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Zur Erinnerung an die erste größere Fahrt nach der Wende schrieb ich auf :

„Einige Gedanken zu einer Fahrt über deutsche Landstraßen, zur Visite bei Bekannten und zur Erinnerung an Erlebnisse vor einem halben Jahrhundert.
Oma und Opa B. lieben ihr Zuhause.
Sie empfinden jeden Tag ihres Zusammenseins, die Möglichkeit, sich in ihrem und ihrer Kinder Garten zu beschäftigen, den Umgang mit ihrer kleinen Hühnerschar und sich für die Familien ihrer Söhne ein wenig nützlich machen zu können, als Geschenk.
Das vielen Menschen innewohnende Fernweh ist bei ihnen wenig ausgeprägt. Längere, große Reisen sind deshalb bisher unterblieben. Mit Kurztrips befriedigten sie ihre Reisebedürfnisse.

Für 1995 war langfristig eine Fahrt in westliche Gefilde vorgesehen und bei Freunden, die dabei aufgesucht werden sollten, angekündigt. Gefördert wurde das Vorhaben durch den Erwerb des „Golf – Variant – Europe,“.
Schweren Herzens hatten sich die Bchs. vom „Wartburg 1,3“ mit VW-Motor getrennt, den sie kurz vor der Wende, nach jahrelangem Warten, noch erwerben konnten. In der DDR war es ein Ereignis besonderer Art, ein Auto kaufen zu dürfen. Sogar unter dem Weihnachtsbaum lag die Bezugsberechtigung für den Wartburg. Wenn man wollte, konnte man meinen : Ein Geschenk des Himmels. Mit der Wende stellte sich der Automarkt auf den Kopf. Soeben noch freudig erregt, ein Auto zugeteilt erhalten zu haben, war es wenige Monate später nur noch wenig Wert. Wer ein DDR-Auto fuhr wurde als Nostalgiker angesehen oder einer, der sich noch keinen „Westwagen“ zulegen wollte oder konnte. Der Zeitzwert eines DDR-Fahrzeuges schrumpfte auf ein Minimum zusammen. 35000 Mark/DDR hatte ich für den Wartburg-Tourist gezahlt. Als mir mein Autohändler noch 7500 DM dafür anbot, entschloss ich mich sehr rasch, einen Golf-Variant(Europe) zu kaufen. Mit dem Erlös aus dem Wartburg und einem erhandelten Hauspreis war er erschwinglich.
Der „Neue“ sollte in einer längeren Fahrt erprobt und eigentlich erst einmal eingefahren werden.
Der Reisebeginn am 8.5.95 hatte keine unmittelbaren Beziehungen mit dem Fünfzigjährigen Ende des zweiten Weltkrieges. Jedoch war Opas Wunsch, Orte seiner Ausbildungs- und „Jugendzeit“ zu besuchen und der Oma zu zeigen, der Vater des Gedankens. Mit der Fahrt zu meinem Freund Gottfried Bauch nach Syke bei Bremen hatten wir diese Reise in die Vergangenheit begonnen. Als wir dabei Haderslev in Dänemark und Hamburg besuchten, wurden die Erlebnisse am Kriegsende noch einmal wach. Mit Dankbarkeit standen wir vor dem Haus der „Tante Frieda“ in der Praestegade (Priestergasse)in Haderslev. Sie hatte den jungen Deutschen förmlich wie ihren Sohn behandelt.Diese Verbundenheit konnte bis zu ihrem Tode mit einer anregenden Korrespondenz aufrecht erhalten werden. Für eine Ausländerin unfassbar, dass das Eingesperrtsein in der DDR eine Besuchsreise zu ihr für einen Nichtrentner nicht ermöglichte. –

Bei der Festlegung der Reiseroute wurde davon ausgegangen, dass die Autofahrt keine Autobahnraserei werden sollte.
Auf Landstrassen sollten Thüringer Wald, Rhön, Taunus, die Pfalz und der Schwarzwald über- und durchquert, sowie der Bodensee und die Insel Mainau erlebt werden.

Scherzhaft war der Start, einer Bekannten aus dem Niederrhein, die bei Müller / Scheffzicks – Konfirmation zu Besuch war, für 6 Uhr 01 am 8 Mai angekündigt worden.

Nach einem Kilometer stellte sich heraus, dass Opas Mantel vergessen wurde. Zu Hause musste noch einmal aufgekreuzt werden.
Unser Sohn Wolfram stellte fest:“ Ihr seid ja schon wieder da !?“
Damit musste der Reisebeginn als eine Art Fehlstart angesehen werden.
Die Oma, bewaffnet mit dem „ADAC-Maxi-Atlas – Deutschland“ und einer Computer- Ausschrift der Reisestrecke, fungierte als Pfadfinderin. Map&guide-Karten, wie sie 2002 verfügbar sind, standen noch nicht zur Verfügung.
Bei der Durchquerung von Döbeln, Hartha, Altenburg stellte sich heraus, dass der Zeitpunkt des Fahrbeginns und die Fehlstartverzögerung in den Berufsverkehr gerieten. Langsamfahrten und Staus verursachten ein Vorwärtskommen von höchstens 40 km/h.
In Altenburg wichen wir versehentlich erstmals von der geplanten Route in Richtung Schmölln ab. Dadurch kamen wir an dem Klärwerk in Grossstöbnitz vorbei. Der ASECA-GmbH hatte ich dort beim Setzen von Masten geholfen.
Vor Gera passierten wir ungewollt Ronneburg. Zu DDR-Zeiten erregten die riesigen Urangesteinhalden beim Vorbeifahren jeweils erhebliches Unbehagen. Wusste man doch, dass neben der Gefahr der Verstrahlung, das begehrte Uran dazu beigetragen hatte, einen großen Teil der materiellen Schuld der Deutschen, den Russen gegenüber, abzutragen.
Unbestritten ist, dass wir Ostdeutschen mit der in völligem ökonomischen Dunkel gehaltenen Ausbeutung dieses Reichtums und vieler anderer Reparationsleistungen einen erheblichen Beitrag der Nachkriegslasten getragen haben. Unser sehr erfolgreicher Ministerpräsident Biedenkopf hat vor seiner Wahl als Regierungschef im Freistaat Sachsen mit aufschlussreichen Zahlen belegt, dass man den Ostdeutschen ihre Nachkriegsleistungen anerkennen sollte. –

Von Gera aus wählten wir die Strecke über Triptis, Neustadt, Pössneck, Saalfeld, Neuhaus am Rennweg.
Bewusst wollten wir nicht durch das Schwarzatal fahren. Hatten wir es doch bei unseren Ferienfahrten nach Großbreitenbach mehrmals schon durchquert. In Großbreitenbach auf dem Rennsteig hatte „Sonnenschein“ drei sehr schön ausgestattete Bungalows errichtet. In einem davon erlebten wir erholsame Ferientage mit unseren Zwillingsenkeln.
Auf dem Rennsteig, einige Kilometer hinter Neuhaus, in der Nähe von Steinheid, hielten wir unser erstes “ picknick in the open „.
Trotz der Nähe der befahrenen Fernstraße war die Waldluft in einer Höhe von etwa 800 m über NN erholsam.
Schaute man auf die Uhr, so musste man bedenklich feststellen, dass der Zeitplan voraussichtlich nicht eingehalten werden könne.
Einzuschätzen war zu diesem Zeitpunkt, dass Bad Salzschlürf bei Fulda, unser Ziel, günstigstenfalls gegen 17 Uhr zu erreichen sei, ginge es im bisherigen Tempo weiter.
Bei Omas Schulfreundin hatten wir uns für 15 Uhr angekündigt.

Mit unseren Enkeln Alexander und einmal mit den Zwillingen Daniel und Michael, besuchten wir anlässlich unserer Ferienaufenthalte im Ferienhotel „Ringberghaus“ bei Suhl das Spielzeugmuseum in Sonneberg. Dabei kamen wir in der Nähe dieses Rastplatzes vorbei. Ein Ortsname in der Nähe der Zonengrenze, an der Westseite des Thüringer-Waldes, “ Mengersgereuth-Hämmern “ ist mir davon erinnerlich. Der Name lässt sich so leicht merken.
Schnell waren die „93 Golfpferde“ wieder gesattelt und abwärts ging’s über Eisfeld, Hildburghausen in Richtung Meiningen.
Am Kloster Vessra kamen wir vorbei. Wir hatten es mit den Enkeln bereits besucht. Es liegt an der Straße in Richtung Meiningen.
In Obermassfeld – Grimmenthal tankten wir und schwenkten gen Westen
in die Rhön hinein. Erstaunlich war, dass Jahre nach der Wende von den Grenzbefestigungen der DDR für den flüchtigen Betrachter nichts mehr zu erkennen war.
In den alten Bundesländern zu sein, war daran zu erkennen, dass die Felder auffällig Handtuchcharakter annahmen.
Die riesigen, gelbblühenden Rapsfelder am Südhang des Thüringer Waldes wurden abgelöst durch schmale Streifen in der Rhön.
In der Rhön passierten wir u.A. die Orte Mellrichstadt,Ostheim, Ehrenberg auf der Hochrhönstrasse. In 730 m Höhe fuhren wir an der Wasserkuppe mit 95o m Höhe vorbei. Ganz so auffällig empfand man den Unterschied zwischen den Ost- und Westorten nicht mehr, da im Osten sich doch schon ein wenig Farbe in das sonst triste Grau einmischte.
Bei näherem Hinsehen ist auffällig, dass sich die Eigenheime durchweg in einem gepflegterem Zustand befanden, als das im Osten der Fall war.
Vielleicht verwischt sich aber auch der bewundernde Blick ein wenig, weil man die „Segnungen“ der Marktwirtschaft am eigenen Leibe erleben kann.
Diese Bemerkung möchte der Schreiber im positivem Sinne verstanden wissen. Als Optimist vertritt er beharrlich: Opti bleibt, „mist“ wird gestrichen oder zumindest vernachlässigt!

Ohne eigentlich besonders zu eilen, erreichten wir über Ebersburg Fulda gegen 14.45 Uhr. Und nur mit 20 Minuten Verspätung konnten wir am gepflegten Haus, in dem Frau Gerda K. wohnt, unsere Ankunft vermelden.
Für Frau Kittler bedeutete der Besuch von Bekannten aus ihrer Heimat, Freude. Wie es nicht anders sein konnte, boten gemeinsame Jugenderlebnisse, Ereignisse aus der Vergangenheit und Gegenwart, ausgiebigen Gesprächsstoff. Nach einer stärkenden Erdbeerkuchen – Kaffeepause, wurde unser Nachtquartier und Bad – Salzschlürf aufgesucht. Frau Kittler hatte uns Quartier für eine Nacht besorgt. Als gepflegter Kurort mit beeindruckenden gärtnerischen Anlagen im Kurpark wurde uns Bad-Salzschlürf vorgestellt.
Nachdem wir mühsam einen hohen Spazierweg erklommen, konnte die
herrliche Lage des Ortes im Tal zwischen zwei Ausläufern der Rhön und an den bewaldeten Hängen bewundert werden.
Durchflossen wird der Kurort durch die „Altefeld“ und die Lauter, die dann als Schlitz in die Fulda münden. Verwechslungen mit : „die Alte fällt “ sind nicht ausgeschlossen, wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde.
Obwohl anstrengend, war der Spaziergang in, um und um Bad Salzschlürf herum erbaulich und trug dazu bei, dass für die neunstündige Autoreise ein gesundheitserhaltender Ausgleich geschaffen und für das von Frau K. bereitete ausgiebige Abendbrot die Grundlage bereitet wurde.
Frau Kittler hat sich ein schönes Fleckchen Erde als zweite Heimat ausgesucht. Frau Kittler und meine Frau verbanden Jugenderlebnisse. Gemeinsam gings täglich zur Schule. und zurück. Im Grundstück wurde gemeinsam gespielt, rumgetobt. Der Heuboden der Scheune als Spielplatz benutzt. Nicht immer von den Eltern gern gesehen. Frau K. hat die DDR auf abenteuerlichen Wege verlassen. Sie fand Anstellung im Westen bei einer Familie als Hausdame. Als DDR-Rentner reisen durften, lud sie meine Frau zu einem Aufenthalt zu sich nach Bad-Salzschlürf ein. Damals ein überwältigendes Erlebnis. Als ich meine Frau zu dieser Reise auf den Bahnhof begleitete, passierte mir ein Missgeschick. Bis zu ihrem Abteil half ich ihr die Koffer verstauen. Offensichtlich zu lange dauerte mein Service. Der Zug fuhr an. Ich konnte die Tür nicht mehr rechtzeitig erreichen. Ungewollt musste ich bis Oschatz im Interzonenzug mitreisen. Rückkehr nach Riesa und zur Arbeit verzögerten sich um Stunden.
Herzlich ist Frau K. zu danken für die selbstlose Gastfreundschaft. und die Ungelegenheiten, die unser Dort-Sein schuf.

