die Wirtin, nachdem sie den „Fremden“ schlafend weiß, an seine Ruhestatt. Sie durchwühlt das Reisegepäck und entdeckt zu ihrem, ihres Sohnes Unglück den Säckel mit den Münzen. In verbrecherischer Verblendung und Habgier kommt ihr der Gedanke, dass das Geld ihr Eigentum werden müsse. Nach Rücksprache mit ihrem Mann, der Bedenken äußert, ergreift die Wirtin dennoch das Beil, erschlägt den Schlafenden und verscharrt ihn im Keller unter Sand und Steinen.
Tags darauf erkundigt sich der Freund, der seine Eltern in der „Kleinen Mühle“ wieder fand, nach dem Befinden seines Gefährten.
Die Wirtin weiß jedoch zu berichten, der Gast sei bereits abgereist. Unglauben lässt ihn darauf hinweisen, dass das Pferd ja noch im Stall stehe.
Lassen wir den Rest der Überlieferung ein Volkslied besingen, welches von der grausigen Geschichte zu erzählen weiß:

„Ach nein, ach nein, das kann nicht sein, das Rösslein steht im Stall allein“.
„Habt Ihr ihm was zuleide getan, so habt Ihr ` s Eurem Sohn getan, der aus dem Feld ist kommen!“
Der nächste Vers sagt aus:
„Der Mann sich an dem Baum erhang, das Weib wohl in den Brunnen sprang, die Schwester ging vor Schmerzen ein, ist das nicht eine große Pein?“
Als Mahnung lässt das Volkslied vernehmen:
“ Ja, das verfluchte Geld und Gut, bringt manchen um sein Hab und Gut, ja um sein eig nes Leben“.
Die Sage kann natürlich nur als solche betrachtet werden und ist frei nacherzählt worden!

Die Peine macht auch später durch überlieferte, erstaunliche Geschehnisse von sich reden, aber nur abergläubische Menschen werden daraus folgern, dass auf der „Peine“ ein Fluch liege:

Eine Geschichte sei noch auszugsweise aus einer alten Chronik wiedergegeben:

“ Im Jahre 1697 lagen Cavaleristen in Wilschwitz im Quartier und gingen in der Schänke ein und aus. Einer unter ihnen, namens Johann Weinert, ließ sich mit der Ehefrau des Wirthes, Erasmus Bäumlers, in einen Liebeshandel ein, der nicht ohne Folgen blieb. Am 15. Februar will Bäumler in Geschäften sehr früh nach Meißen reisen. Seine Frau setzt seinen Liebhaber von diesem Vorhaben in Kenntnis. Weinert verbirgt sich daher mit einem anderen Reiter, Michael Becker, in dem der so genannten „Kleinen Mühle“ in Niederstaucha gegenüberliegenden Keller und schießt Bäumlern, als er früh nach 3 Uhr vorübergeht, mit drei Kugeln nieder. Er trifft ihn aber, weil der Karabiner überladen ist, etwas zu tief, so dass der Schuss nicht augenblicklich tötet.
Becker, welchem Weinert 10 Gulden versprochen hat, wenn er den Peinwirth mit würde tödten helfen, springt schnell aus dem Keller und schlägt dem Verwundeten mit dem umgekehrten Karabiner den Hirnschädel ein. Der Wirth haucht seinen Geist auf der Stelle aus, wird seines Geldes von beiden Mördern beraubt, in den Mühlgraben geworfen und mit Schnee bedeckt. Eine Stunde nach dieser verruchten Tat wird die Wirtin von einer Tochter entbunden. Der Leichnam ihres Mannes wird schon bei anbrechendem Tageslicht aufgefunden und erkannt. Die Mörder werden mit der Wirthin zur Haft gebracht und empfangen nach eingestandener Tat den verdienten Lohn. Weinert wird als Arrestant nach Liebenwerda gebracht und auf dem Marsche erschossen. Becker zu Grimma gerädert und die Wirthin, welche bekannte, dass sie die Mörder bestellt habe, am 23. Juli desselben Jahres zu Meißen in der Elbe gesäckt“

Wie man sieht war der Strafvollzug abschreckend und spätmittelalterlich grausam.
Vor allem „gesäckt“ erscheint besonders spektakulär.
Die Verurteilte musste dazu in einem Sack so lange von einer Brücke in die Elbe getaucht und wieder herausgezogen worden sein, bis sie ihr Leben ausgehaucht hatte.

Kommentar abgeben

Du musst Dich anmelden um einen Kommentar abzugeben.