Nachdem uns Frau Kittler am Beginn des zweiten Reisetages mit reichlichem Frühstück versorgte, verabschiedeten wir uns bei unserer freundlichen Gastgeberin mit dem Wunsch, sie bei einem Besuch in der Heimat gern zu einer Fahrt zur Bundesgartenschau nach Cottbus einzuladen.

Die zweite Tagestour führte uns durch die Wälder des Vogelsberggebietes und des Taunus.
Wir passierten u. A. die Städte Lauterbach, Herbstein, fuhren auf der „Deutschen Ferienstraße Alpen – Ostsee“, vorbei an der Ringstraße „Hoher Vogelsberg“ in einer Höhe von über 600 m über NN.
Erinnerlich sind uns die Orte Schotten, Borsdorf, Wölfersheim, Friedberg, Bad Nauheim, Obermörlen, Usingen, Neu -und Altweilnau, Idstein. Beeindruckend waren die für den Laien dichten, intakten Wälder besonders beim Durchfahren und Überqueren der Hoch- Taunus-Straße.
Kein Vergleich dazu sind dagegen die Wälder des Osterzgebirges, die ich vor etwa 14 Tagen erschreckend bewundern musste, als ein Angebot der Firma meiner Söhne in der Nähe von Altenberg – Geising abzugeben war. Hier glaubt man den „Grünen“, wenn sie ein Schreckensszenario über das Waldsterben und im weitesten Sinne den Weltuntergang popularisieren.
Begreifen werden die Menschen jedoch den erhobenen Zeigefinger erst dann, wenn sie, wie die Bergsteiger bei 6 bis 8000 m Höhe, um jeden Atemzug Sauerstoff einmal werden ringen müssen.

Von Idstein aus ging es den Taunus steil abwärts nach Wiesbaden.
In Wiesbaden durfte ich Jahre meiner Jugend im Alter zwischen 16 und 19 Jahren “ verleben“ .Es war eine Zeit härtester Ausbildung.
Musste doch das theoretische Wissen für den Abi Abschluss die körperliche Fitness für mindestens die Bedingungen des “ Reichssportabzeichens“ und anderer Leistungskriterien und die Fähigkeit, als militärischer Leiter einmal tätig zu werden, erworben werden.
Neben den Strapazen der Ausbildung erinnere ich mich in Wiesbaden an die Fa“ Henkel Trocken“, die am Wege in die Innenstadt lag, an das Kurhaus und Theater.
Das Erzeugnis der Fa Henkel war mir zu dieser Zeit leider nur dem Namen nach bekannt.
Bei den Pflichttheaterbesuchen erlebte ich die damals bekannte Sängerin Erna Sack in verschiedenen klassischen Aufführungen.
Fast unerschwinglich für uns arme “ Landser“ gestalteten sich die Besuche im Opelbad auf dem Neroberg. Hier tummelten sich die oberen Zehntausend Nazideutschlands und der hilfswilligen Satelliten in einem für vor einem halben Jahrhundert feudalem Bad.
Erinnerlich ist mir noch, dass ich es interessant fand, mich in eines der zahlreichen Kaffees zu setzen und stundenlang die Menschen zu beobachten.
In Wiesbaden – Biebrich, in der unsere Ausbildungsstätte in der „Hindenburgkaserne“ lag, kann ich mich noch an den ausgedehnten Stadtpark erinnern. An ihm führte der Weg vorbei, den wir zumeist im Laufschritt nehmen mussten, bis wir an’s Rheinufer gelangten. Ein besonderes Kapitel bedeuteten in der sportlichen Ausbildung die Vorbereitungen für im Schwimmen gefordert Leistungen zur Erlangung der „Lebensrettungsmedaille“.
Am Rhein angekommen, lautete der Befehl:“ In zwanzig Minuten treffen wir uns im Bad auf der “ Rettbergsau !“ Zu erreichen war die im Rhein gelegene “ Rettbergsau schwimmend durch den hier mindestens 200 -300 m breiten Fluss. Damals konnte man noch ohne die Haut zu verlieren, im Rhein baden. Ein sehr guter Schwimmer war ich nicht. Hatte ich doch jeweils meine liebe Not, das letzte Stückchen Landende der Insel zu erreichen.
Übungsteil der Schwimmausbildung,zur Erlangung der Deutschen Lebensrettungsmedaille, mindestens 50 m im fließenden Wasser mit Drillichzeug bekleidet tauchen und anschließend die Bekleidungsstücke ohne sich anzuhalten aus dem Wasser an Land zu werfen.
Leichter gesagt, als getan ! Das Rheinwasser, welches ich bei dieser Strapaze schluckte, scheint mir jedoch nicht geschadet zu haben.
Ich sehe mich noch beim 10 000 m -Lauf für das Reichsportabzeichen am Stadtpark entlang in Richtung Eltvill und zurück hetzen. Mit 40,10 min. war ich dabei nicht ‚mal der Letzte. Es gab aber auch einige Experten, die schon 31 min liefen. Der Weltrekord liegt bei etwa 26 bis 27 Minuten.
In unserem Ausbildungsprogramm war Reiten enthalten. Die Pferde wurden jedoch an der Front gebraucht. Als Ausgleich dafür erlernten wir Motorrad- fahren. Zum Beginn musste ich mir eine militärische Schelte, mild ausgedrückt, gefallen lassen. Beim ersten Anfahren gab ich zu viel Gas. In der nahen Hecke kam ich zum Stehen ohne Schaden am Fahrzeug und an der Person zu nehmen. Um so besser ging´s aber später. Das Fahren auf der Straße ist für junge Leute ein Vergnügen. Zum Vergnügen fuhren wir aber zu dieser Zeit nicht. Nachdem man das Fahren einigermaßen beherrschte, ging’s mit den Fahrzeugen ins Gelände. Auch das kann vergnüglich sein. Nur, wenn man mit einem Motorrad durch Schlammstrecken gejagt wird, wo letztlich sich kein Rad mehr dreht, wird einem diese Sportart verleidet.
Die Krönung der Motorradausbildung begab sich auf einer Fahrt nach Schlangenbad, nördlich von Eltville, in den Taunus hinein.
Der Ausbilder zeigte „Halt!“ an. Das Kommando lautete: „Vorder- und Hinterrad abmontieren, Luft ablassen und Schläuche abgeben !“
Weiter wurde befohlen: „In 2 Stunden hat sich jeder in der Kaserne wieder einzufinden!“
Von einem Bauern erbat ich mir von seinem Misthaufen strohigen Mist. Daraus flocht ich wurtstartige Gebilde und quälte sie in die Reifen. Obwohl es beinahe unmöglich ist, die Motorradreifen auf den Felgen zu halten, muss ich irgendwie wieder zurückgekehrt sein.
Als erfreulicheres Erlebnis ist mir erinnerlich, dass mit einem Kameraden ein zweisitziges Paddelboot an freien Tagen geliehen werden konnte. Am Ufer entlang ging’s den Rhein und Main aufwärts in Richtung Frankfurt. Wenn die Kräfte erlahmten, ließen wir uns, die Landschaft genießend, flussabwärts treiben, bis in den heimatlichen Hafen.
Diese kleinen Begebenheiten wurden aus einigen Speicherplätzen des Langzeitgedächtnisses freigegeben als wir in Wiesbaden- Biebrich die „Äppelallee“ überquerten und am Rande des Stadtparkes sogar einen Parkplatz fanden.
Ein vorübergehendes älteres Ehepaar baten wir um Auskunft über die Örtlichkeiten. Nach einem halben Jahrhundert fragt man doch einmal, um die Erinnerungen aufzufrischen.
Die Oma B. verstand es,in einem halbstündigen Gespräch das für uns Wissenswerte aus den alten Herrschaften herauszulocken. Versteht sich, dass dabei beiderseits die gesamte Lebensgeschichte zum Gespräch kam. Ergötzlich war, dass die Dame aus Dresden und der Herr aus dem Erzgebirge stammten.
Für mich galt zu erfahren, ob die „Hindenburgkaserne“ noch existiere. „Die Hindenburgkaserne kennt hier niemand mehr. Dort ist jetzt der Sitz des BKA, des Bundeskriminalamtes!“ erklärte der Herr.
Mein Ziel war, unbedingt noch einmal einen Blick auf das damalige „Domizil“ zu werfen.
Wir entschlossen uns, durch den Park in Richtung BKA zu laufen.
In einem halben Jahrhundert hatte sich das Umfeld gewaltig verändert. Damals konnte man, sofern mich meine Erinnerung nicht täuscht, den Rhein blinken sehen. Inzwischen entstanden ganze Stadtteile. Von unserem Vorhaben brachte uns ein Regenschauer ab. Wir versäumten, den Regenschirm mitzunehmen.
Eilig kehrten wir zum Auto zurück, vorbei an der Rückseite des wunderbar restaurierten Biebricher Schlosses.
Nach einer Tasse Kaffee in einem Ecklokal, der Gastwirt beschrieb uns den Weg genau, fuhren wir bis vor das Schloss an der Rheinseite.
Selbst die weniger kulturbeflisseneren Rheinschiffer werden nicht umhin können, auf dieses Kleinod beim Vorüberschiffen einen Blick zu werfen.
Die Rettbergsau, die Insel im Rhein, die ich schwimmend erreichen musste, diente inzwischen den Autobahnbauern als willkommene Stütze zur Rheinüberquerung bei Mainz.

Als Brandwache auf dem Dachboden der später von unserer Schule bezogenen Rheinkaserne in Wiesbaden – Biebrich, musste ich miterleben, wie wenige Hundert Meter gegenüber auf der anderen Rheinseite Mainz von den Anglo – Amerikanern zerbombt wurde.
Wie Heidelberg, blieb Wiesbaden einigermaßen ungeschoren.
Die Amerikaner hatten sich in weiser Voraussicht einige intakte Städte erhalten, um ihre Kommandostellen nach dem absehbaren Sieg entsprechend installieren zu können.
Gefahrvoll für uns Brand-Wächter auf dem Boden der Kaserne waren die Flaksplitter, die oft zahlreich auf das Dach prasselten und die Trümmer abgeschossener Flugzeuge.

Langsam, beinahe verkehrshindernd, fuhren wir an meiner ehemaligen Kaserne, dem nun hypermodernen, mit Elektronik und Funktechnik bestückten BKA vorbei.
Den Rhein überquerten wir auf einem kleinen Stück Autobahn in Richtung Mainz – Heidesheim .

Ein vergnügliches Erlebnis gab es während der Ausbildungszeit in Wiesbaden – Biebrich, als wir zu einem Ernteeinsatz nach Schwabenheim a. d. Selz abkommandiert wurden.
Mit der Kleinbahn erreichten wir den Weinbauort .
Irritiert war ich beim Kartenstudieren, dass keine Eisenbahn in Schwabenheim ausgewiesen wurde. Erinnerte ich mich doch, dass wir mit einer „Schwäbischen – Eisenbahn –ähnlichen – Kleinbahn“ von Mainz an die Selz gefahren waren.
Später erfuhren wir, dass sie demontiert wurde.

Einem Weinbauern und Weinhändler hatte ich damals zu helfen. Ohne Umschweife wurde nach der Ankunft die Uniform mit Drillichzeug als Arbeitssachen getauscht und ab ging’s mit dem Chef des Hauses in den Weinberg. Es musste zwischen den Weinstöcken Unkraut beseitigt werden.
Vor 50 Jahren beseitigte man Unkraut noch mit der Handhacke.
Heute streitet man darüber, ob und wie die angewandten Herbie – und Fungizide den Wein gesundheitlich beeinflussen.
Nach jedem Umgang pflegte mein Begleiter aus dem mitgeführten irdenen Kruge ein Gläschen Trinkwein zu trinken. Trinkwein ist das in diesem Landesteil übliche Tages-Getränk. Wie anderen Ortes Tee oder bei dieser Gelegenheit „Mokka-fou“ getrunken werden, trinkt man hier „Trinkwein“. Für mich, des Trinkens von Alkohol Ungeübtem, war es zunächst erfrischend, jedoch durch die Wärme zunehmend berauschend. Ich bin heute noch nicht überzeugt davon, dass der Nutzen meines Tuns im Weinberg größer war, als ungewollt angerichtete Schaden. Nach dem Abendbrot war es dann Sitte, dass in den nahen Gasthof noch richtiger pfälzischer Wein getrunken wurde.
Wie ich die, man muss schon sagen, Gelage einigermaßen überstand, vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Schwierig war es, die doch erheblichen Flüssigkeitsmengen ordnungsgemäß zu entsorgen. Die Dachkammer, in der ich nächtigen durfte, war so schrecklich weit oben. Eigentlich wollte ich’s verschweigen, aber es gehört auch zu diesen Erlebnissen, dass die Soldatenschuhe über Nacht als “ Nachthäfle “ (rheinpfälzisch : Nachttopf )herhalten mussten. Entsorgt wurde die Flüssigkeit morgens über Dach und Dachrinne mehr oder weniger unbemerkt.
Meinen Lieben Daheim hatte ich meine Erlebnisse geschildert.
Mein Großvater, familiär „Papa“, sächsisch “ Babba „, genannt, wusste sofort daraus Nutzen zu ziehen. Er forderte mich auf, mit dem Weinhändler einen Liefervertrag zu schließen, mit dem Ziel, in bestimmten Zeitabständen ein 50 Liter-Fass guten Weines per Express nach Stauchitz zu senden. Empfänger der „Babba“. Der Vertrag kam zustande und wurde solange realisiert, solange es noch möglich war, Expressgut mit der Bahn zu versenden.
Später stand an den Zügen “ Räder müssen rollen für den Sieg“ und damit war der Weinversand beendet.

Als wir in Schwabenheim durch den Ort spazierten und nach dem Weinhändler suchten, gesellte sich ein junger Mann zu uns.
Befragt, ob er wisse, wo vor 50 Jahren Weinhändler gewohnt hätten, überlegte er und sagte, es müsste drei gegeben haben.
Er beschrieb uns den Weg. Später während der Suche gesellte er sich erneut zu uns. Ich konnte mich an die Örtlichkeiten nicht mehr erinnern. Wusste ich doch nur, dass es ein gehöftartiges Anwesen mit einem ergiebigem Weinkeller war und ich in der Dachkammer wohnte.
Schließlich landeten wir beim Hofe des jungen Mannes. Da er Weinbauer war, kauften wir als Mitbringsel von unserer Reise einige Flaschen guten pfälzischen Weines.
Bei dieser Gelegenheit erführen wir, dass Schwabenheim wie die meisten rheinhessischen Orte auf eine fränkische Siedlung zurückgeht. Sie wird erstmals in den Annalen des Klosters Lorsch genannt. 962 bestätigte Kaiser Otto I die Rechte und Besitzungen der Abtei St. Maximin bei Trier über verschiedene rheinhessische Orte, darunter auch „Suadeheim“. Der Ort hatte durch Verpfändungen zahlreiche Besitzer, wie das Erzbistum Mainz, die Stadt Mainz und schließlich ab 1375 den Kurfürsten von der Pfalz. Die unmittelbare Unterstellung unter die Gewalt des Kaisers kommt heute noch im Wappen zum Ausdruck, das den doppelköpfigen Reichsadler zeigt.
Der Weinbau wird praktisch seit der Gründung des Dorfes 766 betrieben.
Heute bewirtschaften die Winzer ca 170 ha Weinberge in den Lagen „Klostergarten, Schlossberg, und Sonnenberg „. Ca 25 Flaschenwein- vermarktende – Betriebe sorgen für schmackhaft und fruchtige Köstlichkeiten aller Prädikatsstufen.
Der Anbau fast aller Kern- und Steinobstsorten sowie Spargel lockert das Bild dieser fruchtbaren rheinhessischen Hügellandschaft auf.
Schwabenheim ist seit eh und je für seine gute Gastronomie im weiten Umkreis bekannt. Alteingesessene Gasthöfe findet der Besucher in den herrschaftlichen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert rund um den Marktplatz, der für rheinhessische Verhältnisse sehr weiträumig und einmalig ist. Der Gast findet ausreichende Parkmöglichkeiten rund um den schönen Marktbrunnen.

Der freundliche junge Mann stellte uns ein Rheinhessen-Urlaubs- und Freizeitjournal zur Verfügung, beschrieb uns die günstigste Fahrtmöglichkeit Richtung Alzey-Worms.
In den weit geschwungenen Tälern und deren Hängen ist man beeindruckt von den nicht enden wollenden Weinfeldern. Von Weinbergen, wie im Moseltal, kann man hier eigentlich nicht sprechen. Als landwirtschaftlich ein wenig beschlagener Mensch, stellt man sich die Frage, wie ist es in unserer Zeit noch möglich, eine so handarbeitsintensive Kultur ökonomisch zu produzieren? Anlässlich unserer Moselreise im vergangenen Herbst konnte man miterleben, dass die Winzer nur mit Hilfe, offensichtlich gering bezahlter ausländischer Arbeitskräfte, die Weinlese ausführten.
So ähnlich werden die Rheinhessen-pfälzischen Weinbauern handeln.
„Rheinhessen ist ein typisches Hügelland. Sanften Wellen gleich schwingt es sich von den Rheinufern ins Landesinnere, überwindet dabei ansteigende Weinbergslagen, überbrückt fruchtbare Ackerflächen in den Niederungen und verläuft sich am Rande in den Waldkulturen der „Rheinhessischen Schweiz“ beschreibt das oben genannte Journal.
Ohne die zurückgelegten Wegstrecken eigentlich bemerkt zu haben befanden wir uns in der rheinhessischen Schatzkammer frühgeschichtlicher Baukunst, in Alzey.
Nicht zu Unrecht wurde der Fahrer von der Mitfahrerin getadelt, dass keine Zeit gefunden wurde, diese Schätze zu besichtigen.
Die fortgeschrittene Tageszeit zwang zum Vorwärtskommen.
Sehr bald erreichten wir an der südlichen Grenze Rheinhessens die Nibelungen -Dom – und Lutherstadt Worms.
Luther verweigerte hier dem Kaiser den Widerruf seiner an der Lutherstadt Wittenberg angeschlagenen Thesen. Der Nibelungen – Hagen soll hier den Nibelungenschatz versenkt haben.
Ein wenig kann ich mich entsinnen, dass wir nach der Abhandlung der Nibelungensage, anlässlich einer Exkursion von Wiesbaden aus nach Heidelberg, auch Worms besuchten, um die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen.

Durch das gewaltige Rheinbrückentor gelangten wir auf die rechte Rheinseite.
Nach einigen Quartiersuch – Fehlversuchen erhielten wir im Seehotel Hemsbach an der Bergstraße Quartier.
Nach Heidelberg 23 km, Mannheim 22 km, Darmstadt 38 km, Frankfurt 59 km konnte man auf den Wegweisern lesen.
Das Einzige was hier störte, war das ständige Rauschen der auf der Autobahn Dahinjagenden. Erbaulich war ein Abendspaziergang am nahen See. Schwäne zogen mit hochgezogenen Flügeln und majestätisch geschwungenem Hals ihre Bahn.

Entlang der Bergstraße in Richtung Heidelberg nutzten die zahlreichen gärtnerischen Betriebe die klimatisch günstige Lage der Rheinebene zur anstehenden Spargelernte. Freilandsalat und – Blumenkohl standen kurz vor dem Erntebeginn. Als ehemaliger Mitbesitzer eines 20 Kilo Tonnen produzierenden Gemüsebetriebes hat man, wie man so schön sagt, ein Auge dafür.
Von Weitem fiel der Blick auf die Sternwarte auf dem Königsstuhl. Nach einem halben Jahrhundert befanden sich die Oma und Opa Bchers. plötzlich wieder in Heidelberg.
Als junges Mädchen hatte sie Gelegenheit, mit einer Tante einen Onkel in Bad-Mergentheim zu besuchen. Er bot seiner Großnichte eine Bahnreise nach Heidelberg mit Stadt- und Schlossbesichtigung. Die Erinnerungen daran waren in den vergangenen Jahrzehnten noch gegenwärtig und sollten bei der sich bietenden Gelegenheit wieder aufgefrischt werden. Tante und Nichte hatten sich bei ihrem Besuch bemüht hochdeutsch zu sprechen. Als dann aber eine Dame zu ihnen sagte :” Aber sie kommen doch wohl aus Dresden !” sahen sie, dass ihre Bemühungen mehr oder weniger vergeblich waren.
Bei der bereits erwähnten Exkursion von Wiesbaden – Biebrich aus zur Vertiefung des behandelten Nibelungenliedes nach Alzey und Worms stand auch der Besuch von Heidelberg auf dem Programm.
Höhepunkt des Besuches der Baden – Würtembergischen Kreisstadt, die sich in das Neckar Tal, die steil ansteigenden bewaldeten Hänge schmiegt und den Eintritt des Neckars beiderseits in die Rheinebene nutzt, war der Aufstieg zum Schloss. Damals konnte man noch das große Fass besteigen, wogegen man es heute nur noch bewundern kann.
Die Eindrücke aus dem pfalzgräfischen Schlossgarten und von den Aussichtsmöglichkeiten des Renaissance-Schlosses waren und sind heute erst recht beeindruckend. Kein Wunder, dass den Dichtern u.A. „Ich hab` mein Herz in Heidelberg verloren“ oder „Memories of Heidelberg“ „entfleuchten“.
Um sich im städtischen Verkehr zu orientieren, erstanden wir einen Stadtplan. Ein älterer Herr erbot sich, den Weg zum Schloss zu beschreiben. Seine Ausführungen waren so erschöpfend, dass es schwerfiel, sich von ihm zu trennen.
Mit Mühe fanden wir die Tiefgarage unterhalb des Schlosses. Bemerkenswert dabei, wie man in diesem engen Häusergewirr, das Loch für die mehrstöckige Garage hatte wühlen können.
Mühsam war der Aufstieg. Lohnend jedoch, wenn man die herrlichen Ein- und Ausblicke in die und aus den Scheffelterassen und dem Schlossgarten genießen konnte.
Fast unmenschlich müssen zur Zeit der Errichtung die Anstrengungen gewesen sein, bedenkt man die Möglichkeiten dazu. Vergegenwärtigt man sich den geschichtlichen Werdegang Heidelbergs, wird einem die Bedeutung deutlich. Zentrum des deutschen Humanismus mit bedeutenden Gelehrten. Im Dreißigjährigen Krieg mehrmals erobert, später von den Franzosen geschleift, hat es die zerstörenden Wirren des zweiten Weltkrieges einigermaßen ungeschoren überstanden. Die Amerikaner erhielten sich für ihr Hauptquartier eine intakte Stadt.
Geruhsam war es möglich, den weitläufigen Schlosspark zu durchbummeln, begünstigt durch die Einsicht des Wettergottes.

Mit Hilfe des Stadtplanes gelang es uns, nicht ohne einige Fehlleistungen, die Schwarzwaldstraße, zu finden.
Siegrid und Josl Moschko waren so liebenswürdig, uns zu einem Besuch einzuladen. Bedrückend empfanden wir, dass wir Josl leider nur im Krankenhaus besuchen konnten. Wir hoffen, dass unser Besuch mit dazu beitrug, den Krankenhausaufenthalt kurzweiliger zu machen. Dank der reizenden Enkelin, welche die Fahrt zum Krankenhausbesuch mit bemerkenswerter Perfektion ermöglichte.
In ihrer gepflegten Wohnung gewährte uns Siegrid erbauliche Stunden der Erinnerung gemeinsamer Erlebnisse und in selbstloser Weise Nachtquartier. Der Besuch beim „Chinesen“ beschloss mit einem wohlschmeckenden Mahl zum Abend die Erlebnisse dieses Tages.
Bei unseren Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes, dachten wir daran, wie wir anlässlich eines Silvesteraufenthaltes in Zakopane uns auf dem Bahnhof in Heidebreck trafen.
Wir danken nochmals dafür, dass wir einige Tage Gast sein durften in Slawensis. Von da aus unternahmen wir Autofahrten nach Warschau, zum Wallfahrtsort Annaberg und zum Sterbeort Traudels Vater in Tost.
Er kam als Geisel durch die Russen dort um.
Mit der Siegrid besuchten wir Zakopane, schwebten zum „Kastro Wiwirch „, sahen den“ Morskie Oko „, das „Meeres Auge“ .
Als wir zu unserer Russlandfahrt unterwegs waren, hatten wir Gelegenheit bei Bekannten Moschkos in Krakau eine Nacht Quartier zu finden und das fast fertige Haus Moschkos auf der Rückfahrt zu bewundern.
Wir erinnern uns gern an M s. kurze Besuche bei uns in Staucha.
Dankbar sind wir dafür, dass unsere Bekanntschaft in so eindrucksvoller Weise gepflegt werden konnte.

Herzlich verabschiedeten wir uns zu Beginn unseres 4 Reisetages von unserer freundlichen Gastgeberin mit besten Genesungswünschen für Josl.

In südlicher Richtung gelangten wir auf der Bergstraße über Wiesloch, Bad – Schönborn, Bruchsal, nach Südosten in den Schwarzwald einschwenkend über Bretten nach Pforzheim. Im Tal der Nagold fuhren wir über Bad -Liebenzell, Calw, Herrenberg nach Tübingen. Nach Tübingen durchquerten wir über die Schwäbische Albstraße die Schwäbische Alb, fuhren durch Albstadt, Winterlingen.In Siegmaringen überquerten wir die Donau und erreichten über Messkirch, Stockach in Ludwigshafen den Bodensee.
Den Hochschwarzwald mit dem Feldberg bei Hinterzarten lernten wir auf unserer Tour nicht kennen. Möglicherweise bleibt er einer späteren Reise vorbehalten. Prinzip unseres Autotrips war es, die großen Städte möglichst zu meiden.
Zugleich führte das intensive Studium des ADAC – Reiseroutenführers dazu, dass u.A. die zahlreiche Orte an der“ Oberschwäbischen Barockstraße “ und an der so genannten „Grünen Straße“ bekannt wurden.
Wie in unserer Heimat auf slawischen Ursprung verweisend zahlreiche Orte mit nitz, litz, witz, titz enden, so fand man hier die Ortsnamensendungen bach, nach, und vor allem ingen .
In 600 bis 800 m Höhe über NN überquerten wir die Schwäbische Alb. Hochebenenartigen Charakter hatte unsere Wegstrecke im Wechsel mit steilen Landstufen, ausgedehnten, leicht gewellten Hochflächen und Becken.
Auf der „Grünen Straße Südschwarzwald – Bodensee“ ließen wir uns entlang des Bodensees treiben und schwenkten nach Überlingen in Nussdorf zur Quartiersuche ein.
Im Gästehaus „Mainaublick“ stiegen wir ab, um sogleich einen geruhsamen Spaziergang am Bodensee entlang mit längerer Parkbankpause zu genießen. Beim Blick über den See konnte man entfernt unser morgiges Ziel, die Insel Mainau ahnen.
Hätte Goethe hier gesessen, wäre seinem dichterischen Genius sicherlich ähnlich wie in Karlsbad ein Reim entstanden.

Dort stellte er fest:
„Was ich hier gelebt, genossen,
Was mir allhier ist entsprossen,
Welche Freude, welch Bekenntnis,
wär‘ ein all zu lang Geständnis.
Mag ein Jeder sich erfreun,
Die Erfahrenen, die Neu’n“.

Ich kann mir in diesem Zusammenhang einen DDR-Witz nicht verkneifen.
Genossen sollen in Karlsbad vor diesem Goethe-Erguss gestanden haben. Einer hätte kopfschüttelnd festgestellt, sagte man : „Goethe war ein Genie. Dass er aber „Genossen“ klein geschrieben hat, kann ich ihm nicht verzeih`n!“
Scherz beiseite!
Wir hatten die Freude, von Sonnenstrahlen erwärmt, auf der Parkbank sitzend, ganz in der Nähe einen mindestens 15 Minuten dauernden Schwanentanz mitzuerleben. Geradezu majestätisch, mit einer unvergleichlichen Grazie vollführten zwei Schwäne diesen Ritus.
Nachher schwammen beide unvermittelt in entgegengesetzter Richtung davon.
Zwar davon gehört, aber noch nie erlebten wir ein derartiges Naturschauspiel.
Von den ständigen Schlechtwetterprognosen bedroht, sie bewahrheiteten sich während unserer ersten 4 Reisetage nicht, galt es zu überlegen, ob Mainau zu besuchen sei.
Nachdem wir die für unser Dafürhalten fast mit Schmuck überladene Wallfahrtskirche in Birnau besuchten, erhielt wir bei der Weiterfahrt in Meersburg einen Parkplatz.
Die Frage ist zu stellen, wie gestaltet sich eine Autoreise während der Hauptreisezeit ? Staus und Parkplatzsorgen werden dem Autotouristen das Vergnügen verleiden.
Nach einem Stadtbummel fanden wir ein Fährboot, das beängstigend am Ufer auf der leichten Brise des Bodensees tanzte.
Als wir auf den Beginn der „ Seereise ” nach der Insel Mainau warteten, kam meine Gattin mit einer Dame ins Gespräch. Sie sprach wenig Deutsch. Angesprochen, sie sei wohl Engländerin, protestierte sie heftig. Sie stellte bestimmt fest, sie sei Schottin !
Während der zwanzigminütigen Überfahrt stellte sich eine recht stabile Seetüchtigkeit ein, so dass die Seekrankheitssorgen unbegründet waren.
Ohne zu übertreiben kann man feststellen, dass die 44 ha große Mainau eine gärtnerische Sensation ist.
Begünstigt durch das subtropische Klima am Nordrand der Alpen, im größten Voralpensee, stellt sich eine unvergleichliche Flora vor. Sie scheint in unseren Breiten einzigartig zu sein.
Das vom Deutschritterorden mit Schlosskirche erbaute Barockschloss zeugt davon, dass die Erbauer wie alle bisherigen Nutzer die Gesamtanlage nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck, schließlich auch zum Gelderwerb anlegten.
Es ist müßig nach Worten zu ringen, um dieses Kleinod auch nur andeutungsweise beschreiben zu wollen. Man ist überwältigt von der Schönheit der Parkanlagen. Schauen, schauen, in sich aufnehmen und genießen. Man muss Mainau gesehen und erlebt haben.
Dabei ist der frühe Jahreszeitpunkt in der gärtnerischen Gestaltung keinesfalls der Höhepunkt.
Ein viel zu kurzer Blick in das Orchideenhaus rundete das Erlebnis Mainau ab.
Südlicher als in München und nun am Bodensee waren wir in Deutschland noch nicht unterwegs.
Vorgesehen hatten wir, unsere Bodenseefahrt in Lindau zu beenden.
Witterungsbedingt und Omas Zeitsorgen, sie kann sich nur wenige Tage von ihren Hühnern trennen, ließen uns den Heimweg bereits von Meersburg aus in Richtung Nordwesten gegen 13 Uhr antreten.
Wieder kreuzten wir die Oberschwäbische Barockstraße. Die Sehenswürdigkeiten daran konnten wir nur im bebilderten ADAC Ferienstraßenreiseführer miterleben. Sie zu besuchen blieb keine Zeit. Bis Ulm blieben wir unserem Prinzip treu, Landstrassen zu benutzen. Auch von Ulm aus wollten wir in Richtung Nürnberg so verfahren. Aber der allbekannte Spruch :“ In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ verwandelte sich für uns zum Fluch. Wir verfranzten uns derart, dass wir schweren Herzens uns entschlossen, den Rest der Strecke Autobahn zu fahren.
Nahe Nürnberg und Hof quälten wir uns in Staus Richtung Norden. Zur Erinnerung an die erste größere Fahrt nach der Wende schrieb ich auf:

„Einige Gedanken zu einer Fahrt über deutsche Landstraßen, zur Visite bei Bekannten und zur Erinnerung an Erlebnisse vor einem halben Jahrhundert.
Oma und Opa B. lieben ihr Zuhause.
Sie empfinden jeden Tag ihres Zusammenseins, die Möglichkeit, sich in ihrem und ihrer Kinder Garten zu beschäftigen, den Umgang mit ihrer kleinen Hühnerschar und sich für die Familien ihrer Söhne ein wenig nützlich machen zu können, als Geschenk.
Das vielen Menschen innewohnende Fernweh ist bei ihnen wenig ausgeprägt. Längere, große Reisen sind deshalb bisher unterblieben. Mit Kurztrips befriedigten sie ihre Reisebedürfnisse.

Für 1995 war langfristig eine Fahrt in westliche Gefilde vorgesehen und bei Freunden, die dabei aufgesucht werden sollten, angekündigt. Gefördert wurde das Vorhaben durch den Erwerb des „Golf – Variant – Europe,“.
Schweren Herzens hatten sich die Bchs. vom „Wartburg 1,3“ mit VW-Motor getrennt, den sie kurz vor der Wende, nach jahrelangem Warten, noch erwerben konnten. In der DDR war es ein Ereignis besonderer Art, ein Auto kaufen zu dürfen. Sogar unter dem Weihnachtsbaum lag die Bezugsberechtigung für den Wartburg. Wenn man wollte, konnte man meinen: Ein Geschenk des Himmels. Mit der Wende stellte sich der Automarkt auf den Kopf. Soeben noch freudig erregt, ein Auto zugeteilt erhalten zu haben, war es wenige Monate später nur noch wenig Wert. Wer ein DDR-Auto fuhr wurde als Nostalgiker angesehen oder einer, der sich noch keinen „Westwagen“ zulegen wollte oder konnte. Der Zeitzwert eines DDR-Fahrzeuges schrumpfte auf ein Minimum zusammen. 35000 Mark/DDR hatte ich für den Wartburg-Tourist gezahlt. Als mir mein Autohändler noch 7500 DM dafür anbot, entschloss ich mich sehr rasch, einen Golf-Variant (Europe) zu kaufen. Mit dem Erlös aus dem Wartburg und einem erhandelten Hauspreis war er erschwinglich.
Der „Neue“ sollte in einer längeren Fahrt erprobt und eigentlich erst einmal eingefahren werden.
Der Reisebeginn am 8.5.95 hatte keine unmittelbaren Beziehungen mit dem Fünfzigjährigen Ende des zweiten Weltkrieges. Jedoch war Opas Wunsch, Orte seiner Ausbildungs- und „Jugendzeit“ zu besuchen und der Oma zu zeigen, der Vater des Gedankens. Mit der Fahrt zu meinem Freund Gottfried Bauch nach Syke bei Bremen hatten wir diese Reise in die Vergangenheit begonnen. Als wir dabei Haderslev in Dänemark und Hamburg besuchten, wurden die Erlebnisse am Kriegsende noch einmal wach. Mit Dankbarkeit standen wir vor dem Haus der „Tante Frieda“ in der Praestegade (Priestergasse)in Haderslev. Sie hatte den jungen Deutschen förmlich wie ihren Sohn behandelt. Diese Verbundenheit konnte bis zu ihrem Tode mit einer anregenden Korrespondenz aufrecht erhalten werden. Für eine Ausländerin unfassbar, dass das Eingesperrtsein in der DDR eine Besuchsreise zu ihr für einen Nichtrentner nicht ermöglichte. –

Bei der Festlegung der Reiseroute wurde davon ausgegangen, dass die Autofahrt keine Autobahnraserei werden sollte.
Auf Landstrassen sollten Thüringer Wald, Rhön, Taunus, die Pfalz und der Schwarzwald über- und durchquert, sowie der Bodensee und die Insel Mainau erlebt werden.

Scherzhaft war der Start, einer Bekannten aus dem Niederrhein, die bei Müller / Scheffzicks – Konfirmation zu Besuch war, für 6 Uhr 01 am 8 Mai angekündigt worden.

Nach einem Kilometer stellte sich heraus, dass Opas Mantel vergessen wurde. Zu Hause musste noch einmal aufgekreuzt werden.
Unser Sohn Wolfram stellte fest: “ Ihr seid ja schon wieder da! ?“
Damit musste der Reisebeginn als eine Art Fehlstart angesehen werden.
Die Oma, bewaffnet mit dem „ADAC-Maxi-Atlas – Deutschland“ und einer Computer- Ausschrift der Reisestrecke, fungierte als Pfadfinderin. Map&guide – Karten, wie sie 2002 verfügbar sind, standen noch nicht zur Verfügung.
Bei der Durchquerung von Döbeln, Hartha, Altenburg stellte sich heraus, dass der Zeitpunkt des Fahrbeginns und die Fehlstartverzögerung in den Berufsverkehr gerieten. Langsamfahrten und Staus verursachten ein Vorwärtskommen von höchstens 40 km/h.
In Altenburg wichen wir versehentlich erstmals von der geplanten Route in Richtung Schmölln ab. Dadurch kamen wir an dem Klärwerk in Grossstöbnitz vorbei. Der ASECA-GmbH hatte ich dort beim Setzen von Masten geholfen.
Vor Gera passierten wir ungewollt Ronneburg. Zu DDR-Zeiten erregten die riesigen Urangesteinhalden beim Vorbeifahren jeweils erhebliches Unbehagen. Wusste man doch, dass neben der Gefahr der Verstrahlung, das begehrte Uran dazu beigetragen hatte, einen großen Teil der materiellen Schuld der Deutschen, den Russen gegenüber, abzutragen.
Unbestritten ist, dass wir Ostdeutschen mit der in völligem ökonomischen Dunkel gehaltenen Ausbeutung dieses Reichtums und vieler anderer Reparationsleistungen einen erheblichen Beitrag der Nachkriegslasten getragen haben. Unser sehr erfolgreicher Ministerpräsident Biedenkopf hat vor seiner Wahl als Regierungschef im Freistaat Sachsen mit aufschlussreichen Zahlen belegt, dass man den Ostdeutschen ihre Nachkriegsleistungen anerkennen sollte. –

Von Gera aus wählten wir die Strecke über Triptis, Neustadt, Pössneck, Saalfeld, Neuhaus am Rennweg.
Bewusst wollten wir nicht durch das Schwarzatal fahren. Hatten wir es doch bei unseren Ferienfahrten nach Großbreitenbach mehrmals schon durchquert. In Großbreitenbach auf dem Rennsteig hatte „Sonnenschein“ drei sehr schön ausgestattete Bungalows errichtet. In einem davon erlebten wir erholsame Ferientage mit unseren Zwillingsenkeln.
Auf dem Rennsteig, einige Kilometer hinter Neuhaus, in der Nähe von Steinheid, hielten wir unser erstes “ picknick in the open „.
Trotz der Nähe der befahrenen Fernstraße war die Waldluft in einer Höhe von etwa 800 m über NN erholsam.
Schaute man auf die Uhr, so musste man bedenklich feststellen, dass der Zeitplan voraussichtlich nicht eingehalten werden könne.
Einzuschätzen war zu diesem Zeitpunkt, dass Bad Salzschlürf bei Fulda, unser Ziel, günstigstenfalls gegen 17 Uhr zu erreichen sei, ginge es im bisherigen Tempo weiter.
Bei Omas Schulfreundin hatten wir uns für 15 Uhr angekündigt.

Mit unseren Enkeln Alexander und einmal mit den Zwillingen Daniel und Michael, besuchten wir anlässlich unserer Ferienaufenthalte im Ferienhotel „Ringberghaus“ bei Suhl das Spielzeugmuseum in Sonneberg. Dabei kamen wir in der Nähe dieses Rastplatzes vorbei. Ein Ortsname in der Nähe der Zonengrenze, an der Westseite des Thüringer-Waldes, “ Mengersgereuth-Hämmern “ ist mir davon erinnerlich. Der Name lässt sich so leicht merken.
Schnell waren die „93 Golfpferde“ wieder gesattelt und abwärts ging’s über Eisfeld, Hildburghausen in Richtung Meiningen.
Am Kloster Vessra kamen wir vorbei. Wir hatten es mit den Enkeln bereits besucht. Es liegt an der Straße in Richtung Meiningen.
In Obermassfeld – Grimmenthal tankten wir und schwenkten gen Westen
in die Rhön hinein. Erstaunlich war, dass Jahre nach der Wende von den Grenzbefestigungen der DDR für den flüchtigen Betrachter nichts mehr zu erkennen war.
In den alten Bundesländern zu sein, war daran zu erkennen, dass die Felder auffällig Handtuchcharakter annahmen.
Die riesigen, gelbblühenden Rapsfelder am Südhang des Thüringer Waldes wurden abgelöst durch schmale Streifen in der Rhön.
In der Rhön passierten wir u.A. die Orte Mellrichstadt, Ostheim, Ehrenberg auf der Hochrhönstrasse. In 730 m Höhe fuhren wir an der Wasserkuppe mit 95o m Höhe vorbei. Ganz so auffällig empfand man den Unterschied zwischen den Ost- und Westorten nicht mehr, da im Osten sich doch schon ein wenig Farbe in das sonst triste Grau einmischte.
Bei näherem Hinsehen ist auffällig, dass sich die Eigenheime durchweg in einem gepflegterem Zustand befanden, als das im Osten der Fall war.
Vielleicht verwischt sich aber auch der bewundernde Blick ein wenig, weil man die „Segnungen“ der Marktwirtschaft am eigenen Leibe erleben kann.
Diese Bemerkung möchte der Schreiber im positivem Sinne verstanden wissen. Als Optimist vertritt er beharrlich: Opti bleibt, „mist“ wird gestrichen oder zumindest vernachlässigt!

Ohne eigentlich besonders zu eilen, erreichten wir über Ebersburg Fulda gegen 14.45 Uhr. Und nur mit 20 Minuten Verspätung konnten wir am gepflegten Haus, in dem Frau Gerda K. wohnt, unsere Ankunft vermelden.
Für Frau Kittler bedeutete der Besuch von Bekannten aus ihrer Heimat, Freude. Wie es nicht anders sein konnte, boten gemeinsame Jugenderlebnisse, Ereignisse aus der Vergangenheit und Gegenwart, ausgiebigen Gesprächsstoff. Nach einer stärkenden Erdbeerkuchen – Kaffeepause, wurde unser Nachtquartier und Bad – Salzschlürf aufgesucht. Frau Kittler hatte uns Quartier für eine Nacht besorgt. Als gepflegter Kurort mit beeindruckenden gärtnerischen Anlagen im Kurpark wurde uns Bad-Salzschlürf vorgestellt.
Nachdem wir mühsam einen hohen Spazierweg erklommen, konnte die
herrliche Lage des Ortes im Tal zwischen zwei Ausläufern der Rhön und an den bewaldeten Hängen bewundert werden.
Durchflossen wird der Kurort durch die „Altefeld“ und die Lauter, die dann als Schlitz in die Fulda münden. Verwechslungen mit: „die Alte fällt “ sind nicht ausgeschlossen, wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde.
Obwohl anstrengend, war der Spaziergang in, um und um Bad Salzschlürf herum erbaulich und trug dazu bei, dass für die neunstündige Autoreise ein gesundheitserhaltender Ausgleich geschaffen und für das von Frau K. bereitete ausgiebige Abendbrot die Grundlage bereitet wurde.
Frau Kittler hat sich ein schönes Fleckchen Erde als zweite Heimat ausgesucht. Frau Kittler und meine Frau verbanden Jugenderlebnisse. Gemeinsam ging’s täglich zur Schule. und zurück. Im Grundstück wurde gemeinsam gespielt, rumgetobt. Der Heuboden der Scheune als Spielplatz benutzt. Nicht immer von den Eltern gern gesehen. Frau K. hat die DDR auf abenteuerlichen Wege verlassen. Sie fand Anstellung im Westen bei einer Familie als Hausdame. Als DDR-Rentner reisen durften, lud sie meine Frau zu einem Aufenthalt zu sich nach Bad-Salzschlürf ein. Damals ein überwältigendes Erlebnis. Als ich meine Frau zu dieser Reise auf den Bahnhof begleitete, passierte mir ein Missgeschick. Bis zu ihrem Abteil half ich ihr die Koffer verstauen. Offensichtlich zu lange dauerte mein Service. Der Zug fuhr an. Ich konnte die Tür nicht mehr rechtzeitig erreichen. Ungewollt musste ich bis Oschatz im Interzonenzug mitreisen. Rückkehr nach Riesa und zur Arbeit verzögerten sich um Stunden.
Herzlich ist Frau K. zu danken für die selbstlose Gastfreundschaft. und die Ungelegenheiten, die unser Dort-Sein schuf.

Nachdem uns Frau Kittler am Beginn des zweiten Reisetages mit reichlichem Frühstück versorgte, verabschiedeten wir uns bei unserer freundlichen Gastgeberin mit dem Wunsch, sie bei einem Besuch in der Heimat gern zu einer Fahrt zur Bundesgartenschau nach Cottbus einzuladen.

Die zweite Tagestour führte uns durch die Wälder des Vogelsberggebietes und des Taunus.
Wir passierten u. A. die Städte Lauterbach, Herbstein, fuhren auf der „Deutschen Ferienstraße Alpen – Ostsee“, vorbei an der Ringstraße „Hoher Vogelsberg“ in einer Höhe von über 600 m über NN.
Erinnerlich sind uns die Orte Schotten, Borsdorf, Wölfersheim, Friedberg, Bad Nauheim, Obermörlen, Usingen, Neu – und Altweilnau, Idstein. Beeindruckend waren die für den Laien dichten, intakten Wälder besonders beim Durchfahren und Überqueren der Hoch- Taunus-Straße.
Kein Vergleich dazu sind dagegen die Wälder des Osterzgebirges, die ich vor etwa 14 Tagen erschreckend bewundern musste, als ein Angebot der Firma meiner Söhne in der Nähe von Altenberg – Geising abzugeben war. Hier glaubt man den „Grünen“, wenn sie ein Schreckensszenario über das Waldsterben und im weitesten Sinne den Weltuntergang popularisieren.
Begreifen werden die Menschen jedoch den erhobenen Zeigefinger erst dann, wenn sie, wie die Bergsteiger bei 6 bis 8000 m Höhe, um jeden Atemzug Sauerstoff einmal werden ringen müssen.

Von Idstein aus ging es den Taunus steil abwärts nach Wiesbaden.
In Wiesbaden durfte ich Jahre meiner Jugend im Alter zwischen 16 und 19 Jahren “ verleben“ .Es war eine Zeit härtester Ausbildung.
Musste doch das theoretische Wissen für den Abi Abschluss die körperliche Fitness für mindestens die Bedingungen des “ Reichssportabzeichens“ und anderer Leistungskriterien und die Fähigkeit, als militärischer Leiter einmal tätig zu werden, erworben werden.
Neben den Strapazen der Ausbildung erinnere ich mich in Wiesbaden an die Fa „Henkel Trocken“, die am Wege in die Innenstadt lag, an das Kurhaus und Theater.
Das Erzeugnis der Fa Henkel war mir zu dieser Zeit leider nur dem Namen nach bekannt.
Bei den Pflichttheaterbesuchen erlebte ich die damals bekannte Sängerin Erna Sack in verschiedenen klassischen Aufführungen.
Fast unerschwinglich für uns arme “ Landser“ gestalteten sich die Besuche im Opelbad auf dem Neroberg. Hier tummelten sich die oberen Zehntausend Nazideutschlands und der hilfswilligen Satelliten in einem für vor einem halben Jahrhundert feudalem Bad.
Erinnerlich ist mir noch, dass ich es interessant fand, mich in eines der zahlreichen Kaffees zu setzen und stundenlang die Menschen zu beobachten.
In Wiesbaden – Biebrich, in der unsere Ausbildungsstätte in der „Hindenburgkaserne“ lag, kann ich mich noch an den ausgedehnten Stadtpark erinnern. An ihm führte der Weg vorbei, den wir zumeist im Laufschritt nehmen mussten, bis wir ans Rheinufer gelangten. Ein besonderes Kapitel bedeuteten in der sportlichen Ausbildung die Vorbereitungen für im Schwimmen gefordert Leistungen zur Erlangung der „Lebensrettungsmedaille“.
Am Rhein angekommen, lautete der Befehl: “ In zwanzig Minuten treffen wir uns im Bad auf der „Rettbergsau“! Zu erreichen war die im Rhein gelegene “ Rettbergsau schwimmend durch den hier mindestens 200 -300 m breiten Fluss. Damals konnte man noch ohne die Haut zu verlieren, im Rhein baden. Ein sehr guter Schwimmer war ich nicht. Hatte ich doch jeweils meine liebe Not, das letzte Stückchen Landende der Insel zu erreichen.
Übungsteil der Schwimmausbildung, zur Erlangung der Deutschen Lebensrettungsmedaille, mindestens 50 m im fließenden Wasser mit Drillichzeug bekleidet tauchen und anschließend die Bekleidungsstücke ohne sich anzuhalten aus dem Wasser an Land zu werfen.
Leichter gesagt, als getan ! Das Rheinwasser, welches ich bei dieser Strapaze schluckte, scheint mir jedoch nicht geschadet zu haben.
Ich sehe mich noch beim 10 000 m -Lauf für das Reichsportabzeichen am Stadtpark entlang in Richtung Eltvill und zurück hetzen. Mit 40,10 min. war ich dabei nicht ‚mal der Letzte. Es gab aber auch einige Experten, die schon 31 min liefen. Der Weltrekord liegt bei etwa 26 bis 27 Minuten.
In unserem Ausbildungsprogramm war Reiten enthalten. Die Pferde wurden jedoch an der Front gebraucht. Als Ausgleich dafür erlernten wir Motorrad- fahren. Zum Beginn musste ich mir eine militärische Schelte, mild ausgedrückt, gefallen lassen. Beim ersten Anfahren gab ich zu viel Gas. In der nahen Hecke kam ich zum Stehen ohne Schaden am Fahrzeug und an der Person zu nehmen. Um so besser ging´s aber später. Das Fahren auf der Straße ist für junge Leute ein Vergnügen. Zum Vergnügen fuhren wir aber zu dieser Zeit nicht. Nachdem man das Fahren einigermaßen beherrschte, ging’s mit den Fahrzeugen ins Gelände. Auch das kann vergnüglich sein. Nur, wenn man mit einem Motorrad durch Schlammstrecken gejagt wird, wo letztlich sich kein Rad mehr dreht, wird einem diese Sportart verleidet.
Die Krönung der Motorradausbildung begab sich auf einer Fahrt nach Schlangenbad, nördlich von Eltville, in den Taunus hinein.
Der Ausbilder zeigte „Halt!“ an. Das Kommando lautete: „Vorder- und Hinterrad abmontieren, Luft ablassen und Schläuche abgeben!“
Weiter wurde befohlen: „In 2 Stunden hat sich jeder in der Kaserne wieder einzufinden!“
Von einem Bauern erbat ich mir von seinem Misthaufen strohigen Mist. Daraus flocht ich wurtstartige Gebilde und quälte sie in die Reifen. Obwohl es beinahe unmöglich ist, die Motorradreifen auf den Felgen zu halten, muss ich irgendwie wieder zurückgekehrt sein.
Als erfreulicheres Erlebnis ist mir erinnerlich, dass mit einem Kameraden ein zweisitziges Paddelboot an freien Tagen geliehen werden konnte. Am Ufer entlang ging’s den Rhein und Main aufwärts in Richtung Frankfurt. Wenn die Kräfte erlahmten, ließen wir uns, die Landschaft genießend, flussabwärts treiben, bis in den heimatlichen Hafen.
Diese kleinen Begebenheiten wurden aus einigen Speicherplätzen des Langzeitgedächtnisses freigegeben als wir in Wiesbaden- Biebrich die „Äppelallee“ überquerten und am Rande des Stadtparkes sogar einen Parkplatz fanden.
Ein vorübergehendes älteres Ehepaar baten wir um Auskunft über die Örtlichkeiten. Nach einem halben Jahrhundert fragt man doch einmal, um die Erinnerungen aufzufrischen.
Die Oma B. verstand es ,in einem halbstündigen Gespräch das für uns Wissenswerte aus den alten Herrschaften herauszulocken. Versteht sich, dass dabei beiderseits die gesamte Lebensgeschichte zum Gespräch kam. Ergötzlich war, dass die Dame aus Dresden und der Herr aus dem Erzgebirge stammten.
Für mich galt zu erfahren, ob die „Hindenburgkaserne“ noch existiere. „Die Hindenburgkaserne kennt hier niemand mehr. Dort ist jetzt der Sitz des BKA, des Bundeskriminalamtes!“ erklärte der Herr.
Mein Ziel war, unbedingt noch einmal einen Blick auf das damalige „Domizil“ zu werfen.
Wir entschlossen uns, durch den Park in Richtung BKA zu laufen.
In einem halben Jahrhundert hatte sich das Umfeld gewaltig verändert. Damals konnte man, sofern mich meine Erinnerung nicht täuscht, den Rhein blinken sehen. Inzwischen entstanden ganze Stadtteile. Von unserem Vorhaben brachte uns ein Regenschauer ab. Wir versäumten, den Regenschirm mitzunehmen.
Eilig kehrten wir zum Auto zurück, vorbei an der Rückseite des wunderbar restaurierten Biebricher Schlosses.
Nach einer Tasse Kaffee in einem Ecklokal, der Gastwirt beschrieb uns den Weg genau, fuhren wir bis vor das Schloss an der Rheinseite.
Selbst die weniger kulturbeflisseneren Rheinschiffer werden nicht umhin können, auf dieses Kleinod beim Vorüberschiffen einen Blick zu werfen.
Die Rettbergsau, die Insel im Rhein, die ich schwimmend erreichen musste, diente inzwischen den Autobahnbauern als willkommene Stütze zur Rheinüberquerung bei Mainz.

Als Brandwache auf dem Dachboden der später von unserer Schule bezogenen Rheinkaserne in Wiesbaden – Biebrich, musste ich miterleben, wie wenige Hundert Meter gegenüber auf der anderen Rheinseite Mainz von den Anglo – Amerikanern zerbombt wurde.
Wie Heidelberg, blieb Wiesbaden einigermaßen ungeschoren.
Die Amerikaner hatten sich in weiser Voraussicht einige intakte Städte erhalten, um ihre Kommandostellen nach dem absehbaren Sieg entsprechend installieren zu können.
Gefahrvoll für uns Brand -Wächter auf dem Boden der Kaserne waren die Flaksplitter, die oft zahlreich auf das Dach prasselten und die Trümmer abgeschossener Flugzeuge.

Langsam, beinahe verkehrshindernd, fuhren wir an meiner ehemaligen Kaserne, dem nun hypermodernen, mit Elektronik und Funktechnik bestückten BKA vorbei.
Den Rhein überquerten wir auf einem kleinen Stück Autobahn in Richtung Mainz – Heidesheim.

Ein vergnügliches Erlebnis gab es während der Ausbildungszeit in Wiesbaden – Biebrich, als wir zu einem Ernteeinsatz nach Schwabenheim a. d. Selz abkommandiert wurden.
Mit der Kleinbahn erreichten wir den Weinbauort.
Irritiert war ich beim Kartenstudieren, dass keine Eisenbahn in Schwabenheim ausgewiesen wurde. Erinnerte ich mich doch, dass wir mit einer „Schwäbischen – Eisenbahn -ähnlichen – Kleinbahn“ von Mainz an die Selz gefahren waren.
Später erfuhren wir, dass sie demontiert wurde.

Einem Weinbauern und Weinhändler hatte ich damals zu helfen. Ohne Umschweife wurde nach der Ankunft die Uniform mit Drillichzeug als Arbeitssachen getauscht und ab ging’s mit dem Chef des Hauses in den Weinberg. Es musste zwischen den Weinstöcken Unkraut beseitigt werden.
Vor 50 Jahren beseitigte man Unkraut noch mit der Handhacke.
Heute streitet man darüber, ob und wie die angewandten Herbie – und Fungizide den Wein gesundheitlich beeinflussen.
Nach jedem Umgang pflegte mein Begleiter aus dem mitgeführten irdenen Kruge ein Gläschen Trinkwein zu trinken. Trinkwein ist das in diesem Landesteil übliche Tages-Getränk. Wie anderen Ortes Tee oder bei dieser Gelegenheit „Mokka-fou“ getrunken werden, trinkt man hier „Trinkwein“. Für mich, des Trinkens von Alkohol Ungeübtem, war es zunächst erfrischend, jedoch durch die Wärme zunehmend berauschend. Ich bin heute noch nicht überzeugt davon, dass der Nutzen meines Tuns im Weinberg größer war, als ungewollt angerichtete Schaden. Nach dem Abendbrot war es dann Sitte, dass in den nahen Gasthof noch richtiger pfälzischer Wein getrunken wurde.
Wie ich die, man muss schon sagen, Gelage einigermaßen überstand, vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Schwierig war es, die doch erheblichen Flüssigkeitsmengen ordnungsgemäß zu entsorgen. Die Dachkammer, in der ich nächtigen durfte, war so schrecklich weit oben. Eigentlich wollte ich’s verschweigen, aber es gehört auch zu diesen Erlebnissen, dass die Soldatenschuhe über Nacht als “ Nachthäfle “ (rheinpfälzisch : Nachttopf )herhalten mussten. Entsorgt wurde die Flüssigkeit morgens über Dach und Dachrinne mehr oder weniger unbemerkt.
Meinen Lieben Daheim hatte ich meine Erlebnisse geschildert.
Mein Großvater, familiär „Papa“, sächsisch „Babba“, genannt, wusste sofort daraus Nutzen zu ziehen. Er forderte mich auf, mit dem Weinhändler einen Liefervertrag zu schließen, mit dem Ziel, in bestimmten Zeitabständen ein 50 Liter-Fass guten Weines per Express nach Stauchitz zu senden. Empfänger der „Babba“. Der Vertrag kam zustande und wurde solange realisiert, solange es noch möglich war, Expressgut mit der Bahn zu versenden.
Später stand an den Zügen „Räder müssen rollen für den Sieg“ und damit war der Weinversand beendet.

Als wir in Schwabenheim durch den Ort spazierten und nach dem Weinhändler suchten, gesellte sich ein junger Mann zu uns.
Befragt, ob er wisse, wo vor 50 Jahren Weinhändler gewohnt hätten, überlegte er und sagte, es müsste drei gegeben haben.
Er beschrieb uns den Weg. Später während der Suche gesellte er sich erneut zu uns. Ich konnte mich an die Örtlichkeiten nicht mehr erinnern. Wusste ich doch nur, dass es ein gehöftartiges Anwesen mit einem ergiebigem Weinkeller war und ich in der Dachkammer wohnte.
Schließlich landeten wir beim Hofe des jungen Mannes. Da er Weinbauer war, kauften wir als Mitbringsel von unserer Reise einige Flaschen guten pfälzischen Weines.
Bei dieser Gelegenheit erführen wir, dass Schwabenheim wie die meisten rheinhessischen Orte auf eine fränkische Siedlung zurückgeht. Sie wird erstmals in den Annalen des Klosters Lorsch genannt. 962 bestätigte Kaiser Otto I die Rechte und Besitzungen der Abtei St. Maximin bei Trier über verschiedene rheinhessische Orte, darunter auch „Suadeheim“. Der Ort hatte durch Verpfändungen zahlreiche Besitzer, wie das Erzbistum Mainz, die Stadt Mainz und schließlich ab 1375 den Kurfürsten von der Pfalz. Die unmittelbare Unterstellung unter die Gewalt des Kaisers kommt heute noch im Wappen zum Ausdruck, das den doppelköpfigen Reichsadler zeigt.
Der Weinbau wird praktisch seit der Gründung des Dorfes 766 betrieben.
Heute bewirtschaften die Winzer ca 170 ha Weinberge in den Lagen „Klostergarten, Schlossberg, und Sonnenberg „. Ca 25 Flaschenwein- vermarktende – Betriebe sorgen für schmackhaft und fruchtige Köstlichkeiten aller Prädikatsstufen.
Der Anbau fast aller Kern- und Steinobstsorten sowie Spargel lockert das Bild dieser fruchtbaren rheinhessischen Hügellandschaft auf.
Schwabenheim ist seit eh und je für seine gute Gastronomie im weiten Umkreis bekannt. Alteingesessene Gasthöfe findet der Besucher in den herrschaftlichen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert rund um den Marktplatz, der für rheinhessische Verhältnisse sehr weiträumig und einmalig ist. Der Gast findet ausreichende Parkmöglichkeiten rund um den schönen Marktbrunnen.

Der freundliche junge Mann stellte uns ein Rheinhessen-Urlaubs- und Freizeitjournal zur Verfügung, beschrieb uns die günstigste Fahrtmöglichkeit Richtung Alzey-Worms.
In den weit geschwungenen Tälern und deren Hängen ist man beeindruckt von den nicht enden wollenden Weinfeldern. Von Weinbergen, wie im Moseltal, kann man hier eigentlich nicht sprechen. Als landwirtschaftlich ein wenig beschlagener Mensch, stellt man sich die Frage, wie ist es in unserer Zeit noch möglich, eine so handarbeitsintensive Kultur ökonomisch zu produzieren? Anlässlich unserer Moselreise im vergangenen Herbst konnte man miterleben, dass die Winzer nur mit Hilfe, offensichtlich gering bezahlter ausländischer Arbeitskräfte, die Weinlese ausführten.
So ähnlich werden die Rheinhessen-pfälzischen Weinbauern handeln.
„Rheinhessen ist ein typisches Hügelland. Sanften Wellen gleich schwingt es sich von den Rheinufern ins Landesinnere, überwindet dabei ansteigende Weinbergslagen, überbrückt fruchtbare Ackerflächen in den Niederungen und verläuft sich am Rande in den Waldkulturen der „Rheinhessischen Schweiz“ beschreibt das oben genannte Journal.
Ohne die zurückgelegten Wegstrecken eigentlich bemerkt zu haben befanden wir uns in der rheinhessischen Schatzkammer frühgeschichtlicher Baukunst, in Alzey.
Nicht zu Unrecht wurde der Fahrer von der Mitfahrerin getadelt, dass keine Zeit gefunden wurde, diese Schätze zu besichtigen.
Die fortgeschrittene Tageszeit zwang zum Vorwärtskommen.
Sehr bald erreichten wir an der südlichen Grenze Rheinhessens die Nibelungen -Dom – und Lutherstadt Worms.
Luther verweigerte hier dem Kaiser den Widerruf seiner an der Lutherstadt Wittenberg angeschlagenen Thesen. Der Nibelungen – Hagen soll hier den Nibelungenschatz versenkt haben.
Ein wenig kann ich mich entsinnen, dass wir nach der Abhandlung der Nibelungensage, anlässlich einer Exkursion von Wiesbaden aus nach Heidelberg, auch Worms besuchten, um die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen.

Durch das gewaltige Rheinbrückentor gelangten wir auf die rechte Rheinseite.
Nach einigen Quartiersuch – Fehlversuchen erhielten wir im Seehotel Hemsbach an der Bergstraße Quartier.
Nach Heidelberg 23 km, Mannheim 22 km, Darmstadt 38 km, Frankfurt 59 km konnte man auf den Wegweisern lesen.
Das Einzige was hier störte, war das ständige Rauschen der auf der Autobahn Dahinjagenden. Erbaulich war ein Abendspaziergang am nahen See. Schwäne zogen mit hochgezogenen Flügeln und majestätisch geschwungenem Hals ihre Bahn.

Entlang der Bergstraße in Richtung Heidelberg nutzten die zahlreichen gärtnerischen Betriebe die klimatisch günstige Lage der Rheinebene zur anstehenden Spargelernte. Freilandsalat und – Blumenkohl standen kurz vor dem Erntebeginn. Als ehemaliger Mitbesitzer eines 20 Kilo Tonnen produzierenden Gemüsebetriebes hat man, wie man so schön sagt, ein Auge dafür.
Von Weitem fiel der Blick auf die Sternwarte auf dem Königsstuhl. Nach einem halben Jahrhundert befanden sich die Oma und Opa Bchers. plötzlich wieder in Heidelberg.
Als junges Mädchen hatte sie Gelegenheit, mit einer Tante einen Onkel in Bad-Mergentheim zu besuchen. Er bot seiner Großnichte eine Bahnreise nach Heidelberg mit Stadt- und Schlossbesichtigung. Die Erinnerungen daran waren in den vergangenen Jahrzehnten noch gegenwärtig und sollten bei der sich bietenden Gelegenheit wieder aufgefrischt werden. Tante und Nichte hatten sich bei ihrem Besuch bemüht hochdeutsch zu sprechen. Als dann aber eine Dame zu ihnen sagte: „Aber sie kommen doch wohl aus Dresden!“ sahen sie, dass ihre Bemühungen mehr oder weniger vergeblich waren.
Bei der bereits erwähnten Exkursion von Wiesbaden – Biebrich aus zur Vertiefung des behandelten Nibelungenliedes nach Alzey und Worms stand auch der Besuch von Heidelberg auf dem Programm.
Höhepunkt des Besuches der Baden – Würtembergischen Kreisstadt, die sich in das Neckar Tal, die steil ansteigenden bewaldeten Hänge schmiegt und den Eintritt des Neckars beiderseits in die Rheinebene nutzt, war der Aufstieg zum Schloss. Damals konnte man noch das große Fass besteigen, wogegen man es heute nur noch bewundern kann.
Die Eindrücke aus dem pfalzgräfischen Schlossgarten und von den Aussichtsmöglichkeiten des Renaissance-Schlosses waren und sind heute erst recht beeindruckend. Kein Wunder, dass den Dichtern u.A. „Ich hab` mein Herz in Heidelberg verloren“ oder „Memories of Heidelberg“ „entfleuchten“.
Um sich im städtischen Verkehr zu orientieren, erstanden wir einen Stadtplan. Ein älterer Herr erbot sich, den Weg zum Schloss zu beschreiben. Seine Ausführungen waren so erschöpfend, dass es schwerfiel, sich von ihm zu trennen.
Mit Mühe fanden wir die Tiefgarage unterhalb des Schlosses. Bemerkenswert dabei, wie man in diesem engen Häusergewirr, das Loch für die mehrstöckige Garage hatte wühlen können.
Mühsam war der Aufstieg. Lohnend jedoch, wenn man die herrlichen Ein- und Ausblicke in die und aus den Scheffelterassen und dem Schlossgarten genießen konnte.
Fast unmenschlich müssen zur Zeit der Errichtung die Anstrengungen gewesen sein, bedenkt man die Möglichkeiten dazu. Vergegenwärtigt man sich den geschichtlichen Werdegang Heidelbergs, wird einem die Bedeutung deutlich. Zentrum des deutschen Humanismus mit bedeutenden Gelehrten. Im Dreißigjährigen Krieg mehrmals erobert, später von den Franzosen geschleift, hat es die zerstörenden Wirren des zweiten Weltkrieges einigermaßen ungeschoren überstanden. Die Amerikaner erhielten sich für ihr Hauptquartier eine intakte Stadt.
Geruhsam war es möglich, den weitläufigen Schlosspark zu durchbummeln, begünstigt durch die Einsicht des Wettergottes.

Mit Hilfe des Stadtplanes gelang es uns, nicht ohne einige Fehlleistungen, die Schwarzwaldstraße, zu finden.
Siegrid und Josl Moschko waren so liebenswürdig, uns zu einem Besuch einzuladen. Bedrückend empfanden wir, dass wir Josl leider nur im Krankenhaus besuchen konnten. Wir hoffen, dass unser Besuch mit dazu beitrug, den Krankenhausaufenthalt kurzweiliger zu machen. Dank der reizenden Enkelin, welche die Fahrt zum Krankenhausbesuch mit bemerkenswerter Perfektion ermöglichte.
In ihrer gepflegten Wohnung gewährte uns Siegrid erbauliche Stunden der Erinnerung gemeinsamer Erlebnisse und in selbstloser Weise Nachtquartier. Der Besuch beim „Chinesen“ beschloss mit einem wohlschmeckenden Mahl zum Abend die Erlebnisse dieses Tages.
Bei unseren Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes, dachten wir daran, wie wir anlässlich eines Silvesteraufenthaltes in Zakopane uns auf dem Bahnhof in Heidebreck trafen.
Wir danken nochmals dafür, dass wir einige Tage Gast sein durften in Slawensis. Von da aus unternahmen wir Autofahrten nach Warschau, zum Wallfahrtsort Annaberg und zum Sterbeort Traudels Vater in Tost.
Er kam als Geisel durch die Russen dort um.
Mit der Siegrid besuchten wir Zakopane, schwebten zum „Kastro Wiwirch“, , sahen den „Morskie Oko“, das „Meeres Auge“ .
Als wir zu unserer Russlandfahrt unterwegs waren, hatten wir Gelegenheit bei Bekannten Moschkos in Krakau eine Nacht Quartier zu finden und das fast fertige Haus Moschkos auf der Rückfahrt zu bewundern.
Wir erinnern uns gern an M s. kurze Besuche bei uns in Staucha.
Dankbar sind wir dafür, dass unsere Bekanntschaft in so eindrucksvoller Weise gepflegt werden konnte.

Herzlich verabschiedeten wir uns zu Beginn unseres 4 Reisetages von unserer freundlichen Gastgeberin mit besten Genesungswünschen für Josl.

In südlicher Richtung gelangten wir auf der Bergstraße über Wiesloch, Bad – Schönborn, Bruchsal, nach Südosten in den Schwarzwald Einschwenkend, über Bretten nach Pforzheim. Im Tal der Nagold fuhren wir über Bad – Liebenzell, Calw, Herrenberg nach Tübingen. Nach Tübingen durchquerten wir über die Schwäbische Albstraße die Schwäbische Alb, fuhren durch Albstadt, Winterlingen. In Siegmaringen überquerten wir die Donau und erreichten über Messkirch, Stockach in Ludwigshafen den Bodensee.
Den Hochschwarzwald mit dem Feldberg bei Hinterzarten lernten wir auf unserer Tour nicht kennen. Möglicherweise bleibt er einer späteren Reise vorbehalten. Prinzip unseres Autotrips war es, die großen Städte möglichst zu meiden.
Zugleich führte das intensive Studium des ADAC – Reiseroutenführers dazu, dass u.A. die zahlreiche Orte an der „Oberschwäbischen Barockstraße“ und an der so genannten „Grünen Straße“ bekannt wurden.
Wie in unserer Heimat auf slawischen Ursprung verweisend zahlreiche Orte mit nitz, litz, witz, titz enden, so fand man hier die Ortsnamensendungen bach, nach, und vor allem ingen.
In 600 bis 800 m Höhe über NN überquerten wir die Schwäbische Alb. Hochebenenartigen Charakter hatte unsere Wegstrecke im Wechsel mit steilen Landstufen, ausgedehnten, leicht gewellten Hochflächen und Becken.
Auf der „Grünen Straße Südschwarzwald – Bodensee“ ließen wir uns entlang des Bodensees treiben und schwenkten nach Überlingen in Nussdorf zur Quartiersuche ein.
Im Gästehaus „Mainaublick“ stiegen wir ab, um sogleich einen geruhsamen Spaziergang am Bodensee entlang mit längerer Parkbankpause zu genießen. Beim Blick über den See konnte man entfernt unser morgiges Ziel, die Insel Mainau ahnen.
Hätte Goethe hier gesessen, wäre seinem dichterischen Genius sicherlich ähnlich wie in Karlsbad ein Reim entstanden.

Dort stellte er fest:
„Was ich hier gelebt, genossen,
Was mir allhier ist entsprossen,
Welche Freude, welch Bekenntnis,
wär‘ ein all zu lang Geständnis.
Mag ein Jeder sich erfreun,
Die Erfahrenen, die Neu’n“.

Ich kann mir in diesem Zusammenhang einen DDR-Witz nicht verkneifen.
Genossen sollen in Karlsbad vor diesem Goethe-Erguss gestanden haben. Einer hätte kopfschüttelnd festgestellt, sagte man: „Goethe war ein Genie. Dass er aber „Genossen“ klein geschrieben hat, kann ich ihm nicht verzeih`n!“
Scherz beiseite!
Wir hatten die Freude, von Sonnenstrahlen erwärmt, auf der Parkbank sitzend, ganz in der Nähe einen mindestens 15 Minuten dauernden Schwanentanz mitzuerleben. Geradezu majestätisch, mit einer unvergleichlichen Grazie vollführten zwei Schwäne diesen Ritus.
Nachher schwammen beide unvermittelt in entgegengesetzter Richtung davon.
Zwar davon gehört, aber noch nie erlebten wir ein derartiges Naturschauspiel.
Von den ständigen Schlechtwetterprognosen bedroht, sie bewahrheiteten sich während unserer ersten 4 Reisetage nicht, galt es zu überlegen, ob Mainau zu besuchen sei.
Nachdem wir die für unser Dafürhalten fast mit Schmuck überladene Wallfahrtskirche in Birnau besuchten, erhielt wir bei der Weiterfahrt in Meersburg einen Parkplatz.
Die Frage ist zu stellen, wie gestaltet sich eine Autoreise während der Hauptreisezeit ? Staus und Parkplatzsorgen werden dem Autotouristen das Vergnügen verleiden.
Nach einem Stadtbummel fanden wir ein Fährboot, das beängstigend am Ufer auf der leichten Brise des Bodensees tanzte.
Als wir auf den Beginn der „Seereise “ nach der Insel Mainau warteten, kam meine Gattin mit einer Dame ins Gespräch. Sie sprach wenig Deutsch. Angesprochen, sie sei wohl Engländerin, protestierte sie heftig. Sie stellte bestimmt fest, sie sei Schottin !
Während der zwanzigminütigen Überfahrt stellte sich eine recht stabile Seetüchtigkeit ein, so dass die Seekrankheitssorgen unbegründet waren.
Ohne zu übertreiben kann man feststellen, dass die 44 ha große Mainau eine gärtnerische Sensation ist.
Begünstigt durch das subtropische Klima am Nordrand der Alpen, im größten Voralpensee, stellt sich eine unvergleichliche Flora vor. Sie scheint in unseren Breiten einzigartig zu sein.
Das vom Deutschritterorden mit Schlosskirche erbaute Barockschloss zeugt davon, dass die Erbauer wie alle bisherigen Nutzer die Gesamtanlage nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck, schließlich auch zum Gelderwerb anlegten.
Es ist müßig nach Worten zu ringen, um dieses Kleinod auch nur andeutungsweise beschreiben zu wollen. Man ist überwältigt von der Schönheit der Parkanlagen. Schauen, schauen, in sich aufnehmen und genießen. Man muss Mainau gesehen und erlebt haben.
Dabei ist der frühe Jahreszeitpunkt in der gärtnerischen Gestaltung keinesfalls der Höhepunkt.
Ein viel zu kurzer Blick in das Orchideenhaus rundete das Erlebnis Mainau ab.
Südlicher als in München und nun am Bodensee waren wir in Deutschland noch nicht unterwegs.
Vorgesehen hatten wir, unsere Bodenseefahrt in Lindau zu beenden.
Witterungsbedingt und Omas Zeitsorgen, sie kann sich nur wenige Tage von ihren Hühnern trennen, ließen uns den Heimweg bereits von Meersburg aus in Richtung Nordwesten gegen 13 Uhr antreten.
Wieder kreuzten wir die Oberschwäbische Barockstraße. Die Sehenswürdigkeiten daran konnten wir nur im bebilderten ADAC Ferienstraßenreiseführer miterleben. Sie zu besuchen blieb keine Zeit. Bis Ulm blieben wir unserem Prinzip treu, Landstrassen zu benutzen. Auch von Ulm aus wollten wir in Richtung Nürnberg so verfahren. Aber der allbekannte Spruch: “ In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ verwandelte sich für uns zum Fluch. Wir verfranzten uns derart, dass wir schweren Herzens uns entschlossen, den Rest der Strecke Autobahn zu fahren.
Nahe Nürnberg und Hof quälten wir uns in Staus Richtung Norden. Man fragte sich, wer bevölkert denn freitags die Autobahn so massiv in dieser Richtung. Auf der Gegenrichtung nach Süden jagten die Raser ungehindert vorbei.
Es konnten eigentlich nur Leute sein, die als Pendler am Wochenende in ihre Ostheimat zurück wollten, die sich mit uns gen Norden mühten.
Ab Hof in Richtung Fichtelgebirge trafen dann die Wettervorhersagen uns mit ihrer vollen Abscheulichkeit. Regen und zunehmend Nebel erschwerten das Vorankommen. Wo es dann ohne Stau endlich vorwärts ging, konnte man nur kopfschüttelnd vermerken, dass Lebensmüde die mit 140 km/h im Nebel Fahrenden überholten, dass man glaubte, man stünde.
Chemnitz wurde schließlich bei starkem Nebel erreicht. Ich hatte Mühe die Tankstelle zu finden. Gegen 23 Uhr konnten wir auf dem heimatlichen Hof wieder einfahren. 1800 km zeigte das Trip-Tachometer für die fünftägige Autofahrt.
Obwohl anstrengend, war sie sehr erlebnisreich und erbaulich.
Wir hatten Freude, unsere Bekannten besuchen zu können und sind dankbar dafür, dass wir als Freunde in selbstloser Weise Gastfreundschaft fanden.

Es sieht fast so aus, als wäre der Weg zu einem Blumenstrauß für mein Herzchen doch länger.
Es fallen einem eine ganze Reihe von Erlebnissen ein, die es festzuhalten galt.
Man fragte sich, wer bevölkert denn freitags die Autobahn so massiv in dieser Richtung. Auf der Gegenrichtung nach Süden jagten die Raser ungehindert vorbei.
Es konnten eigentlich nur Leute sein, die als Pendler am Wochenende in ihre Ostheimat zurück wollten,die sich mit uns gen Norden mühten.
Ab Hof in Richtung Fichtelgebirge trafen dann die Wettervorhersagen uns mit ihrer vollen Abscheulichkeit. Regen und zunehmend Nebel erschwerten das Vorankommen. Wo es dann ohne Stau endlich vorwärts ging, konnte man nur kopfschüttelnd vermerken, dass Lebensmüde die mit 140 km/h im Nebel Fahrenden überholten, dass man glaubte, man stünde.
Chemnitz wurde schließlich bei starkem Nebel erreicht. Ich hatte Mühe die Tankstelle zu finden. Gegen 23 Uhr konnten wir auf dem heimatlichen Hof wieder einfahren. 1800 km zeigte das Trip-Tachometer für die fünftägige Autofahrt.
Obwohl anstrengend, war sie sehr erlebnisreich und erbaulich.
Wir hatten Freude, unsere Bekannten besuchen zu können und sind dankbar dafür, dass wir als Freunde in selbstloser Weise Gastfreundschaft fanden.

Es sieht fast so aus, als wäre der Weg zu einem Blumenstrauß für mein Herzchen doch länger.
Es fallen einem eine ganze Reihe von Erlebnissen ein, die es festzuhalten galt.

 

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